Nichts fürchten mittelständische Unternehmen derzeit mehr, als dass ihnen ihre Hausbank den Geldhahn abdreht. Und auch wenn es noch keine generelle Kreditklemme gibt: Immerhin 26 Prozent der der deutschen Firmen berichten bereits jetzt, dass sich die Kreditkonditionen für sie verschlechtert haben. Denn in Zeiten wie diesen schauen Banken genauer hin, welche Risiken sie eingehen. Was also tun, wenn die Hausbank plötzlich Zinsen plus Risikoaufschlag verlangt, eine Kreditlinie kündigt oder wenn sie ein neues Darlehen erst gar nicht mehr vergibt? Der Kölner Möbelhändler Johannes Genske half sich in dieser Situation selbst: Als ihm seine Bank den Kredithahn zudrehte, pumpte er seine Stammkunden an und sicherte so das Fortbestehen von "Biomöbel Genske" in Köln.
Die Lage im Kölner Norden macht das Unternehmen noch nicht besonders und auch nicht besonders "bio". Auch das Innere des Geschäfts ist eher unauffällig. Ruhige, aber betriebsame Atmosphäre:
"Biomöbel Genske, guten Tag."
Eine Verkäuferin berät beim Kauf eines Kinderbetts:
"Das habe ich drüben im Kinderzimmer, kann ich Ihnen gleich mal zeigen. Das ist ein ganz schlichter Baumwollstoff, können wir da auch noch mal. Rechnen wir da mal mit dem Taschenrechner. Ja, sind noch mal 270 Euro minus. Dann wollten Sie oben gerne das Babybett noch sehen? Und dann gehen wir mal in die obere Etage."
Ein kleiner Brunnen plätschert im Treppenhaus, die Stufen sind aus Holz - so wie die meisten Möbel im Geschäft. Doch Biomöbelläden gibt es viele. Johannes Genskes Unternehmen unterscheidet sich von den anderen durch eine unsichtbare Idee, die sich ausgerechnet in einer Krise entwickelte:
"Wir hatten im Jahr 2000 in Düsseldorf eine Filiale eröffnet und mussten die dann nach zweieinhalb Jahren schließen, weil die sich einfach wirtschaftlich nicht getragen hat, und hatten dann sehr plötzlich ein Liquiditätsproblem für unser Haus."
Wegen des aufgegebenen Geschäfts in Düsseldorf glaubten die Banken nicht mehr an den Erfolg von Biomöbel Genske, ausgeklügelten Businessplänen für das Kölner Haus zum Trotz.
"Da gab es dann eben zwei Möglichkeiten: einmal die Lieferanten anzufragen. Die haben aber auch alle kein Geld. Und dann blieben eigentlich nur die Stammkunden übrig, die eigentlich schon seit über einem Jahrzehnt zufrieden mit uns waren. Und da war das einfach, lag das auf der Hand, Kunden anzusprechen: Möchtet ihr euch bei mir, in meinem Geschäft beteiligen?"
Ein ungewöhnliches Konzept. Die Idee dazu verdankt Johannes Genske vielleicht auch seinem früheren Beruf.
"Ich habe zehn Jahre in der Sozialarbeit, war ich tätig, in der Jugendarbeit. Mit Jugendlichen, die auf der Straße waren, Beschäftigungsprogramme gemacht, Jugendliche aus der Psychiatrie. Und da müssen Sie eigentlich immer alles Mögliche organisieren und haben auch keine Angst vor Neuheiten und Neuerungen."
Querdenken war der Unternehmer also noch von früher gewohnt, und 13 seiner Kunden zogen mit. Sie hielten seine Idee vom Kundeninvest für belastbar und unterstützen ihn mit insgesamt 130.000 Euro. Einer dieser Kunden: Manfred Grabbe:
"Wir haben das dann bei einem kleinen Kaffee dann auch ausdiskutiert, und welche Ideen von ihm dahinterstecken, wollte ich natürlich auch wissen, und der Herr Genske hat einem auch relativ transparent dann offengelegt, wie der Laden finanziell läuft. Ich habe es eigentlich auch über die Jahre immer so ein bisschen beobachtet. Und wir haben auch öfter hier das eine oder andere Produkt gekauft, und sind deshalb eben auch von dem Konzept überzeugt gewesen."
Manfred Grabbe legt sein Geld lieber bei Unternehmen an, die er kennt als bei anonymen Fonds. Dabei schaut er aber sehr wohl aufs Geld.
"Nein, also investieren würde ich nicht bei einem besonders guten Freund. Das alleine reicht nicht. Das Konzept fand ich einfach überzeugend."
Und das Konzept hat sich gerechnet. Als stiller Teilhaber hat Manfred Grabbe, genau wie die übrigen zwölf Investoren, nicht die versprochenen vier Prozent Rendite bekommen. Die durchschnittliche Jahresrendite lag seit 2004 bei mehr als sechs, im vergangenen Jahr sogar bei mehr als zehn Prozent.
"Es gab eine ganz ordentliche Verzinsung aus diesem Invest heraus, und auf der anderen Seite ist es dann natürlich auch, ja, da schlägt dann auch das grüne Gewissen dann auch, ist es natürlich auch irgendwie nett, zu investieren und sich zu engagieren in Bereichen, wo eben Nachhaltigkeit gefördert wird."
Mit den Kunden als Investoren ist das Unternehmen Genske über den Berg gekommen. Die Zahlen stimmen, sagt Johannes Genske.
"Wir haben zurzeit, mit unseren stillen Teilhabern, eine Eigenkapitalquote von 28 Prozent, das gilt eigentlich schon als gesund. Wir haben auch noch Geld von Banken. Das haben wir dann auch ganz einfach bekommen, als dann die stillen Teilhaber hier investiert haben und dieses Engagement ja auch als Eigenkapital zählt, also da sind wir im Grunde genommen, vom Rating her, nach Basel II, ganz gut aufgestellt, und das hat dazu geführt, dass wir natürlich sämtliche Rechnungen mit Skonto rechtzeitig zahlen konnten, dass wir dann auch investieren konnten in unser Haus, was dann auch wieder zu einer Umsatzsteigerung und einer Ertragssteigerung geführt hat."
Für Biomöbel Genske hat sich die Idee vom Kunden-Invest also gelohnt: Die Umsätze steigen von 2,5 Millionen Euro im Jahr 2003 auf fast drei Millionen Euro im vergangenen Jahr, der Gewinn lag in den letzten Jahren bei mehr als 200.000 Euro - und das trotz der Krisenstimmung in der Möbel-Branche. Unternehmer Genske empfiehlt sein Erfolgskonzept weiter, allerdings unter Vorbehalt:
"Man muss schon einen Businessplan haben, der auch Hand und Fuß hat. Das ist ganz wichtig. Ich glaube, ich brauche für so einen Plan auch Erfahrung. Es muss eine Unternehmer-Persönlichkeit da sein, und es muss einfach auch ein Stammkunden-Stamm da sein, der Vertrauen zu einem hat. Wenn das nicht da ist, dann hat so ein System auch keine Zukunft oder keine Chance."
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