Technik. - In allen Ballungsräumen der Welt ist die Reinigung des Abwassers ein großes Problem. Jetzt nahm der Abwasserverband Heidelberg eine Pilotanlage zur Klärschlammvergärung in Betrieb, die noch mehr Schlamm abbauen, Biogas für die Stromversorgung gewinnen und Stickstoffdünger für die Landwirtschaft herstellen soll.
Die rund 200.000 Menschen, die im Einzugsbereich des Abwasserverbandes wohnen stellen den Betrieb vor anspruchsvolle Aufgaben. Jürgen Weber, sein Technischer Leiter: "Wir reinigen Im Jahr knapp dreißig Millionen Kubikmeter Abwasser. Und als Endprodukt fallen rund 120.000 Kubikmeter Klärschlamm an, den es zu behandeln und zu beseitigen gilt." Bislang tat man dies in Faultürmen, in denen die organischen Bestandteile des Schlamms nachgefault und so 60 bis 65 Prozent des Schlammes abgebaut wurden. Dabei entstanden rund 2,6 Millionen Kubikmeter Methan, das zur Stromerzeugung genutzt wurde. Das aus dem übrig bleibenden Restschlamm gewonnene Wasser hatte jedoch einen so hohen Stickstoffgehalt, dass es für die Abwasserreinigung ein Problem darstellte. Die neue Pilotanlage soll diese Schwierigkeit überwinden. Weber: "Unser Ziel ist, den Abbau des Rohschlammes auf siebzig Prozent zu steigern, entsprechend mehr Methan zu gewinnen und die relevanten Inhaltsstoffe, wie zum Beispiel Phosphor oder Stickstoff, direkt zu gewinnen und dann der Landwirtschaft als Dünger zur Verfügung zu stellen."
Bei dem neuen Verfahren bleibt der Schlamm nur noch fünf statt wie früher 30 Tage im Faulturm. Zusätzlich kommt ein spezieller Keramikfilter zum Einsatz. Marius Mohr vom Stuttgarter Fraunhofer Institut für Grenzflächen und Bioverfahrenstechnik: "Dieser Filter arbeitet mit Platten aus Porzellan, die eine poröse Oberfläche haben und rotieren. So bilden sich keine Schichten auf den Platten." Die Filter entwässern den Restschlamm stärker als herkömmliche Verfahren, so dass sich die Konzentration an Biomasse erhöht. Dadurch sinkt zwar das Volumen, gleichzeitig wird es aber auch schwieriger den Fäulnisprozess aufrecht zu erhalten. Mohr will dies mit der Heidelberger Pilotanlage untersuchen: "Wenn der Reaktor nicht durchmischt ist, dann kommen die Mikroorganismen nicht an ihre Nahrung und dann funktioniert der Abbau auch nicht mehr." Die Forscher wollen herausfinden, wie niedrig der Wasseranteil sein darf, damit der Fäulnisprozess gerade noch abläuft. Das Ziel ist, Werte für großtechnische Anlagen zu gewinnen, um das Verfahren auch anderswo in der Republik installieren zu können. Jürgen Weber: "Wenn wir die Bemessungsgrundlagen haben, wollen wir ab 2006 oder Anfang 2007 in die großtechnische Umsetzung gehen."
[Quelle: Klaus Herbst]
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