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Feldpostbriefe - Lettres de poilus

»... wer fällt, der stirbt den Heldentod«

Vor achtzig Jahren, am 11. November 1918 endete der Erste Weltkrieg. Daran erinnert eine neue Sendereihe des Deutschlandfunk, die in Zusammenarbeit mit Radio France und dem deutsch-französischem Jugendwerk entstand. Präsentiert werden Feldpostbriefe, die Hörerinnen und Hörer uns geschickt haben. Dokumente von Begeisterung und Hingabe, von Ernüchterung und Entsetzen. Der Erste Weltkrieg im Spiegel von Feldpostbriefen, ab dem 2. November montags bis freitags um 8:20 Uhr in den "Informationen am Morgen".

Im Internet haben Sie die Möglichkeit historische Begleitinformationen, mit umfangreichen Text-, Bild- und Tonmaterial zum Ersten Weltkrieg abzurufen. Daneben können Sie montags bis freitags ab 8:30 Uhr das aktuelle Manuskript nachlesen und die Sendung im RealAudio-Format anhören.

15. Sendung - 20. November

Krieg der Ideen.

Zu den französischen Kriegszielen gehört es, dem preußischen Militarismus ein Ende zu machen. Außerdem werden die Deutschen, nach der Vernichtung der berühmten Bibliothek von Löwen und der Beschießung der Kathedrale von Reims zu Kriegsbeginn, in der französischen Propaganda als Hunnen und Barbaren bezeichnet.

Auf deutscher Seite wird die Auseinandersetzung wiederum als Kampf der vorgeblich höherwertigen deutschen Kultur gegen die niedere französische Zivilisation ausgegeben. Führende Intellektuelle verteidigen deutsche Dichtung gegen französische Literatur.

Wie selbstverständlich jedoch europäische Kultur für manchen kämpfenden Soldaten ist, zeigt der Brief von Herman Richter. Freiwillig tritt er gleich zu Kriegsbeginn vom Lehrerseminar in das Heer ein. Der Gefreite schreibt im November desselben Jahres an seinen Schwager und bedankt sich, auch mit französischen Ausdrücken, für ein Lebensmittelpaket :

" Wir leben jetzt rein lukullisch. Unsere soupe bestand gestern abend aus Pilzsuppe, Gemüsejulienne, Schmalzbrot und Wurstbrot. Dazu trank jeder einen halben Liter Glühwein, den wir uns gemacht hatten... Aber wir essen augenblicklich nicht nur gut, sondern wir haben auch hohe geistige Genüsse !! Ich habe nämlich hier eine Auswahl der Fabeln von Lafontaine requiriert. Eine ganz neue Ausgabe von 1913. Nur mit den Vokabeln geht es nicht recht."

Im Februar 1915 schreibt Richter über den Fronteinsatz:

"Mein lieber Reinhold,

wie ich Dir wohl geschrieben habe, liegt unsere jetzige Stellung rechts von unserer vorigen. In der letzteren haben sie vor einigen Tagen Waffenstillstand gehabt. Beide Parteien haben oben auf dem Grabenrand gesessen, während die Franzosen ihre Toten begraben haben. "

Fünf Monate später heißt es in einem Brief des Kriegsfreiwilligen an die Mutter:

"Wohl lebt immer noch in uns diese Lust, dem Feinde ans Leder zu gehen, und noch mit derselben Begeisterung singen wir unsere schönen alten Soldatenlieder. Aber neben dem jugendlichen Frohsinn steht oft ein schwarzes kaltes etwas und macht uns hart und kalt und verwandelt das Herz in unserer Brust zu Stein, so daß wir kein Erbarmen kennen. Oh, wir haben die Wonne empfunden, wenn der hartnäckige Gegner Schritt um Schritt zurückweicht und wir in freudiger Siegeshoffnung ihm ungestüm nachdrängen. Aber auch haben wir die tiefe Niedergeschlagenheit empfunden, wenn es hieß: "Zurück ! Wir sind zu schwach, um die Stellung zu halten !" und wir , zähneknirschend, dem frohlockenden Gegner weichen mußten. Voll warmer Nächstenliebe und treuer Kameradschaft erfüllt sind wir vorgekrochen und haben die Verwundeten geborgen. Freund oder Feind, gleichviel, beiden suchten wir mit lieber Hand die Schmerzen zu stillen.

Aber auch gings hart und kalt von Mund zu Mund: "Pardon wird nicht gegeben !" .. Da half kein Hände hoch, kein Flehen, eine Kugel war die Antwort. Was nützt es, daß sie sich zitternd im Unterstand zusammendrängten, ein paar Handgranaten ließen jeden Laut verstummen.

Aber wir vergalten ihnen die Grausamkeiten nur, die diese schwarzen Bestien an unseren Kameraden getan hatten. Aber sei unbesorgt, lieb Mütterle, wenn uns das Vaterland dereinst entläßt, und wir in die traute Heimat zurückkehren, da sind wir wieder die alten und wollen singen und jubeln und unserem Hergott danken für jedes bißchen Sonne, das er uns ins Herz wirft."