Informationstechnik. - Wer heute in ein Krankenhaus eingewiesen wird, dessen Daten werden schon gleich zu Beginn in einem Computer erfasst. Doch die elektronische Datenverarbeitung ist nicht durchgängig. Auf der Medizinmesse Medica werden Visionen vom durchcomputerisierten Krankenhaus gezeigt.
Jede Woche treffen sich Ärzte des Klinikums Friedrichshafen mit ihren Kollegen aus Konstanz zur Tumorkonferenz. Radiologen, Pathologen, Frauenärzte und Strahlentherapeuten mussten sich dazu bisher immer ins Auto setzen und zwei Stunden ihrer Arbeitszeit auf der Straße verschwenden. Das ist vorbei. Die Tumorkonferenz findet jetzt online statt, mit einem speziellen Videokonferenzsystem. Die Fachärzte können gemeinsam hochaufgelöste Röntgenbilder betrachten, ein Therapiekonzept entwickeln und dieses digital unterschreiben. Jochen Wolf vom Klinikum Friedrichshafen stellte das Projekt auf der Medica vor.
"Durch diese technische Möglichkeit, haben wir die große Chance, diese Distanz schnell zu überbrücken, unkompliziert. Und wir haben den ganz großen Vorteil, dass niedergelassene Ärzte, der Frauenarzt, der die an einem Tumor erkrankte Patientin normalerweise betreut, sich zu dieser Tumorkonferenz aufschalten kann."
Die Online-Tumorkonferenz ist ein Versuch, ein Pilotprojekt in der Stadt Friedrichshafen, wo die Telekom allerlei neue Technik ausprobiert. Sie ist ein Beispiel dafür, wie Informationstechnik Krankenhäuser in Zukunft nicht nur effizienter machen, sondern auch zu mehr Qualität in der Patientenversorgung beitragen kann. Neben solchen Einzellösungen werden auf der Medica auch Ideen präsentiert, alle Abläufe in einem Krankenhaus zu digitalisieren. Jens Bothe, Professor für Krankenhausmanagement und eHealth an der Fachhochschule Flensburg, hält dies für einen sinnvollen Weg.
"Wir haben, wenn wir dieses Ziel erreichen, eine ganze Menge von Reduktion von Behandlungsfehlern, leichtere Patientenidentifikation, verbesserte Medikationsverabreichung ohne die häufigen Fehlerraten, die auch heutzutage noch im Krankenhaus passieren. Jeder zehnte Patient hat ja unter Medikationsfehlern im Krankenhaus zu leiden."
Diese Missstände zu beheben, ist allerdings in der Regel nicht der wichtigste Grund, aus dem sich ein Krankenhaus oder eine Klinik ein neues IT-System installieren lässt. Karl Stroetmann von der Empirica Gesellschaft für Technologieforschung verdeutlicht, dass die komplexen Prozesse, die Krankenhäuser heute mit IT vereinfachen wollen, nicht unbedingt direkt etwas mit der Behandlung der Patienten zu tun haben müssen.
"Ein zentraler Aspekt, der die Nachfrage treibt, ist natürlich die optimierte Abrechnung im extrem komplexen Abrechnungssystem in Deutschland. In anderen Ländern ist es mehr die klinische Anwendung, die die Systeme treibt, in Deutschland ist es eher die administrative Seite."
Die Krankenhausinformationssysteme, die auf der Medica zu sehen sind, bieten aber immer mehr Anwendungen für den klinischen Bereich. Sie können nicht nur die Daten eines Patienten verwalten, sondern teilweise auch Medikamente vorschlagen oder dem Arzt Therapiehinweise geben. Die Vision: Das papierlose Krankenhaus, in dem beispielsweise der Arzt bei der Visite seine Daten direkt in ein kleines, drahtloses Gerät in seiner Hand eingibt. Systeme, die schon heute ständig den Zustand eines Patienten überwachen, sollen ihre Aufzeichnungen direkt per Drahtlosnetzwerk in die digitale Akte des Patienten schreiben. Die Hardware- und Software-Lösungen dafür sind bereits auf der Medica zu sehen oder gerade in der Entwicklung. Jens Bothe glaubt an diese Vision, sieht aber auch einige Hürden.
"Herausforderungen bestehen vor allen Dingen hinsichtlich der Technologieaffinität von Mitarbeitern. Das bedeutet, dass wir uns um Usability, also Anwenderfreundlichkeit, Gedanken machen müssen. Und wir haben auch mit Blick auf die Patienten eine eher ältere Klientel, sodass wir uns Gedanken machen müssen, wenn der Patient auch in diese elektronischen Prozesse einbezogen ist, wie der eigentlich damit umgehen will und sollte."
Bothe ist überzeugt, dass ein Krankenhaus durch mehr IT effizienter und qualitativ besser werden kann. Allerdings könne man mit IT aus einem schlecht geführten Krankenhaus kein gut geführtes machen.
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Das vernetzte digitale Krankenhaus
Sendezeit: 19.11.2009 16:45
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