![]() |
|
![]() |
||||||||||
![]() |
||||||||||||
|
|
||||||||||||
|
Feldpostbriefe - Lettres de poilus
»... wer fällt, der stirbt den Heldentod« Begleitinformationen Desillusionierung – Friedenssehnsucht
Front, Hinterland (Etappe) und Heimat hatten sich im Verlauf des Krieges "auseinandergelebt". Die Frontsoldaten sahen in der Etappe, ohne deren Logistik der Krieg gar nicht funktionieren konnte, nur "Drückebergerei". Heimat und Front hatten ganz unterschiedliche Sorgen. Der Frontalltag war für die Angehörigen an der "Heimatfront" nicht vorstellbar, auch nur schwer vermittelbar. Obwohl die Gedanken der Soldaten in ihren Feldpostbriefen häufig um das Wohlergehen der Angehörigen zu Hause kreisten, fiel es ihnen manchmal schwer, Verständnis für die Sorgen der Heimatfront wie die Versorgungsschwierigkeiten oder die Beschwernisse der Fabrikarbeit aufzubringen.
Im Gegensatz zur Front konnte die zivile Bevölkerung ihrer Friedenssehnsucht Ausdruck geben. So kam es im April und August 1917 zu Streiks und im Januar 1918 in Hamburg zu einer großen Antikriegsdemonstration. Die Beendigung des "Burgfriedens" zwischen bürgerlichem und sozialdemokratischem Lager kündigte sich an, zumal Reformen für die Zeit erst nach dem Krieg versprochen wurden. An der Front, wo das Gesetz von Befehl und Gehorsam galt, blieb dem Soldat angesichts des Disziplinarstrafrechts wenig Spielraum für Proteste, nur die Möglichkeit passiver Resistenz, eines "Dienstes nach Vorschrift". Ein Alarmsignal stellte für die Führung die zunehmende Zahl derjenigen dar, die sich bei alliierten Offensiven gefangen nehmen ließen.
Den Bemühungen der Politiker, den Krieg zu beenden, wurde wenig Vertrauen entgegengebracht. In der Tat war das Friedensangebot der Mittelmächte, das Bethmann-Hollweg Anfang Dezember 1916, getragen von den Reichstagsparteien, unterbreitet hatte, wirkungslos verpufft. Der Vermittlungsvorschlag des amerikanischen Präsidenten Wilson Ende Dezember wurde von Reichsleitung und OHL wiederum abgelehnt. Bei den Soldaten an der Front machte sich nach den vergeblichen Materialschlachten der Jahre 1916/17 eine Desillusionierung über ein baldiges Kriegsende breit, die sich in sinkender Moral, steigender Friedenssehnsucht und wachsender Bereitschaft zu einem Verständigungsfrieden ausdrückte. Die Vorbereitungen und der Beginn der deutschen Frühjahrsoffensive 1918 löste bei den Soldaten einen letzten Hoffnungsschimmer aus, den Krieg doch bald zu einem Ende zu bringen. Nach dem Fehlschlag der Offensive machte sich die Kriegsmüdigkeit der Front fast mit einem Schlag Luft. Es häufte sich die Zahl der Weigerung von Einheiten, in Stellung zu gehen. Die Zahl der Krankmeldungen und Versprengten nahm zu. Allerdings kam es nicht zu Meutereien im großen Stil wie 1917 auf französischer Seite, sondern eher zu "verdeckten Streiks", ein Unterlaufen des militärischen Systems. Teil der Soldaten begannen, sich mit den Streikenden und Kriegsgegnern in der Heimat zu solidarisieren. Pflichterfüllung hieß bald nur noch, das allernötigste zu tun, um ein Chaos zu vermeiden.
|