Deutschlandfunk DeutschlandRadio Berlin Suchen
programmvorschau sendungen frequenzen
Kontakt

 
Feldpost-Logo

  1. Kriegsbeginn 1914
  2. Patt und Stagnation 1915
  3. Das große Gemetzel 1916/17
    Falkenhayn
    Verdun
    Somme
    Materialschlacht
    Heldentod
    Flandern
  4. Zeit der Entscheidung 1917/18
  5. Museen und Ausstellungen zur Westfront
  6. Literatur- hinweise
  7. Impressum
Feldpostbriefe - Lettres de poilus

»... wer fällt, der stirbt den Heldentod«

Begleitinformationen

Materialschlacht - Massensterben

In den Materialschlachten an der Westfront enthüllte sich der industrielle Charakter des Krieges. Der enorme Verbrauch von Munition durch automatische Waffen wie Maschinengewehre und Artilleriedauerfeuer stellte die Volkswirtschaft der einzelnen Länder vor völlig neue Belastungsproben. Der Weltkrieg entwickelte sich in seinem Fortdauern zu Krieg der Volkswirtschaften, in dem die größeren Ressourcen und Produktionskapazitäten zu entscheidenden Faktoren wurden. Die Materialschlacht erforderte auch den Masseneinsatz von Soldaten als "Menschenmaterial". Die Folge waren Massensterben und massenhafte Verwundung.

Angriff
Quelle: Der Weltkrieg in seiner rauhen Wirklichkeit, hrsg. v. Hermann Rutz, Oberammergau 3. Aufl. 1926, S. 79
Kommentar: Materialschlacht bedeutete auch den massenhafte Einsatz von Infanteristen beim Sturmangriff. Das Bild zeigt eine durch Gaswolken vorstürmende deutsche Infantrieeinheit bei Armentières im Frühjahr 1918.

Unter dem Eindruck einer brutalen Kriegstechnik, des permanenten Artilleriefeuers, eines regelrechten Vernichtungsfeuers, das sich bei Offensiven zu einem wochenlang anhaltenden Trommelfeuer steigerte, und nur von wellenartigen Infanterievorstößen unterbrochen wurde, konnte sich nur die Überzeugung herausbilden, einem Maschinenkrieg ausgeliefert zu sein, selber Teil einer Maschine zu sein. Die psychische Belastung zog schwere seelische Beschädigungen nach sich, deren Auswirkung von der Führung verkannt, ignoriert und dementiert wurde: Krieg war Nervensache, Willenssache, wie es im offiziellen Jargon hieß.

Schlachtfeld
Quelle: Der Weltkrieg in seiner rauhen Wirklichkeit, hrsg. v. Hermann Rutz, Oberammergau 3. Aufl. 1926, S. 126
Kommentar: Ein typisches Bild der Materialschlacht. Nach einem Sturmangriff türmen sich im Stacheldrahtverhau des Niemandslandes die Leichen.

In der Materialschlacht, auf deren Realität kein Kriegsteilnehmer vorbereitet war, erfuhr der Soldat die Grenze der menschlichen Existenz. Alles war auf ein paar Grunderfahrungen reduziert: Hunger, Nässe, Durst, Erschöpfung, verbunden mit der ständigen Angst, getötet, verletzt oder verstümmelt zu werden. Das Kampfgeschehen selbst wurde als unheimliche bedrohliche Realität erlebt - ein von irgendwo her heranfliegendes Geschoß suchte sich wahllos und zufällig seine Opfer. Permanent drohte die Gefahr, in Stücke gerissen oder lebendig verschüttet zu werden.

Verschüttete
Quelle: Der Weltkrieg in seiner rauhen Wirklichkeit, hrsg. v. Hermann Rutz, Oberammergau 3. Aufl. 1926, S. 226
Kommentar: Neben der permanenten Todesgefahr bestand auch immer das Risiko, von einem indirekten Granattreffer verstümmelt oder verschüttet zu werden. Das Bild zeigt eine verschüttete Grabenbesetzung bei Arras 1917. Nur der Oberkörper eines Mannes ist noch sichtbar.

Das Leben an der Westfront war auch immer ein Leben in der Gesellschaft von Toten, die entweder während der Schlacht nicht bestattet werden konnten, oder aber durch die Artillerieexplosionen immer wieder an die Oberfläche gerissen wurde. Der individuelle Einsatz erfolgte oftmals in einem militärischen Zusammenhang, dessen Logik und Sinn für den einzelnen Soldaten undurchschaubar blieb. Der massenhafte Einsatz stand im Gegensatz zur Vereinsamung im Granattrichter sowie zur Isoliertheit als Verwundeter.

Verwesung
Quelle: Der Weltkrieg in seiner rauhen Wirklichkeit, hrsg. v. Hermann Rutz, Oberammergau 3. Aufl. 1926, S. 59
Kommentar: Da die Schlachtfelder während der vier Jahre Westfront im wesentlichen dieselben blieben, war ein Leben an der Front auch immer ein Leben inmitten von Leichen, zumal diese während einer Schlacht meist nicht begraben werden konnten. Gerade gestorbene Soldaten vermischten sich zudem mit älteren verwesenden Leichen, die durch Artilleriefeuer immer wieder an die Oberfläche gerissen wurden

In ihren Briefen, aber auch noch nach dem Kriegsende reagierten die Soldaten auf das Erlebte mit einer Sprachlosigkeit, mit einer Unfähigkeit, das Grauen in Worte zu fassen. Zur endlosen Dauer des Krieges gehörte ein zermürbender Kriegsalltag, der immer wieder dieselben Erlebnisse und Erfahrungen, Schikanen und Befehlssituationen mit sich brachte: Ein Einsatz folgte auf den nächsten und der Soldat war nur für wenige Augenblicke aus dem Teufelskreis von Tod und Vernichtung entlassen. Die Reaktionen waren psycho-somatische Erkrankung, Abstumpfung, Verdrängung, Verstummen, Sprachlosigkeit. Die Frage, warum die Soldaten trotzdem weitermachten hat viele Antworten: Pflichtgefühl, Patriotismus, Angst vor Disziplinarstrafen, Verantwortung für die nächsten Kameraden und das Eingebundensein in das soldatische Lebensgefüge.

Schützengraben
Quelle: Der Weltkrieg in seiner rauhen Wirklichkeit, hrsg. v. Hermann Rutz, Oberammergau 3. Aufl. 1926, S. 59
Kommentar: Da die Schlachtfelder während der vier Jahre Westfront im wesentlichen dieselben blieben, war ein Leben an der Front auch immer ein Leben inmitten von Leichen, zumal diese während einer Schlacht meist nicht begraben werden konnten. Gerade gestorbene Soldaten vermischten sich zudem mit älteren verwesenden Leichen, die durch Artilleriefeuer immer wieder an die Oberfläche gerissen wurden