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07.10.2005
Einer der größten Räuber der Weltmeere: der weiße Hai. (Bild: Monterey Bay Aquarium) Einer der größten Räuber der Weltmeere: der weiße Hai. (Bild: Monterey Bay Aquarium)

Flexible Haie

Knorpelfische besser an verschiedene Meeresgebiete angepasst als vermutet

Von Michael Stang

Biologie. - Haie, so blutrünstig sie auch in Filmen in Szene gesetzt werden mögen, sind für uns Menschen relativ unbekannte Wesen. Heute erscheinen in der amerikanischen Fachzeitschrift "Science" gleich zwei Artikel über neue Forschungen an Haien, die zum Teil sehr überraschende Ergebnisse liefern.

Der weiße Hai hat es spätestens seit dem gleichnamigen Film zu weltweiter Berühmtheit gebracht. Trotzdem ist er in der Wissenschaft ein eher unbeschriebenes Blatt. Vor allem Daten über seine Verbreitungsgebiete gibt es kaum. Deshalb hat Ramón Bonfil von der Wildlife Conservation Society in New York zusammen mit Kollegen in Südafrika 24 weiße Haie mit Peilsendern ausgestattet, um ihre Wanderungsgebiete zu erforschen.

"Wir hatten gehofft, dass wir vielleicht einen Hai dabei haben, der den Indischen Ozean bis Australien durchschwimmt. Wir haben dies vermutet, weil es viele weiße Haie vor Australien und vor Südafrika gibt, also könnten sie sich auch vermischen. Theoretisch ist das möglich, weil diese Tiere unheimlich kraftvolle Schwimmer sind. Genetische Überlegungen unterstützen das, aber nur soweit, dass eventuell Männchen diese Strecke schaffen könnten."

Die Daten, die ihnen Haie in den vergangenen zweieinhalb Jahren lieferten, übertrafen alle Erwartungen. Die Verbreitungsgebiete der weißen Haie waren zum Teil sehr unterschiedlich. Während einige Haie sich nur im küstennahen Bereich von wenigen hundert Kilometern aufhielten, patrouillierten andere entlang der Küste nördlich mehrere tausend Kilometer bis nach Mosambik. Spitzenreiter war jedoch ein knapp vier Meter langes Weibchen mit der Kennzeichnung P12, dem die Forscher später den Namen Nicole gaben. Nicole hatten sie am 7. November 2003 vor Südafrika markiert. Nur 99 Tage später hatte sie den Indischen Ozean durchquert und dabei rund 11.000 Kilometer zurückgelegt. Das entspricht einer Mindestgeschwindigkeit von 4,7 Kilometern pro Stunde. Ramón Bonfil war aber nicht nur von der Strecke und der Geschwindigkeit des Hais überrascht, sondern auch von seiner Navigationsfähigkeit. Nicole schwamm dabei größtenteils nur fünf bis sechs Meter tief:

"Die Tatsache, dass der Hai so viel Zeit nahe der Oberfläche verbracht hat, bestärkt mich in meiner Vermutung, dass er irgendetwas am Himmel benutzt, um exakt zu navigieren. Vielleicht die Sonne, oder die Sterne oder der Mond. Das steht noch nicht fest. Auf jeden Fall schwamm er den Weg nach Australien auf direktem Weg."

Dass Haie äußerst flexible und anpassungsfähige Tiere sind, schreibt heute auch eine zweite Forschergruppe im Fachmagazin "Science". Barbara Block von der Stanford Universität in Kalifornien hat Lachshaie untersucht. Diese bis zu drei Meter langen Knorpelfische besiedeln den Pazifik von der Beringstraße bis nach Mexiko. Die Forscherin wollte ein bislang unerklärliches Phänomen aufklären:

"Wie können diese warmblütigen Haie - was schon sehr ungewöhnlich bei Kiemenatmern ist - in Gebieten überwintern, wo die Wassertemperatur nur 2 Grad Celsius beträgt? Wir haben herausgefunden, dass sie an ihren Herzen bestimmte Proteine bilden. Diese lassen das Herz in einer Umgebung schlagen, wo ein normales Säugertieresherz sofort stehen bleiben würde."

Die Lachshaie können dadurch problemlos mehrere Monate in arktischen Gebieten verbringen, in denen die Wasseroberfläche zufriert. Bei ihren Untersuchungen entnahmen die Forscher an den Herzen Gewebeproben und untersuchten ein bestimmtes Protein. Dieses sorgt dafür, dass das Herz ausreichend mit Calcium versorgt wird und damit der Kälte trotzen kann. Diese Anpassungsfähigkeit bestätigt Babara Block in ihren Bemühungen für den weltweiten Schutz der Haie. Die mittlerweile stark dezimierten Tiere sollten nicht allein durch nationale Maßnahmen geschützt werden:

"Das Verbreitungsgebiet von einem Hai lässt sich nicht auf ein kleines Gebiet reduzieren. Wenn man Haie schützen will, dann funktioniert dies nur durch internationale Vereinbarungen. Denn ein Hai, der heute in Nordamerika ist, ist morgen schon in Kanada und ein paar Wochen später vielleicht in Mexiko. Die Verbreitungsgebiete sind sehr groß, in einigen Fällen erstrecken sie sich sogar über den ganzen Indischen Ozean."


 
 

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