Im Frühjahr 2010 hatte US-Präsident Obama einen Kurswechsel in der bemannten amerikanischen Raumfahrt angekündigt: Nicht zurück zum Mond soll es gehen, sondern stattdessen voraus zum Mars. Auf dem Weg dorthin hat er der Raumfahrtbehörde NASA ein Zwischenziel vorgegeben: Erstmals sollen Menschen zu einem Asteroiden fliegen. Nun hat die NASA ihr Konzept vorgestellt, wie, wann und mit welchen Raumschiffen dies gelingen soll.
"Zu Beginn des nächsten Jahrzehnts werden wir neue Raumschiffe testen, die Astronauten zu Zielen jenseits der Erdumlaufbahn tragen sollen. Spätestens 2025 wollen wir erstmals bemannt das Erde-Mond-System verlassen und in den tiefen Weltraum vordringen. Zunächst werden wir Menschen zu einem Asteroiden schicken, um dann zehn Jahre später aufzubrechen zum Mars. Und ich gehe davon aus, dass ich das noch erleben werde."
Kein halbes Jahr ist vergangen seit diesen Instruktionen von US-Präsident Barack Obama. Und da die amerikanische Raumfahrtbehörde NASA eine ausführende Behörde ist, liegt es an ihr, diesen Plan umzusetzen. Und zwar möglichst rasch. Da trifft es sich gut, dass just zu dem Zeitpunkt, zu dem ein Asteroiden-Raumschiff starten soll, die derzeit geplante Lebenszeit der Internationalen Raumstation (ISS) endet. Sie ist zu groß, um sie am Stück abstürzen und verglühen zu lassen, müsste also vorher zerlegt werden. Und da ist Recyceln angesagt.
"Node three, der dritte und neueste Verbindungsknoten der Station ist eines der für uns wertvollsten Elemente der ISS. Er verfügt einerseits über sechs Andockmöglichkeiten, andererseits über wenig anfällige Elektronik. Er dürfte also auch 2025 noch voll funktionsfähig sein und könnte als zentrales Element eines Asteroiden-Raumschiffs dienen, an das weitere Module andocken können."
Brian Wilcox ist der Chef der Abteilung für Weltraumrobotik beim Jet Propulsion Laboratory (JPL) der NASA in Pasadena, Kalifornien. Node 3 wurde in Italien gebaut und erst in diesem Jahr zur ISS transportiert. Er ist also so gut wie neu. An zwei gegenüberliegenden Andockstutzen sollen zwei Mini-Raumschiffe angebracht werden, neuartige Space Exploration Vehicles (SEVs):
"SEVs sind kleine Raumschiffe, die jeweils zwei Personen aufnehmen können. Bei Sonneneruptionen dienen sie auch als kurzzeitiger Zufluchtsort, da ihr Mantel mit Wasser oder Eis gefüllt ist und so die radioaktive Strahlung der Sonne abschirmt."
Ergänzt würde dieses System aus Zentralmodul und zwei Minifähren um ein aufblasbares Wohnmodul, in dem sich die vierköpfige Crew während des Großteils der mehrmonatigen Reise zum Asteroiden und zurück aufhält. Dieser Komplex wäre über zwei Verstrebungen mit einer gegenüberliegenden Antriebs- und Versorgungseinheit verbunden. Diese beiden Elemente sollen um ihren gemeinsamen Schwerpunkt rotieren und so für die Astronauten künstliche Schwerkraft erzeugen. Diese würde Muskel- und Knochenabbau in der Schwerelosigkeit entgegenwirken. Am Ziel angekommen steigen je zwei Astronauten um in eine Minifähre, um mit ihr den Asteroiden zu erkunden. Die NASA ist zuversichtlich, dieses kosten- und zeitsparende Konzept bis Mitte des nächsten Jahrzehnts umsetzen zu können.
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