Deutschlandfunk DeutschlandRadio Berlin Suchen
programmvorschau sendungen frequenzen
Kontakt

 
Feldpost-Logo

  1. Kriegsbeginn 1914
    Kriegserklärung
    Schlieffenplan
    Marne-Schlacht
    Langemarck
    Propaganda
    Stellungskrieg
  2. Patt und Stagnation 1915
  3. Das große Gemetzel 1916/17
  4. Zeit der Entscheidung 1917/18
  5. Museen und Ausstellungen zur Westfront
  6. Literatur- hinweise
  7. Impressum

    Sendung vom
    2.11.

Feldpostbriefe - Lettres de poilus

»... wer fällt, der stirbt den Heldentod«

Begleitinformationen

Schlieffen-Plan – Belgien – Bewegungskrieg

Die deutschen Militärs und Politiker sahen sich in der Juli-Krise 1914 ohne Alternative zum Schlieffen-Plan, als dem angeblich "einzigen Weg zum Sieg". Dieser 1905 erstellte Plan beruhte auf Überlegungen Graf Schlieffens, Chef der obersten Heeresleitung von 1891 bis 1906, daß Deutschland aufgrund seiner geographischen Lage mit einem Zwei-Fronten-Krieg zu rechnen habe. Da Rußland durch die Langsamkeit seiner Mobilmachung als gehandikapt angesehen wurde, sollte zunächst, Frankreich niedergeworfen werden, um dann mit der vollen militärischen Kraft Rußland zu besiegen.

Schlieffenplan Quelle: Großer Bilderatlas des Weltkrieges, Bd. 1, München 1915, S. 54
Kommentar: Zeitgenössische Karte des deutschen Vormarsches über Belgien nach Frankreich, wie es im Schlieffenplan vorgesehen war.

Damit kehrte Schlieffen den Aufmarschplan seines Vorgängers "des älteren Moltke" um, der zuerst eine Offensive gegen das Zarenreich befürwortete, während er im Westen in der Defensive bleiben wollte. Dahinter stand die Furcht vor einer längeren Kriegsdauer, die Schlieffen dagegen unter allen Umständen vermeiden wollte. Frankreich sollte in einer einzigen großen Bewegungsschlacht geschlagen werden: Während der linke deutsche Flügel gegenüber der französischen Festungslinie Belfort-Epinal-Toul-Verdun passiv blieb, sollte der stärkere rechte Flügel in einer großen Ausholbewegung die französische Armee im Rücken umgehen und einkesseln. Politisch gesehen war der Schlieffen-Plan verhängnisvoll, weil er, um die französischen Festungslinien entlang der Küste zu umgehen, die Verletzung der belgischen Neutralität in Kauf nahm und so den Kriegseintritt Englands provozierte. Damit wäre die "Idee des kurzen Krieges" eigentlich von vornherein ad absurdum geführt gewesen.

General Helmuth von Moltke Der am 2. August zum Generalstabschef ernannte jüngere Moltke hielt dennoch an einer leicht modifizierten Form des Schlieffen-Plans fest, was einerseits auf eine hohe Risikobereitschaft und andererseits auf eine gewisse Realitätsblindheit der politischen und militärischen Führung im Deutschen Reich hindeutet.

Der französischen Generalität war der Schlieffen-Plan zwar 1914 bekannt, sie glaubte jedoch nicht an seine Umsetzung. Statt dessen beabsichtigte sie, gemäß dem Operationsplan XVII von 1913, die Deutschen im Raum Lothringen zu einer großen Entscheidungsschlacht zu zwingen. Die Umsetzung dieses Plans durch General Joffre spielte der deutschen Seite direkt in die Hände und führte Frankreich an den Rand einer Niederlage.

Brüssel Quelle: Großer Bilderatlas des Weltkrieges, Bd. 1, München 1915, S. 106
Kommentar: Parade deutscher Truppen in Brüssel, das am 20.August 1914 eingenommen wurde.

In einem schnellen Vorstoß durchquerten deutsche Armeen bis Anfang September Belgien und Nordfrankreich und konnte erst zwischen dem 5. und 10. September an der Marne aufgehalten und zum Rückzug gezwungen werden.