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Feldpostbriefe - Lettres de poilus

»... wer fällt, der stirbt den Heldentod«

Begleitinformationen

Stellungskrieg – "Maschineller Krieg"

Der Stellungskrieg war eine Folge der Stärke von Defensivwaffen, die sich den Offensivwaffen überlegen zeigten, und es der Infanterie allein überließ, die gegnerischen Linien über das Niemandsland hinweg schutzlos zu stürmen. Das tief gegliederte Stellungssystem bestand aus mehreren, durch Stacheldraht gesicherten Verteidigungsgräben, einer Hauptkampflinie, Auffangstellungen und Verbindungsgräben, alle versehen mit Unterständen und Erdbunkern, in denen die Soldaten lebten. Um der eigenen Infanterie bei einem Sturmangriff gegen die feindlichen Gräben den Weg zu bahnen, mußten zunächst die feindlichen MG-Nester und Artilleriestellungen ausgeschaltet werden.

Artillerie
Quelle: Der Weltkrieg im Bild. Bd. 1: Originalaufnahmen des Kriegs-, Bild- und Filmamtes aus der modernen Materialschlacht, München 1928, S. 240
Kommentar: Die Taktik des Stellungskrieges war geprägt von Artilleriedauerfeuer und Infanterievorstößen. Das Bild zeigt eine deutsche Mörserbatterie in Feuerstellung. Zwischen 1915 und 1918 wurde die Anzahl der Geschütze pro km von 30 auf 100 erhöht.

Dies erforderte den Einsatz von schwerer Artillerie. War die erste gegnerische Verteidigungslinie zerschlagen und gestürmt, mußte jedoch erst wiederum die eigene Artillerie umgruppiert und nachgezogen werden, wodurch der Gegner Zeit bekam, sich erneut festzusetzen, die eigene Verteidigung neu zu organisieren, Reserven heranzuführen und eventuell durch Gegenstöße den Gegner aus den eroberten Stellungen zu verdrängen, bevor er sich dort eingerichtet hatte. Das Schema des vierjährigen Stellungskrieges an der Westfront bestand demnach aus dem Wechsel zwischen den langen relativen Ruhephasen mit Ausbesserungsarbeiten, Wachdienst und Patroulliengängen und der mörderischen Materialschlacht in Angriffsphasen. Dabei wechselten sich tagelanges Artilleriedauerfeuer und Infanteriesturmangriffe ab, immer mit dem Ziel, die feindlichen Stellungen zu durchbrechen.

Schützengraben Quelle: Der Weltkrieg in seiner rauhen Wirklichkeit, hrsg. v. Hermann Rutz, Oberammergau 3. Aufl. 1926, S. 167
Kommentar: Schützengraben während eines kombinierten Gas- und Artillerieangriffs.

Der Stellungskrieg veränderte das bisherig eher heroische Kriegsbild, das von Kavallerieattacken, Mann gegen Mann-Kämpfen und entrollten Fahnen geprägt war. Unter der Einwirkung des permanenten Artilleriebeschusses verwandelte sich das Schlachtfeld in eine unwirkliche Trichterlandschaft, die an Brennpunkten wie Verdun, an der Somme oder in Flandern mit einer Mondlandschaft verglichen wurde, in der außer bei Sturmangriffen der einzelne Kämpfer verschwand, unsichtbar war. Gleichzeitig hatten die Soldaten das Gefühl einer permanenten Beobachtung und Bedrohung durch Flugzeuge, Scharfschützen und gegnerische Aufklärung. Für die Soldaten führte die extreme physische wie psychische Belastung des Stellungskrieges zum Gefühl von Hilflosigkeit und Ausgeliefert-Sein. Die Unsichtbarkeit des Gegners, die große Reichweite der außerhalb der Sicht stehenden Artillerie, die neuen technischen Waffen wie Maschinengewehre, Minen und Granaten ließen den Weltkrieg als "maschinellen Krieg" erfahren, bei dem der Tod nicht mehr in Gestalt eines greifbaren Gegners, sondern als allgegenwärtiger anonymer "Maschinist" erschien.

Schützengraben Quelle: Der Weltkrieg im Bild. Bd. 2: Frontaufnahmen aus den Archiven der Entente, München 1929, S. 142
Kommentar: Im Stellungskrieg waren die Schützengräben nicht nur Ort des Kampfes, sondern auch alltägliches Lebensumfeld der Soldaten. Das Bild zeigt eine schlafende Reserveeinheit.

Beide Gegner hatten Gaskampfmittel entwickelt und erhofften von dieser neuen Waffe den Durchbruch durch feindliche Stellungen. Von den Deutschen wurde diverse Kampfgase zuerst in Rußland und Flandern eingesetzt. Der lautlose, "heimtückische" Tod bedeutete für die Soldaten noch eine Steigerung des Gefühls des Ausgeliefert-Seins, zumal die notwendigen Gasmasken Freund und Gegner noch unmenschlicher erscheinen ließ.

Stosstrupp Quelle: Der Weltkrieg in seiner rauhen Wirklichkeit, hrsg. v. Hermann Rutz, Oberammergau 3. Aufl. 1926, S. 178
Kommentar: Deutscher Stoßtrupp beim Angriff. Im Stellungskrieg folgten auf ein vorbereitendes Artilleriedauerfeuer massierte, meist sehr verlustreiche Infanterieangriffe auf die feindlichen Gräben. Allerdings waren auf diese Weise nur kleine Geländegewinne möglich, ein wirklicher Durchbruch der gegnerischen Linien war selten.