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Feldpostbriefe - Lettres de poilus
»... wer fällt, der stirbt den Heldentod« Begleitinformationen Heldentod
Auf den deutschen Gymnasien wurde vor dem Ersten Weltkrieg gelehrt, daß es "süß und ehrenvoll" sei, für das Vaterland zu sterben. Der Kriegstod war nur als Heldentod stilisiert vorstellbar. Der Sprachgebrauch wurde auch offiziell beibehalten, obwohl sich bereits bei Beginn des Krieges die bürgerlichen Vorstellungen vom Tod als Illusion herausstellten: der Krieg bedeutete vielmehr Anonymität, Elend, Verunsicherung, Angst, Verstümmelung und damit ein Herausfallen aus der Gesellschaft. Der einzelne Soldat war in der Auseinandersetzung mit dem Tod allein gelassen, wenn er nicht von den Feldgeistlichen Trost anzunehmen bereit war.
In der Propaganda durchlief der Begriff einen Bedeutungswandel. Der Held der ersten Monate war der "deutsche Mann", der sich fraglos für das Vaterland, Kaiser und Heimat opferte. Das erste Gefecht, die "Feuertaufe", galt als eine Art Initiationsritus im Reifungsprozeß für den Heldentod. Im Verlauf des Krieges wurde Durchhalten, Pflichterfüllung, fatalistische Hinnahme als "heldenhaft" gefeiert. Hinter der Front im Etappenbereich wurden "Heldenfriedhöfe" sogenannte "Heldenhaine" angelegt. Spezielle Gräberoffiziere kümmerten sich um entsprechende schlichte Ausstattung. Dabei stand der massenhafte Tod an der Westfront im krassen Gegensatz zum individuellen, friedensmäßigen: Tote wurden in den Trichterfeldern in Stücke gerissen, mußten vor Ort verscharrt wurden, wenn sie nicht ordentlich bestattet werden konnten, wurden vom Artilleriefeuer immer wieder an die Oberfläche gerissen, so daß ein permanenter Leichengeruch über den vorderen Linien lag.
Formbriefe, stereotype Wendung auch in persönlich abgefaßten Briefen von Kompanieführern, zu deren Dienstpflichten die Benachrichtigung der Familienangehörigen gehörte, verschleierten den wahren Zusammenhang, wie der Soldat ums Leben gekommen war: ob er gelitten hatte, zerfetzt worden war oder im Stich gelassen werden mußte. Der Heldenkult wurde nach Kriegsende in allen Ländern zur staatlichen Gedächtniszeremonie, zur Mahnung an die Lebenden, nicht zu vergessen. Dem Massensterben versuchte man in Frankreich und England durch das Sinnbild des "unbekannten Soldaten" als Symbol aller Kriegstoten gerecht zu werden. In Deutschland war die Erinnerung an den Weltkrieg ein andauerndes Heldenlied, das auf Regimentstreffen und in den Publikationen der amtlichen Kriegsgeschichtsschreibung beschworen wurde. Der vierjährige Stellungskrieg galt vielen als Deutschlands Heldenkampf. Der Gefallenenkult war ein nicht unwesentlicher Bestandteil der Selbstdarstellung der Weimarer Republik. "Habt ihr einmal, ein einziges Mal nur wenigstens nachher die volle, nackte, verlaust blutige Wahrheit gezeigt"? fragte Kurt Tucholsky 1925, als er mit ansehen mußte, daß die politische Rechte in Deutschland zunehmend die Erinnerung an den Krieg und den Mythos des Fronterlebnisses prägte und propagandistisch ausbeutete.
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