Zum Inhalt
Zur Deutschlandfunk-Startseite
 
nach oben
05.01.2006
Microsoft-Gründer Bill Gates sprach auf der Consumer Electronics Show in Las Vegas zu mobilen Computern. (Bild: AP) Microsoft-Gründer Bill Gates sprach auf der Consumer Electronics Show in Las Vegas zu mobilen Computern. (Bild: AP)

Gigant auf dem Sprung

Las Vegas: Microsoft greift Apple und MP3-Standard an

Von Peter Welchering

In Las Vegas hat die amerikanische Leitmesse der Unterhaltungselektronik, die "Consumer Electronics Show", ihre Pforten geöffnet. Die Verschmelzung von Computer und Unterhaltungselektronik ist weiterhin heißes Thema der Branche. Microsoft-Gründer Bill Gates sprach davon in seiner Eröffnungsrede. Zwei Konkurrenzprodukte will Bill Gates in den kommenden Jahren ausstechen: Apples Kassenschlager iPod und das MP3-Format. In der Sendung "Computer und Kommunikation" am kommenden Samstag wird die Messe Schwerpunkt sein.

Die Eröffnungsrede von Microsoft-Gründer Bill Gates gehört zu den wenigen Traditionen, die die
Consumer Electronics Show in Las Vegas zu bieten hat. Bis zum Jahr 2012 hat sich Bill Gates diesen exklusiven Redeplatz vertraglich zusichern lassen. Dieses Mal hat Bill Gates vor allen Dingen zwei Themen in seiner Begrüßungsrede hervorgehoben. Das Betriebsssystem Vista, der Nachfolger von Windows XP, und Windows-Anwendungen für digitale Videos und Musik. Gegen zwei Konkurrenten will Bill Gates in den kommenden Jahren antreten: Gegen Apples Kassenschlager I-Pod, das mobile Abspielgerät für Filme und Musik, und gegen das allgegenwärtige MP3-Format im Musikbereich. Hier setzt er große Hoffnungen auf das Entwicklungsprojekt "Windows Mobile" - hier wird sozusagen der microsofteigene I-Pod entwickelt - und auf den Media Player fürs Wohnzimmer. Bill Gates.

"Das sind beides Erweiterungen des Betriebssystems Windows. Und wir haben starke Partner, um unser neues Audio- und Videoformat am Markt durchzusetzen."

Für Windows Mobile, das I-Pod-ähnliche Abspielgerät für digitale Töne und Video, hat Microsoft den Musiksender MTV als Partner gewinnen können. Wenn Windows Mobile in vermutlich acht bis zwölf Monaten auf den Markt kommt, werden auch gleich 20.000 Musikvideos und mehr als zwei Millionen Audioclips aus den aktuellen Charts verfügbar sein. Allerdings will Microsoft die Songs und Musikstücke nicht im MP3-Format ausliefern, das auch von Apples I-Pod abgespielt wird. Bill Gates setzt vielmehr auf das hauseigene Media-Player-Format, WMA oder WMV:

"Das hat erhebliche Vorteile bei der Medienorganisation, in der Art, wie die beliebtesten Songs mit anderen getauscht werden können. Das spart Geld, ist leicht zu bedienen und garantiert vertrauenswürdige Inhalte."

Bill Gates ködert die Musikbranche und die Filmindustrie mit einem besseren Rechtemanagement. MP3 habe zu einem Boom bei den Raubkopien geführt. Mit dem Media-Player-Format und dem neuen Betriebssystem Vista dagegen könne die Musikindustrie ein ganz rigides Rechtemanagement verwirklichen, verspricht Gates. Auch die Einnahmen der Musikindustrie würden dadurch erheblich steigen. "Pay per click" heißt das von Microsoft auf der Consumer Electronics Show in Las Vegas favorisierte Bezahlmodell für digitale Musikdateien und Videos. So würde das geistige Eigentum der Musikindustrie am besten geschützt, meint auch Microsoft-Chef Steve Ballmer und will das Modell "Zahlen für jedes Abspielen" denn auch mit der neuen Generation des Media Players unbedingt durchsetzen. Der Verband der amerikanischen Unterhaltungselektronik rät hier jedoch zur Vorsicht. Verbandssprecher Jeffrey Joseph:

"Urheberrechte und der Schutz geistigen Eigentums sind wesentlich für einen fairen und freie Markt. Das Copyright ist natürlich sehr wichtig. Aber diese Dinge müssen im Gleichgewicht stehen mit den etablierten und gesetzlich verankerten Rechten der Verbraucher, Kopie für den Privatgebrauch zu fertigen, eine Sendung aufzuzeichnen und später anzuschauen."

Vorsichtige Skepsis äußert auch Tsugio Makimoto, der Chefstratege von Sony. Er weist auf die bisher unerreichten Vorteile des Kodierungsalgorithmus von MP3 hin. Vor allen Dingen die Klangqualität von MP3-kodierten Stereoaufnahmen und die ausgesprochen kleinen Dateigrößen dürften den Entwicklern des Media Player Formats noch Kopfzerbrechen bereiten. Bislang können Musikliebhaber nämlich gut ein Fünftel mehr MP3-Musikdateien auf ihrem mobilen Abspielgerät speichern als Media-Player-Dateien. Die beanspruchen deutlich mehr Speicherplatz und bieten zugleich eine schlechtere Klangqualität. Das wirft natürlich Fragen auf. Ob es Microsoft gelingt, die auf der Consumer Electronics Show bis Sonntag überzeugend zu beantworten, darf bezweifelt werden.


 
 

Mehr zur Sendung:

JETZT IM RADIO

Deutschlandfunk

Seit 11:00 Uhr
Nachrichten
Nächste Sendung: 11:05 Uhr
Interview der Woche

mehr

LIVE-STREAM

Deutschlandfunk

Dokumente und Debatten mehr

AUDIO ON DEMAND

Beiträge zum Nachhören

Forschung Aktuell

Sternzeit 10. Februar 2012

Sendezeit: 10.02.2012, 16:57

Haihaut im Strömungskanal

Sendezeit: 10.02.2012, 16:50

Schon vor 3000 Jahren rodeten Menschen den Regenwald

Sendezeit: 10.02.2012, 16:45

PODCAST

Radio zum Mitnehmen

Podcast: Sendungen

Podcast: Themen

PLAYER / RECORDER

dradio-Recorder
im Beta-Test:

 

KOOPERATIONSPARTNER

ARD-Logo und Link  ZDF-Logo und Link  Phoenix-Logo und Link