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  1. Kriegsbeginn 1914
  2. Patt und Stagnation 1915
  3. Das große Gemetzel 1916/17
  4. Zeit der Entscheidung 1917/18
    Desillusionierung
    Brest-Litowsk
    Ludendorff
    Siegfried-Linie
    Letzte Offensive
    Waffenstillstand
  5. Museen und Ausstellungen zur Westfront
  6. Literatur- hinweise
  7. Impressum

    Sendung vom
    23.11.

Feldpostbriefe - Lettres de poilus

»... wer fällt, der stirbt den Heldentod«

Begleitinformationen

Rückzug in die Siegfried-Stellung 1917

Im September 1916 war hinter einem weit vorspringenden nordöstlichen Frontbogen zwischen Arras und Laon der Bau einer starken Verteidigungsstellung, der sogenannten Siegfried-Stellung, begonnen worden, die einen etwaigen Durchbruch des Gegners in der Picardie abriegeln sollte. Da die Truppen, die hier die Somme-Offensive der Engländer abgewehrt hatten, in verschlammten, verseuchten, im Grunde unhaltbaren Löchern und Gräben hausten, beschloß das zuständige Oberkommando, diese Einheiten zurückzunehmen, um gleichzeitig deren Moral unter besseren Existenzbedingungen zu heben. Man berechnete, daß durch diese Frontverkürzung um 50 Kilometer mindestens zehn Divisionen beziehungsweise 200 000 Mann eingespart würden.

Damenweg Siegfriedlinie Quelle: Der Weltkrieg im Bild. Bd. 1: Originalaufnahmen des Kriegs-, Bild- und Filmamtes aus der modernen Materialschlacht, München 1928, S. 157
Kommentar: Der im Kriegsjahr 1917 verlustreich umkämpfte Chemin des Dames bildete den linken Flügel der Siegfried-Linie..

Erst im Februar 1917, nachdem die schwerste Winterzeit vorbei war, gab Ludendorff sein Einverständnis, obwohl doch gerade er beim Amtsantritt als Führer der OHL von der Notwendigkeit von Frontbegradigungen gesprochen hatte. Der Rückzug im März 1917 unter dem Decknamen "Alberich" wurde als strategische und organisatorische Meisterleistung gefeiert; aber die Geländepreisgabe begleiteten systematische Zerstörungsmaßnahmen, die das aufgegebenen Terrain in eine Mondlandschaft, in ein "Reich des Todes" verwandelten. Dörfer und Gehöfte wurden dem Erdboden gleichgemacht. "Keine Kirche, keine Brücke, keine Straße, keine Eisenbahnlinie, kein Bahndamm, kein Wald, kein Obstbaum blieb stehen", so schilderte ein zeitgenössischer Bericht. Spezielle Zerstörungsoffiziere überwachten die Einhaltungsmaßnahmen in einzelnen Zerstörungszonen. Erstmals in der Neuzeit fand eine "Taktik der verbrannten Erde" Anwendung. Alles brauchbare Material wurde abtransportiert, die Einwohnerschaft zusammengetrieben, um sie dem nachrückenden Gegner als "unnütze Esser" zu überlassen. Das Ziel dieser Verwüstungen war es, den Angriffsschwung der Gegner in einem Gelände festlaufen zu lassen, das ihnen vollkommen unvertraut geworden ist und zudem keinerlei Schutz bot.

Péronne Quelle: Der Weltkrieg im Bild. Bd. 2: Frontaufnahmen aus den Archiven der Entente, München 1929, S. 221
Kommentar: Einzug britischer Truppen in das zerstörte Péronne, daß wie viele andere französische Dörfer beim Rückzug der deutschen Streitkräfte in die Siegfried-Stellung geräumt wurde. Die Besatzer hinterließen dabei ein großes Holzschild mit den Worten: "Nicht ärgern, nur wundern" [Ausgestellt im Historial de la Grande Guerre in Péronne].

In den Augen der Alliierten bestätigte das Zerstörungswerk das Bild von den Deutschen als moderne Vandalen. Die systematischen Zerstörungen wurden von der alliierten Propaganda aufgenommen und übertrieben. So entstanden die Gerüchte, daß es neben den strategischen Zielen auch zu zusätzliche Maßnahmen wie "Brunnenvergiftung", die "Unterminierung von Straßenteilen", das "Präparieren von Kellern durch versteckte Bomben zu Menschenfallen" gekommen sei. Das Zerstörungswerk des Unternehmen "Alberich" fand sich im Vertragswerk von Versailles als Kriegsverbrechen aufgeführt.

Zerstörungen Quelle: Großer Bilderatlas des Weltkrieges, Bd. 3, München 1915, S. 322
Kommentar: Diese Darstellung aus einem zeitgenössischen Bildband dokumentiert die systematischen Zerstörungen des deutschen Heeres vor ihrem taktischen Rückzug auf die gut befestigte Siegfried-Linie.