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  1. Kriegsbeginn 1914
  2. Patt und Stagnation 1915
  3. Das große Gemetzel 1916/17
    Falkenhayn
    Verdun
    Somme
    Materialschlacht
    Heldentod
    Flandern
  4. Zeit der Entscheidung 1917/18
  5. Museen und Ausstellungen zur Westfront
  6. Literatur- hinweise
  7. Impressum

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Gedenkblatt
Quelle: Privat

Feldpostbriefe - Lettres de poilus

»... wer fällt, der stirbt den Heldentod«

Begleitinformationen

Heldentod

Auf den deutschen Gymnasien wurde vor dem Ersten Weltkrieg gelehrt, daß es "süß und ehrenvoll" sei, für das Vaterland zu sterben. Der Kriegstod war nur als Heldentod stilisiert vorstellbar. Der Sprachgebrauch wurde auch offiziell beibehalten, obwohl sich bereits bei Beginn des Krieges die bürgerlichen Vorstellungen vom Tod als Illusion herausstellten: der Krieg bedeutete vielmehr Anonymität, Elend, Verunsicherung, Angst, Verstümmelung und damit ein Herausfallen aus der Gesellschaft. Der einzelne Soldat war in der Auseinandersetzung mit dem Tod allein gelassen, wenn er nicht von den Feldgeistlichen Trost anzunehmen bereit war.

Tote Quelle: Der Weltkrieg in seiner rauhen Wirklichkeit, hrsg. v. Hermann Rutz, Oberammergau 3. Aufl. 1926, S. 289
Kommentar: Vor allem bei den riesigen Matererialschlachten der Jahre 1916/17, wie hier bei Verdun, war eine ordentliche Bestattung der "in Massen gefallenen Heldensöhne" [aus dem Originalkommentar des Bildes von 1926] nicht mehr möglich und machten eine Massenbestattung erforderlich, zumal rund die Hälfte der Gefallenen nicht mehr identifizierbar waren.

In der Propaganda durchlief der Begriff einen Bedeutungswandel. Der Held der ersten Monate war der "deutsche Mann", der sich fraglos für das Vaterland, Kaiser und Heimat opferte. Das erste Gefecht, die "Feuertaufe", galt als eine Art Initiationsritus im Reifungsprozeß für den Heldentod. Im Verlauf des Krieges wurde Durchhalten, Pflichterfüllung, fatalistische Hinnahme als "heldenhaft" gefeiert. Hinter der Front im Etappenbereich wurden "Heldenfriedhöfe" sogenannte "Heldenhaine" angelegt. Spezielle Gräberoffiziere kümmerten sich um entsprechende schlichte Ausstattung. Dabei stand der massenhafte Tod an der Westfront im krassen Gegensatz zum individuellen, friedensmäßigen: Tote wurden in den Trichterfeldern in Stücke gerissen, mußten vor Ort verscharrt wurden, wenn sie nicht ordentlich bestattet werden konnten, wurden vom Artilleriefeuer immer wieder an die Oberfläche gerissen, so daß ein permanenter Leichengeruch über den vorderen Linien lag.

Gedenkkarte Quelle: Illustrierte Zeitung, Nr. 3722 (Okt 1914)
Kommentar: Derartige Gedenkkarten waren ein wichtiges Medium, um die Verklärung des anonymen Massensterbens an der Westfront als Heldentod innerhalb der Bevölkerung, wie auch der Soldaten aufrechtzuerhalten.

Zeitgenössisches Lied über den Heldentod:
Das Eiserne Kreuz (1914)

Formbriefe, stereotype Wendung auch in persönlich abgefaßten Briefen von Kompanieführern, zu deren Dienstpflichten die Benachrichtigung der Familienangehörigen gehörte, verschleierten den wahren Zusammenhang, wie der Soldat ums Leben gekommen war: ob er gelitten hatte, zerfetzt worden war oder im Stich gelassen werden mußte. Der Heldenkult wurde nach Kriegsende in allen Ländern zur staatlichen Gedächtniszeremonie, zur Mahnung an die Lebenden, nicht zu vergessen. Dem Massensterben versuchte man in Frankreich und England durch das Sinnbild des "unbekannten Soldaten" als Symbol aller Kriegstoten gerecht zu werden. In Deutschland war die Erinnerung an den Weltkrieg ein andauerndes Heldenlied, das auf Regimentstreffen und in den Publikationen der amtlichen Kriegsgeschichtsschreibung beschworen wurde. Der vierjährige Stellungskrieg galt vielen als Deutschlands Heldenkampf. Der Gefallenenkult war ein nicht unwesentlicher Bestandteil der Selbstdarstellung der Weimarer Republik. "Habt ihr einmal, ein einziges Mal nur wenigstens nachher die volle, nackte, verlaust blutige Wahrheit gezeigt"? fragte Kurt Tucholsky 1925, als er mit ansehen mußte, daß die politische Rechte in Deutschland zunehmend die Erinnerung an den Krieg und den Mythos des Fronterlebnisses prägte und propagandistisch ausbeutete.