Medizin.- Über 30 Jahre ist es her, als das erste in vitro Baby geboren wurde. Seitdem sind Millionen Kinder im Reagenzglas erzeugt worden. Dennoch müssen unfruchtbare Paare bis heute eine belastende Prozedur auf ihrem Weg zum Wunschkind auf sich nehmen.
Die künstliche Befruchtung ist längst eine etablierte Technologie.
Die Bilanz der Europäischen Reproduktionsmediziner belege eindeutig die Fortschritte, so Anders Nyboe Andersen, Professor für Reproduktionsmedizin am Universitätskrankenhaus Kopenhagen .
"Jahr für Jahr steigt die Erfolgsquote bei der künstlichen Befruchtung. Wir haben weniger Fehlversuche, brauchen weniger Eizellen und weniger Embryonen. Das bedeutet: weniger Belastung für die Frauen. Heute erzielen wir bei etwa einem Drittel aller Versuche eine Schwangerschaft."
Das heißt aber auch: Zwei Drittel aller Versuche führen nach wie vor nicht zum Erfolg. Nicht weil die Befruchtung im Reagenzglas fehlschlägt, sondern weil der entstandene Embryo sich nicht in der Gebärmutter der Frau einnistet.
Während sich die Qualität von Eizellen oder Embryonen mittlerweile testen lässt, kann niemand genau bestimmen, ob der Körper der Frau wirklich für den Embryo bereit ist. Die Medizinerin Cathy Allen vom Rotunda Hospital in Dublin hat deshalb nach einer Möglichkeit gesucht, die Wahrscheinlichkeit vorherzusagen, mit der der Embryo sich in der weiblichen Gebärmutter einnisten wird.
"Immer wieder sehen wir Patientinnen für eine in vitro-Befruchtung, bei denen anscheinend alles stimmt. Ein hervorragender Embryo und eine empfängnisbereite Gebärmutter. Dennoch kommt es trotz mehrfacher Versuche nicht zur Schwangerschaft. Vermutlich ist dafür eine Art biologischer Dialog verantwortlich: Der Dialog zwischen dem mütterlichen Gewebe und dem Embryo. Er muss abgestimmt sein, damit es zur Schwangerschaft kommt."
Um einen aussagekräftigen Test zu entwickeln, verwendete Cathy Allen das Blut ihrer Patientinnen. Sie schaute sich die Abschriften der Gene genauer an: das sogenannte Transkriptom. Es handelt sich also nicht um einen Gentest im engeren Sinn. Denn die Gene selbst, sind ja immer gleich. Vielmehr kontrolliert der Test die Aktivität bestimmter Gene. Sind sie an- oder ausgeschaltet?
Die schwierige Aufgabe bestand darin, herauszufinden, welche Genaktivität für die Entstehung einer Schwangerschaft von Bedeutung ist. Cathy Allen untersuchte das gesamte Transkiptom der Patientinnen, also die Genaktivität aller etwa 20 000 menschlichen Gene zu acht verschiedenen Zeitpunkten. Bei einem Prozent davon - also bei etwa 200 Genen - fand sie tatsächlich einen Zusammenhang zwischen Genaktivität und Erfolg der künstlichen Befruchtung.
"Für uns war es eine Überraschung, als wir feststellten, dass eine bestimmte Gruppe von Genen tatsächlich immer dann verstärkt aktiv war, wenn anschließend der Transfer des Embryos erfolgreich verlief. Dass heißt: Bevor der Versuch beginnt, einen Embryo zu verpflanzen, gibt es einen Zeitpunkt, an dem sich vorhersagen lässt, ob es tatsächlich zur Schwangerschaft kommt."
Zurzeit sind die Mediziner aus Dublin dabei, ihren Bluttest marktreif zu machen. Sie entwickeln einen Biochip von der Größe einer Scheckkarte. Er soll unter 100 Euro kosten. Eine eindeutige Schwangerschaftsvorhersage durch diesen Test wird zwar nicht möglich sein, aber die Wahrscheinlichkeit lässt sich bestimmen. Und so erhöhen sich die Gewinn-Chancen bei der "Befruchtungslotterie". Nicht alle Reproduktionsmediziner sind von der Idee begeistert. Denn einige Frauen mit Kinderwunsch, denen der Test mehrfach eine geringe Schwangerschaftswahrscheinlichkeit mitteilen wird, werden es dann einfach nicht mehr versuchen.
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