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  1. Kriegsbeginn 1914
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    Langemarck
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  4. Zeit der Entscheidung 1917/18
  5. Museen und Ausstellungen zur Westfront
  6. Literatur- hinweise
  7. Impressum

    Sendung vom
    4.11.

Feldpostbriefe - Lettres de poilus

»... wer fällt, der stirbt den Heldentod«

Begleitinformationen

Ypernoffensive 1914 – Langemarck

Trotz des Scheiterns aller Offensiven, der extrem hohen Verluste auf beiden Seiten und der erkennbaren Überlegenheit der modernen Defensivwaffen, hielten die Generalitäten beider Seiten an dem Primat der Offensive und an der Überzeugung fest, daß nur ein Bewegungskrieg den Sieg bringen könne. Nach der Marne-Schlacht entbrannte ein "Wettlauf zum Meer", bei dem beide Seiten versuchten, den jeweils anderen von Norden her zu umfassen und die Bewegung wiederaufnehmen zu können. Auch nachdem deutsche wie alliierte Truppen fast gleichzeitig die Kanalküste erreichten, wurden Durchbruchversuche unternommen, wobei sich die deutsche Armee auf den Raum Ypern konzentrierte, der im Verlauf des Weltkrieges eines der umkämpftesten Schlachtfelder bleiben sollte.

Langemarck Schlachtfeld Quelle: Großer Bilderatlas des Weltkrieges, Bd. 2, München 1915, S. 34
Kommentar: Ein Schlachtfeld bei Ypern Oktober 1914. Der sinnlose Durchbruchversuch einer schlecht vorbereiteten neuen Armee aus vornehmlich jugendlichen Kriegsfreiwilligen in Flandern sollte als die Schlacht von Langemarck in die deutsche Erinnerung eingehen.

Der Name der kleinen Ortschaft Langemarck in Flandern wurde zum Symbol für den vergeblichen Durchbruchversuch der im Oktober 1914 vornehmlich aus jugendlichen Kriegsfreiwilligen neuaufgestellten vierten Armee Richtung Ypern. Am 11. November 1914 meldete der deutsche Heeresbericht: Westlich von Langemarck brachen junge Regimenter unter dem Gesang "Deutschland, Deutschland über alles" gegen die erste Linie der feindlichen Stellungen vor und nahmen sie! Diese Darstellung wurde der Kern der späteren Langemarck-Legende. Tatsächlich waren die überhastet aufgestellten, unzulänglich ausgebildeten und schlecht geführten neuen Einheiten auf breiter Front auf die Stellung des abwehrbereiten britischen Expeditionskorps gestoßen und in tagelangen Angriffsversuchen unter schwersten Verlusten gescheitert. Erst am 18. November brach die OHL, die den Gegner unterschätzte hatte, die Offensive ab. Auch die Engländer, die keinen Fuß nachgaben, hatten überaus schwere Verluste. Seit November 1914 galt Ypern als "Denkmal und Grad britischer Tapferkeit". In Deutschland wurde der "freiwillige Opfergang" der Kriegsfreiwilligen vor allem nach dem Krieg mit kultischen Zügen versehen und nach 1933 von den Nationalsozialisten zur Einschwörung auf den kommenden zweiten Krieg propagandistisch ausgebeutet.

Hitler in Langemarck Quelle: Kriegsgräberfürsorge. Mitteilungen und Bereichte vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V., 20. Jg., Heft 8, August 1940
Kommentar: Das "freiwllige Opfer für Deutschland", das die "deutsche Jugend bei Langemarck" 1914 erbracht hatte, war die zentrale Botschaft des Langemarck-Mythos, der von der NS-Propaganda verbreitet wurde.