Deutschlandfunk DeutschlandRadio Berlin Suchen
programmvorschau sendungen frequenzen
Kontakt

 
  Feldpostbriefe - Lettres de poilus

»... wer fällt, der stirbt den Heldentod«

 

Begleitinformationen

3. Das große Gemetzel 1916/17

Feldpost-Logo

  1. Kriegsbeginn 1914
  2. Patt und Stagnation 1915
  3. Das große Gemetzel 1916/17
  4. Zeit der Entscheidung 1917/18
  5. Museen und Ausstellungen zur Westfront
  6. Literatur- hinweise
  7. Impressum
Das Jahr 1915 hatte an der Westfront nur ein ergebnisloses Ringen gebracht, nach den Vorstellungen der beiden Gegner sollte 1916 die Entscheidung fallen. In Chantilly einigten sich noch im Dezember 1915 die Alliierten für die Mitte des kommenden Jahres auf eine große Offensive , die, wie Joffre glaubte, dem deutschen Heer den "Todesstoß" versetzen würde. Vorher sollte jedoch in mehreren Teilangriffen an vielen Frontabschnitten die "Abnutzung" des Feindes betrieben werden.

Im Gegensatz zu seinen Gegnern besaß Falkenhayn nicht den Optimismus, mit einem einzigen Schlachtensieg, geschweige denn mit einem Durchbruch durch die feindliche Front, die Kriegsentscheidung herbeizuführen. Er entwickelte das Konzept einer Ermattungsstrategie, die die Franzosen von ihrem Bündnispartner England trennen und, gekoppelt mit dem uneingeschränkten, rücksichtslosen U-Boot-Krieg, einen Verhandlungsfrieden erzwingen sollte. Bei Verdun sollte die französische Armee zum "Ausbluten" gebracht werden. Es stellte sich jedoch heraus, daß auch die deutschen Truppen in der Schlacht bei Verdun (Februar - Dezember 1916) schwer in Mitleidenschaft gezogen wurden. Verdun wurde für beide Seiten zum Symbol sinnlosen Massensterbens, zum Inbegriff der Materialschlacht, in der der einzelne Soldat nichts weiter war als Material, "Menschenmaterial", in der es nur massenhaftes Sterben gab, das aller Propaganda vom "Heldentod" Hohn sprach. Die französischen Armee bei Verdun sollte durch den planmäßigen Beginn der alliierten Großoffensive an der Somme im Juli entlastet werden, die alles bisherige in den Schatten stellte, was Artillerievorbereitung und Infanteriemassierung betraf. Die Kämpfe zogen sich bis in den November hin. Trotz überaus schwerer Opfer gelang den Engländern unter Feldmarschall Haig nur ein Geländegewinn, nicht jedoch der Durchbruch durch die deutschen Stellungen.

Konsequenz der gescheiterten Offensive bei Verdun war die Ablösung Falkenhayns durch das "Feldherrnpaar" Hindenburg/Ludendorff, den Siegern der "Schlacht bei Tannenberg" 1914, von denen sich Reichsleitung und Kaiser die Beendigung der Führungskrise und die Patentlösung für das kräftezehrende Patt an der Westfront versprachen. Auf französischer Seite wurde der bei den Politikern unbeliebte Marschall Joffre durch General Nivelle ersetzt. Nivelle sah sich für seinen Erfolg in der Herbstschlacht bei Verdun belohnt und glaubte damit für das Jahr 1917 das Siegesrezept in der Tasche zu haben.

Als dritte Materialschlacht im "großen Gemetzel 1916/17" folgte ab Juli 1917 die 3. Ypernschlacht, wo der englische Oberbefehlshaber durch einen Vorstoß in Flandern Richtung Passchendaele die Deutschen von ihren U-Boot-Basen an der belgischen Kanalküste abzuschneiden versuchte. Der fast ein halbes Jahr lang sich hinziehende Kampf in den offenen Trichterstellungen einer Schlammwüste, bei dem erstmals Panzer und Flugzeuge im größeren Stil eingesetzt wurden, entwickelte sich zu einer der schlimmsten Erfahrungen der Soldaten auf beiden Seiten und leitete auf deutscher Seite ernsthafte Anzeichen einer völligen Kriegsunwilligkeit und Erschöpfung auch bei bisher zuverlässigen Kampfgruppen ein. Die Somme-Schlacht galt als "britisches Verdun", Flandern 1917 wurde auf deutscher Seite als "zweites Verdun" bezeichnet - es steht fest, daß sich mit "Verdun" eine Wende des Weltkriegs abgezeichnet hatte. Seit dieser Schlacht waren die Truppen nicht mehr "dieselben", die Erfahrungen der Infanteristen und die Vorstellungen der Generalität waren nicht auf einen Nenner zu bringen. Was "oben" geplant wurde, erlebte der Soldat "unten" als blindes, stumpfsinniges Massaker, das ihm die Sprache verschlug. Der französische Schriftsteller Henry Barbusse hatte für diese Situation die bezeichnenden Worte gefunden: Nicht zwei feindliche Armeen kämpften gegeneinander, beide waren im Grunde eine einzige Armee, die "Selbstmord" verübte.

zurück | weiter