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17.03.2010
Ein Steppenpavian im Tsavo-East-Nationalpark Kenia (Bild: Christopher Cooper/Wikimedia) Ein Steppenpavian im Tsavo-East-Nationalpark Kenia (Bild: Christopher Cooper/Wikimedia)

Väterlicher Eiertanz

Forscher haben in Kenia die Fortpflanzungsstrategien von Pavianen untersucht

Von Michael Stang

Biologie. - Paviane leben als komplexe soziale Gruppen zusammen, deren Rangordnung sich durch Kämpfe ständig verschiebt. Forschern konnten deshalb kaum erkennen, welcher Nachwuchs von welchem Vater stammt. Nun haben Biologen der US-amerikanischen Princeton University erste Einblicke in die väterliche Fürsorge von Pavianmännchen erhalten.

Das größte Problem für Pavianmännchen sei, dass es keine jahreszeitliche Brunftzeit bei den Weibchen gibt, sagt Patrick Onyango. Da weibliche Paviane ähnlich wie Frauen im ganzen Jahr fruchtbar sein können, dürfen sich die Männchen kaum Unachtsamkeiten erlauben, wenn sie sich fortpflanzen wollen, so der Biologe von der Princeton University im US-Bundesstaat New York.

"Für die Männchen ist es ein ständiges Balancieren. Zum einen müssen sie permanent um ihre Rangfolge kämpfen, damit sie überhaupt ein Weibchen bekommen, und selbst Sieger können sich nie lange oben halten. Zum anderen steht dann erfolgreichen Männchen nur ein kleines Zeitfenster für eine Befruchtung zur Verfügung."

Patrick Onyango hat fünf Gruppen von Steppenpavianen mit insgesamt rund 300 Tieren im südkenianischen Amboseli-Nationalpark beobachtet. Obschon die Weibchen ein Interesse daran haben dürften, dass sie sich nur mit Männchen einlassen, die ihre väterliche Fürsorge bereits unter Beweis gestellt haben, geht diese Rechnung nicht auf.

"Es wäre schön, wenn es so einfach wäre, aber das ist es leider nicht. Männchen können sich nur mit Weibchen paaren, wenn sie erfolgreiche Kämpfer sind. Natürlich können die Weibchen wählen. Aber ein kampfschwaches Männchen hat keine Chance, selbst wenn es der beste Vater der Welt ist. Aber wer nicht kämpft, hat kaum Chancen auf ein Weibchen."

Gute Chancen auf ein paarungswilliges Weibchen haben daher ausschließlich Männchen mit hohem Rang. Nur sie bestehen die vielen Kämpfe mit den Konkurrenten. Unterlegenen bleibt der Zugang verwehrt. Aber selbst mit einer erfolgreichen biologischen Vaterschaft fangen, im Gegensatz zu vielen anderen Primaten, die väterlichen Pflichten erst nach der Geburt richtig an. Bevor sich Männchen jedoch um den Nachwuchs kümmern, müssen sie ihn zuerst einmal überhaupt erkennen. Ob und wie dies geschieht, war bislang unklar.

"Es gibt Beweise, dass Männchen ihren Nachwuchs erkennen können. Zum einen wissen sie, wann sie mit einer bestimmten Pavianmutter kopuliert haben, zum anderen orientieren sie sich an äußeren Ähnlichkeiten zwischen sich und dem Nachwuchs."

So zeigten erste genetische Vaterschaftstests, dass sich die meisten Männchen tatsächlich nur um den eigenen Nachwuchs kümmern. Eine verwandtschaftliche Fürsorge - also dass sich Männchen etwa um ihre Neffen kümmern - scheidet aus, da männliche Paviane im Alter vorn rund fünf Jahren noch vor Erreichen der Geschlechtsreife die Gruppe verlassen. Damit konkurrieren alle Männchen um die geschlechtsreifen Weibchen. Da es in den Gruppen wesentlich mehr Weibchen als Männchen gibt und ranghohe Paviane aufgrund ihrer physischen Überlegenheit gleichzeitig mehrfach Vater werden können, ist die väterliche Fürsorge sehr aufwendig, so Patrick Onyango.

"Sie helfen ihrem Nachwuchs bei Kämpfen, die bei Pavianen sehr häufig sind. Zudem tragen sie ihre Kinder bei langen Wanderungen auf dem Rücken. Sie bleiben auch ständig in ihrer Nähe und beschützen sie bloß durch ihre Anwesenheit vor Angriffen aus der Gruppe. Männchen lassen ihre Kinder auch vom eigenen Futter fressen. All dies zeigt, wie vielfältig die Aufgaben eines Pavianvaters sind."

Und die sind komplexer als bislang gedacht. Zudem müssen Väter weiter ihre Rangfolge verteidigen, wenn sie erneut Nachwuchs bekommen wollen.



 
 

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