Raumfahrt. - In der Wüste des US-Bundesstaates Utah üben fünf Wissenschaftler den Ernstfall: das Leben auf dem roten Planeten. Unser Mann im Habitat ist Guido Meyer - in seinem Mars-Tagebuch berichtet er von seinen Eindrücken an Bord.
Mars-Tagebuch, Tag 1: Schichtwechsel
Diesmal ist nicht der Adler gelandet, sondern Big Blue - ein blauer, 23 Jahre alter Truck der US Air Force, der die Astronauten der Mars Society auf den Roten Planeten bringt. Denn genauso sieht es hier aus: Wir sind mitten in der Wüste von Utah, aber die Landschaft erinnert an die Bilder, die die beiden Mars-Rover Spirit und Opportunity seit zwei Jahren zur Erde schicken. Hinter einem der roten Mars-Hügel dann: das Habitat der Mars Desert Research Station - unser neues Zuhause für zwei Wochen.
Die Schleuse ist der Schlüssel zum bewohnbaren Teil des Habitats. Eine Spende der US Navy, angeblich atombombensicher. Hier soll sie die Station vor Skorpionen und Pumas schützen, auf dem Mars den bewohnbaren Teil von der lebensunfreundlichen Außenwelt abschirmen. Einmal links angefasst und einmal rechts, einmal gedrückt, einmal gezogen - und das Tor zur bewohnbaren Mars-Oase öffnet sich.
Wir sind hier bei der Mars Desert Research Station in Zentral-Utah. Und wir sind Crew 44 - und wir sind jetzt bereit zum Fahren. Es kommt eine neue Crew. Und wir packen unsere Sachen und sind bereit, dann wegzufliegen zur Erde. Es ist für uns alle wirklich ziemlich traurig, hier wegzufahren. Das haben wir alle echt nicht erwartet, dass wir so gute Freunde werden können in zwei Wochen. Aber in diesem kleinen Raum - es muss eben so gehen. Wenn die Leute sich untereinander nicht verstehen, dann kann alles ziemlich schief gehen.
Andrew Jason Dunford reist heute ab - fliegender Wechsel auf dem Mars. Und so voll ist es hier denn auch selten. Crew 44 aus Kanada - Expedition Beta - kehrt zurück zur Erde, die deutsch-kanadisch-amerikanische Crew 45 übernimmt.
Was doch realistisch ist, ist der Raum zum Beispiel, dass es ziemlich klein sein wird auf dem Mars oder auf dem Mond. Und wie man zum Beispiel sparen muss, also Energie und Wasser und solche Sachen. Das ist alles doch ziemlich realistisch. Und wenn man dann in der Simulation ist und zum Beispiel nicht rausgehen kann, ohne einen Anzug anzuziehen, dass ist auch klar, dass man das nicht auf dem Mond machen kann - einfach herumspazieren ohne irgendwelchen Schutz. Das ist schon ziemlich realistisch.
Sol 1, der erste Tag, die Übergabe auf dem Mars. Wir überprüfen das Habitat auf Sauberkeit, schießen Fotos, vergleichen die Instrumente. Derzeit scheint alles zu funktionieren: der Wasser-Kreislauf, der Stromgenerator, der Internetzugang. Commander Kohk übernimmt, Commanderin Battler geht von Bord. Einen Sandsturm auf dem Mars habe Crew 44 erlebt, so die bisherige Hausherrin im Habitat. Außenbordeinsätze hätten abgesagt werden müssen. Stattdessen habe die Crew von innen dem Heulen des Windes gelauscht und sich gefragt, ob das Dach sich von der Station lösen würde. Ganz schön Furcht einflößend sei dies gewesen. Rückflug zur Erde mit dem Raumschiff Big Blue. Wir bleiben hier - derzeit sechs Astronauten, auf dem Weg in den ersten Stock, in die Arbeitsetage. Die Experimente beginnen...
Beiträge zum Nachhören
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dradio-Recorder
im Beta-Test: