Planetologie. - Der Mond gilt als einer der trockensten Himmelskörper unseres Sonnensystems. Jetzt zeigen Daten unter anderem von der indischen Mondsonde Chandrayaan-1, dass es auf der Mondoberfläche doch Wasser gibt. Der Wissenschaftsjournalist Dirk Lorenzen erläutert die Ergebnisse im Gespräch mit Michael Böddeker.
Böddeker: Herr Lorenzen, wie kommt es zu diesem Sinneswandel der Forscher?
Lorenzen: Herr Böddeker, man hat nicht etwa jetzt neue Proben bekommen, sondern man hat jetzt Daten von drei Raumsonden analysiert, darunter die Daten der indischen Sonde Chandrayaan-1, die im Oktober letzten Jahres gestartet ist und den Mond umkreist. Und an Bord dieser Sonde ist eben ein Messgerät aus den USA, das die mineralogische Zusammensetzung der Mondoberfläche genau untersucht. Und dafür misst es das reflektierte Licht der Mondoberfläche, das heißt das Licht der Sonne trifft auf die Mondoberfläche, wird reflektiert und dann gemessen. Und in diesem reflektierten Licht, das ist eben nicht ganz exakt das Sonnenlicht, sondern in diesem reflektierten Licht finden sich charakteristische Spuren, wenn man so will, die Fingerabdrücke der chemischen Stoffe, die es dort auf dem Mond gibt. Und da hat man eben nachgesehen, und völlig überraschend hat man in diesen, praktisch im Fingerabdruck, in dem reflektierten Sonnenlicht Spuren von Wasser gefunden. Und hat dann eben in älteren Sonden nachgeguckt und sogar auch in denen Spuren von Wasser gefunden. Also die Überraschung ist groß, offenbar gibt es Wasser auf dem Mond.
Bödekker: Und in welcher Form liegt das Wasser dort auf dem Mond vor? Gibt es unterirdische Flüsse oder so etwas Ähnliches?
Lorenzen: Nein, man hat jetzt mit dieser Methode wirklich nur nachweisen können, einzelne Wassermoleküle, also H2O-Moleküle oder zum Teil sogar nur Teile davon. Die befinden sich im Mondboden, und auch da nur in den obersten paar Millimetern, tiefer kann eben dieses reflektierte Licht gar nicht eindringen, das Sonnenlicht nicht eindringen. Und man kann so etwa jetzt abschätzen, pro Tonne Mondboden gäbe es etwa einen Liter Wasser. Und dieses Wasser, diese Wasserteilchen, die sind dann auch noch ans Gestein gebunden, das heißt, wenn wir jetzt über den Mond laufen würden, da würde uns der Mond wirklich staubig und buchstäblich wirklich knochentrocken dort erscheinen. Aber eben das Wasser, oder diese Wasser-Moleküle, die sitzen im Boden.
Böddeker: Woher kommen denn diese Wassermoleküle? Haben die sich zusammen mit dem Mond gebildet?
Lorenzen: Man vermutet, dass das erst später, dieses Wasser, dazu gekommen ist. Wasser, H2O besteht ja aus Wasserstoff und Sauerstoff. Und Sauerstoff gibt es in großen Mengen im Mondgestein. Das besteht fast zur Hälfte, so Silikatgestein, aus Sauerstoff. Das heißt, davon ist viel da. Und der Wasserstoff, den man dann für Wasser braucht, den liefert offenbar die Sonne. Von der Sonne kommt ein Strom sehr schneller hoch energetischer Teilchen, wir auf der Erde merken davon wenig, weil wir vom Magnetfeld geschützt sind. Der Mond hat so etwas nicht, das heißt, dort prallen diese Wasserstoffteilchen auf die Mondoberfläche, die reagieren dann offenbar mit dem Sauerstoff, der in dem Gestein vorkommen. Und so kriegt man dann eben diese kleinen Wasserzeichen in den Mond. Ein Teil kommt es vom Mond selber, der Sauerstoff, der Wasserstoff kommt von der Sonne.
Böddeker: Warum hat man denn dieses Wasser nicht schon früher in den Bodenproben entdeckt, die die Apollo Mission mitgebracht hat?
Lorenzen: Das ist ein bisschen die Ironie der Geschichte. Man hatte in den Apollo-Proben tatsächlich Spuren von Wasser gefunden, die auch von der Menge her gut zu dem passen, was man jetzt gemessen hat mit den Raumsonden. Damals waren die Behälter, in denen man die Proben aufbewahrt hat, waren nicht wirklich dicht, und das heißt, ein bisschen irdische Atmosphäre war darin eingedrungen. Und man hat eben gedacht, das Wasser, das man dort gemessen hat, ist praktisch Verunreinigung durch diese irdische Luft, aber offenbar war das eine falsche Interpretation, wie man jetzt gemerkt hat.
Böddeker: Hat dieser Wasserfund denn auch Folgen für die künftigen Raumfahrtprojekte zum Mond?
Lorenzen: Das ist zumindest möglich, wenngleich es technisch sehr aufwändig wäre, dieses Wasser aus dem Mondboden zu binden. Aber im Prinzip sieht man jetzt, es scheint fast überall auf dem Mond im Boden eben Wasser zu geben. Bisher hatte man sich eben immer auf dieses Wasser, auf dieses mögliche Wassereis konzentriert, das in den polaren Kratern des Mondes deponiert sein könnte, dort von Kometen angeliefert wurde, so eisigen Körpern. Weil es eben an den Polen Krater gibt, in die die Sonne nie hineinscheint. Jetzt sieht man eben, es kommt darauf gar nicht so sehr an, und auf einmal ist Wasser ein Thema, das für die gesamte Mondoberfläche eine Rolle spielt. Und die Forscher sind jetzt sehr interessiert, denn in zwei Wochen wird eine amerikanische Sonde in so einen polaren Kratern stürzen, und das Material, das dann herausgeschleudert wird, das will man dann auch auf Wasser untersuchen. Also Wasser im Mond ist es ja ganz großes Thema, und der Mond ist bei weitem nicht so trocken, wie man gedacht hat.
Beiträge zum Nachhören
Forschung Aktuell
Sternzeit 09. Februar 2012
Sendezeit: 09.02.2012, 16:57
Assistenzsysteme für Wohnräume
Sendezeit: 09.02.2012, 16:49
Neue Runde im Streit um den Menschen von Flores
Sendezeit: 09.02.2012, 16:45
dradio-Recorder
im Beta-Test: