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  1. Kriegsbeginn 1914
  2. Patt und Stagnation 1915
  3. Das große Gemetzel 1916/17
    Falkenhayn
    Verdun
    Somme
    Materialschlacht
    Heldentod
    Flandern
  4. Zeit der Entscheidung 1917/18
  5. Museen und Ausstellungen zur Westfront
  6. Literatur- hinweise
  7. Impressum

    Sendung vom
    10.11.

Feldpostbriefe - Lettres de poilus

»... wer fällt, der stirbt den Heldentod«

Begleitinformationen

Falkenhayn

Erich von Falkenhayn, preußischer Kriegsminister, übernahm nach dem Debakel der Marne-Schlacht die OHL und war für die sinnlosen Angriffe im November 1914 in Flandern verantwortlich. Die dortigen schweren Verluste lösten bei ihm einen Schock und einen Lernprozeß aus. Falkenhayn glaubte nicht mehr an die Möglichkeit eines Durchbruchs durch die feindliche Front, auch bei "größerer Material- und Menschenanhäufung". Im Gegenteil: Gerade "die technischen Schwierigkeiten der Leitung und Versorgung von Massenangriffen seien kaum überwindlich, die Verteidiger letzten Endes dem Angreifer überlegen". Weiterhin war Falkenhayn nicht mehr von einem möglichen Siegfrieden überzeugt und forderte von der Reichsleitung, in Petersburg wegen einer Verständigung mit dem Zarenreich vorzufühlen, was sich als irreal erwies, da die Alliierten - Frankreich, England, Russland - ausdrücklich Separatverhandlungen und Separatfrieden ausgeschlossen hatten. Einen militärischen Sieg über Rußland hielt Falkenhayn für illusorisch. Der Gegner würde nur in der Tiefe des Raumes ausweichen.

Falkenhayn und Stab Quelle: Großer Bilderatlas des Weltkrieges, Bd. 2, München 1915, S. 293
Kommentar: General von Falkenhayn (3. v. l.) mit Stab.

Den zweiten Versuch, eine Partei aus der gegnerischen Allianz herauszubrechen, stellte der Angriff auf Verdun dar, dessen Konzept Ende 1915 feststand, geplant als "Ausblutungsschlacht", welche die Moral der französischen Infanterie brechen sollte, von deren Kampfeigenschaften Falkenhayn nichts hielt. Für diese Schlacht gedachte er doch nicht etwa alle Reserven freizugeben, da er in Erwartung einer Alliierten-Großoffensive im Sommer 1916 nicht mit leeren Händen darstehen wollte. Das Problem sei, "mit verhältnismäßig bescheidenem eigenen Aufwand dem Gegner schweren Schaden an entscheidender Stelle zuzufügen". Diese Stelle glaubte er, an der Nordfront gefunden zu haben; falls die Franzosen sich entschließen würden, die Festungsstadt zu verteidigen, würden sie im "Kessel von Verdun" von der deutschen Artillerie zermalmt werden. In Frankreich sah Falkenhayn nur den "Festlandsdegen" Englands, in England den Hauptgegner, den "gefährlichsten Feind", mit dem die "Verschwörung gegen Deutschland" stehe und falle. Da England auf dem Kontinent nicht zu fassen sei, bliebe nur der uneingeschränkte rücksichtslose U-Boot-Krieg, um das Inselreich niederzuzwingen, bevor sich die Seeblockade für die Mittelmächte ungünstig auswirkte.

Falkenhayn dachte politisch, schätzte die Situation Deutschlands durchaus realistisch ein, stand aber der Truppe wiederum verständnislos, "frontfremd" gegenüber, was auch der Plan einer Ausblutungsschlacht verrät.