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  1. Kriegsbeginn 1914
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    Propaganda
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  5. Museen und Ausstellungen zur Westfront
  6. Literatur- hinweise
  7. Impressum

    Sendung vom
    20.11.

Feldpostbriefe - Lettres de poilus

»... wer fällt, der stirbt den Heldentod«

Begleitinformationen

Propagandakrieg – Krieg der Ideen

Der Erste Weltkrieg war auch ein "Krieg der Ideen" und der erste überhaupt, in dem die Propaganda die gesamte Gesellschaft der beteiligten Großmächte durchdrang, da "die Stimmung der Massen zu einem wesentlichen Faktor der Kriegführung wurde" (J. Verhey). Die institutionelle Bündelung aller Interessensbereiche der psychischen Kriegführung wichen in den verschiedenen Ländern voneinander ab. Sie umfaßte Pressesteuerung und Postzensur, Flugblatt- und Plakatkampagnen, Pamphlet- und Vortragsliteratur, Kultur- und Filmarbeit, wie beispielsweise auf deutscher Seite mit der Gründung der UFA 1917.

Wilhelm II. Quelle: Feldpostkarte (Privatbesitz)
Kommentar: Ein wichtiger Faktor der deutschen Propaganda war die Abwälzung der Verantwortung für den Krieg.

Propagandistisches Hörbild "zum Besten deutscher Krieger
und deren Angehörigen" (Januar 1915)

Zu Kriegsbeginn wurden Soldaten wie Zivilbevölkerung durch Feind- und Haßbilder emotionalisiert. Im Verlauf wurde der zunehmenden Erschöpfung und Kriegsmüdigkeit, bedingt durch die lange Kriegsdauer, mit massiver Durchhaltepropaganda begegnet. Mit den Kriegsverbrechen in Belgien wie die Verletzung der Neutralität und das brutale Vorgehen gegen belgische Zivilisten, die als angebliche Franctireurs beschuldigt wurden, lieferten die Deutschen selber Munition für die alliierte Propaganda, die von den "Hunnen unter einem neuen Attila" sprachen.

Propaganda Quelle: Illustrierte Zeitung, Nr. 3714 (Sept 1914)
Kommentar: Diese Zeichnung von Felix Schwormstädt illustriert einen fiktiven Franctireur-Überfall in Belgien. Durch die propagandistische Ausschlachtung der tiefsitzenden Angst vor derartigen "völkerrechtswidrigen" Attacken der Zivilbevölkerung in den besetzten Gebieten konnte ein hartes Durchgreifen bis hin zu vereinzelten Massakern gerechtfertigt werden.

Dichter wie Stefan George und Rainer Maria Rilke, Schriftsteller und Wissenschaftler waren verantwortlich für eine zusätzliche intellektuelle Aufheizung. Die Aufrufe deutscher Gelehrter richteten sich an die "Kulturwelt" 1914, das deutsche Volk forderten sie 1916 auf, "zum Durchhalten gerüstet" und "vom Siegeswillen erfüllt" zu sein. Die militärische Auseinandersetzung wurde zum Kampf der Kulturen, zum Heiligen Krieg erklärt und ideologisch radikalisiert.

Propaganda Quelle: Illustrierte Zeitung, Nr. 3847 (März 1917)
Kommentar: Auch die Abwälzung der Verantwortung für die Zerstörungen in französischen Städten, vor allem von "Kulturdenkmälern" wie Kirchen und Kathedralen, war ein häufiges Motiv der deutschen Propaganda. So berichtete beispielsweise die Illustrierte Zeitung auf mehreren Seiten von der "Englischen Zerstörungswut auf französischem Boden.

Auf französischer Seite sprach man vom "Kampf der Zivilisation" und "Ideen von 1789" gegen "deutsche Barbarei und Militarismus", auf englischer und amerikanischer Seite vom "Kreuzzug für Freiheit und Demokratie". In Deutschland war vom "Kampf der germanischen Kultur und Volksgemeinschaft" und von den "Ideen von 1914", die sich "gegen Zivilisation, Gesellschaft und Dekadenz" richteten, die Rede: "Am deutschen Wesen solle die Welt genesen!" In dieser aufgeheizten Propaganda ist auch ein Grund dafür zu suchen, warum sich der Übergang zum Frieden, vor allem in Deutschland, so schwierig gestalten sollte.