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Feldpostbriefe - Lettres de poilus
»... wer fällt, der stirbt den Heldentod« Begleitinformationen Stellungskrieg – "Maschineller Krieg"
Der Stellungskrieg war eine Folge der Stärke von Defensivwaffen, die sich den Offensivwaffen überlegen zeigten, und es der Infanterie allein überließ, die gegnerischen Linien über das Niemandsland hinweg schutzlos zu stürmen. Das tief gegliederte Stellungssystem bestand aus mehreren, durch Stacheldraht gesicherten Verteidigungsgräben, einer Hauptkampflinie, Auffangstellungen und Verbindungsgräben, alle versehen mit Unterständen und Erdbunkern, in denen die Soldaten lebten. Um der eigenen Infanterie bei einem Sturmangriff gegen die feindlichen Gräben den Weg zu bahnen, mußten zunächst die feindlichen MG-Nester und Artilleriestellungen ausgeschaltet werden.
Dies erforderte den Einsatz von schwerer Artillerie. War die erste gegnerische Verteidigungslinie zerschlagen und gestürmt, mußte jedoch erst wiederum die eigene Artillerie umgruppiert und nachgezogen werden, wodurch der Gegner Zeit bekam, sich erneut festzusetzen, die eigene Verteidigung neu zu organisieren, Reserven heranzuführen und eventuell durch Gegenstöße den Gegner aus den eroberten Stellungen zu verdrängen, bevor er sich dort eingerichtet hatte. Das Schema des vierjährigen Stellungskrieges an der Westfront bestand demnach aus dem Wechsel zwischen den langen relativen Ruhephasen mit Ausbesserungsarbeiten, Wachdienst und Patroulliengängen und der mörderischen Materialschlacht in Angriffsphasen. Dabei wechselten sich tagelanges Artilleriedauerfeuer und Infanteriesturmangriffe ab, immer mit dem Ziel, die feindlichen Stellungen zu durchbrechen.
Der Stellungskrieg veränderte das bisherig eher heroische Kriegsbild, das von Kavallerieattacken, Mann gegen Mann-Kämpfen und entrollten Fahnen geprägt war. Unter der Einwirkung des permanenten Artilleriebeschusses verwandelte sich das Schlachtfeld in eine unwirkliche Trichterlandschaft, die an Brennpunkten wie Verdun, an der Somme oder in Flandern mit einer Mondlandschaft verglichen wurde, in der außer bei Sturmangriffen der einzelne Kämpfer verschwand, unsichtbar war. Gleichzeitig hatten die Soldaten das Gefühl einer permanenten Beobachtung und Bedrohung durch Flugzeuge, Scharfschützen und gegnerische Aufklärung. Für die Soldaten führte die extreme physische wie psychische Belastung des Stellungskrieges zum Gefühl von Hilflosigkeit und Ausgeliefert-Sein. Die Unsichtbarkeit des Gegners, die große Reichweite der außerhalb der Sicht stehenden Artillerie, die neuen technischen Waffen wie Maschinengewehre, Minen und Granaten ließen den Weltkrieg als "maschinellen Krieg" erfahren, bei dem der Tod nicht mehr in Gestalt eines greifbaren Gegners, sondern als allgegenwärtiger anonymer "Maschinist" erschien.
Beide Gegner hatten Gaskampfmittel entwickelt und erhofften von dieser neuen Waffe den Durchbruch durch feindliche Stellungen. Von den Deutschen wurde diverse Kampfgase zuerst in Rußland und Flandern eingesetzt. Der lautlose, "heimtückische" Tod bedeutete für die Soldaten noch eine Steigerung des Gefühls des Ausgeliefert-Seins, zumal die notwendigen Gasmasken Freund und Gegner noch unmenschlicher erscheinen ließ.
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