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Feldpostbriefe - Lettres de poilus

»... wer fällt, der stirbt den Heldentod«

Vor achtzig Jahren, am 11. November 1918 endete der Erste Weltkrieg. Daran erinnert eine neue Sendereihe des Deutschlandfunk, die in Zusammenarbeit mit Radio France und dem deutsch-französischem Jugendwerk entstand. Präsentiert werden Feldpostbriefe, die Hörerinnen und Hörer uns geschickt haben. Dokumente von Begeisterung und Hingabe, von Ernüchterung und Entsetzen. Der Erste Weltkrieg im Spiegel von Feldpostbriefen, ab dem 2. November montags bis freitags um 8:20 Uhr in den "Informationen am Morgen".

Im Internet haben Sie die Möglichkeit historische Begleitinformationen, mit umfangreichen Text-, Bild- und Tonmaterial zum Ersten Weltkrieg abzurufen. Daneben können Sie montags bis freitags ab 8:30 Uhr das aktuelle Manuskript nachlesen und die Sendung im RealAudio-Format anhören.

18. Sendung 25. November

Zeit der Entscheidung.

Aus den Gerüchten, daß die deutsche Heeresleitung mit einer Offensive das Kriegsende herbeizwingen wolle, wird Gewissheit. Am 21. März 1918 beginnt die Offensive im Nordwesten Frankreichs. Unter großen Verlusten kämpfen sich die deutschen Truppen vorwärts - bis Ende April werden mehr als 400tausend Opfer beklagt.

Wer dabei ist, berichtet dennoch fast freudig nach Hause, denn es keimt die Hoffnung auf, daß der Krieg nun zu Ende geht.

Der Leutnant Hermann Richter schreibt am 4. April 1918 an seinen Schwager:

"Mein lieber Reinhold,

es wird wohl nun kein Staatsverbrechen mehr sein, wenn ich Dir von unserer großen Offensive erzähle, die ich leider nur zwei Tage mitgemacht habe.

Die Geheimhaltung über Wann und Wo war sehr gut. Überall wurden riesenhafte Vorkehrungen getroffen. Wir sprachen Offiziere von der Champagne, aus dem Elsaß , aus Flandern. Und jeder behauptete steif und fest, bei sich werde die Sache steigen. Die Spannung wurde allmählich unerträglich....Endlich erfuhren wir, daß der 21. der x-te Tag sein sollte. Gott sei dank, hieß es, endlich schlagen wir doch mal los. In der Nacht vom 20. zum 21. waren die Straßen schwarz voller Kolonnen. Eine Kolonne schob sich lautlos an der anderen vorbei. Die Nerven waren fieberhaft gespannt:"Hat Tommy was gemerkt ? Dann Gnade uns Gott. Er schlägt uns ja in der

Bereitstellung zusammen, wie nichts !" Aber, Tommy wußte von nichts ! Ohne einen Schuß zu bekommen, erreichten wir unseren Bereitstellungsplatz und warteten nun der Dinge, die noch kommen sollten. Punkt 4 Uhr 40 wurde an der ganzen Front das Trommelfeuer eröffnet. Es war ein Gekrache und Gesause in der Luft, wie wir es noch nie erlebt hatten."

Die Antwort der Alliierten auf diese deutsche Offensive ist die Schlacht bei Amiens im August 1918. Die Tanks, wie die Panzer damals genannt werden, brechen tief in die deutschen Linien ein. Dies ist der Wendepunkt des Krieges.

Einen Monat nach Beginn der alliierten Offensive schreibt der französische Soldat Henry Lange an seine Schwester Hélène, es ist sein letztes Lebenszeichen, er fällt einen Tag später im Alter von 20 Jahren:

"Après quatre ans d'angoisse , mêlée d'espérance, tu vois enfin apparaître les signes avant coureurs de la félicité que tu as si bien méritée. ...

Nach vier Jahren des mit Hoffnung verbundenen Schreckens kannst Du endlich die Vorzeichen des Glücks sehen , das Du so sehr verdient hast.
Dort, in einigen tausend Metern Entfernung vor uns, zeichnet sich die Morgenröte des Sieges ab. Das Unglück hat lange gedauert, doch wir sehen nun das Ende, sei glücklich, meine geliebte Hélène.

Dein Brief mit den vielen guten Wünschen hat mich vor einigen Tagen erreicht. Danke. Doch schon jetzt fühle ich mich glücklich, ein wenig, ein ganz klein wenig zu dem Sieg beigetragen zu haben; mein Traum wird Wirklichkeit.
Gestern abend, im Quartier der Deutschen, abseits der Front, wo meine Männer und ich uns ausruhten, empfand ich große Freude: meine Poilus haben mir ein "anerkennendes Lob" ausgesprochen; sie haben mir in tief bewegenden Worten gesagt, daß sie mit mir zufrieden wären, was mir die Tränen in die Augen trieb. Wir haben unsere Pflicht getan; aber ich bin außerordentlich umsichtig, vorsichtig gewesen, und ich hatte die Genugtuung, keine oder nur so geringe Verluste gehabt zu haben, daß sie kaum zählen.

Jetzt bin ich nicht mehr im Kampf und ich bedaure es. Was für erhabene Empfindungen ich hatte, als wir die fliehenden Boches auf dem wiedereroberten französischen Boden verfolgten.

... Maintenant je ne suis plus dans la bataille et je le regrette; quelles sensations sublimes j'ai éprouvées en parcourant ce sol francais reconquis derrière les Boches en fuite. ."