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29.05.2006
Wer autogenes Training betreibt, erhält auch Macht über seine Nervenzellen. (Bild: GA Tech) Wer autogenes Training betreibt, erhält auch Macht über seine Nervenzellen. (Bild: GA Tech)

Macht der Gedanken

Mediziner bilden Effekte von autogenem Training ab

Von Christine Westerhaus

Medizin. - Hypnose, Autosuggestion und autogenes Training werden noch immer von vielen Menschen als Hokuspokus abgetan. Damit ist es allerdings bald vorbei, denn jetzt präsentierten Forscher der Universität Essen Untersuchungen an Personen, die autogenes Training betreiben und deren Gehirne offensichtlich darauf reagieren.

"Stell Dir vor, dass dein Arm schwer und warm wird und Du ihn allein durch die Kraft deiner Gedanken bewegen kannst". Vor diese Aufgabe stellten die Essener Forscher sowohl Menschen, die schon langjährige Erfahrung mit dem so genannten Autogenen Training hatten als auch solche, die sich vorher nie damit beschäftigt hatten. Gleichzeitig beobachteten die Wissenschaftler mit Hilfe der so genannten Magnetresonanztomografie, kurz MRT, was in den Gehirnen dieser unterschiedlichen Probanden vor sich ging. Dieses Verfahren kennzeichnet diejenigen Hirnregionen, die besonders aktiv sind. Das Ergebnis: Während die grauen Zellen der unerfahrenen Probanden unbeeindruckt blieben, beobachteten die Forscher bei den trainierten Versuchspersonen eine erhöhte Aktivität im motorischen Zentrum. Also in dem Hirnteil, der unsere Bewegungen steuert. Michael Forsting vom Universitätsklinikum Essen über die Ergebnisse:

Sie sagen uns jedenfalls, dass wir autosuggestibel sind. Alles das, was unter den Oberbegriff Hypnose fällt und von vielen Menschen - von mir übrigens auch - als Humbug klassifiziert wurde, da scheint was Wahres dran zu sein. Also wir können unser Gehirn durch unseren Verstand beeinflussen. Das ist ja schon mal eine ganz gute Erkenntnis.

Dass die Probanden nicht einfach nur ihren Arm bewegt hatten, kontrollierten die Forscher während des Experiments, indem sie die einzelnen Körperteile genau beobachteten. Zudem entdeckten sie, dass die grauen Zellen bei den in der Autosuggestion unerfahrenen Versuchspersonen im Sprachzentrum sehr aktiv waren. Diese Geschäftigkeit im Gehirn war für die Neurologen der Beweis dafür, dass die Probanden tatsächlich versucht hatten, sich einzureden, dass ihr Arm schwer und warm wird. Für die Forscher war es überraschend, dass wir mit unseren Gedanken unser Gehirn steuern können und somit in der Lage sind, es aktiv zu steuern. Die praktische Bedeutung dieser Erkenntnis: Sie könnte in Zukunft beispielsweise wichtig sein, um Neuroprothesen weiterentwickeln zu können und sie besser lenkbar zu machen.

Das passiert nicht im Jahre 2006 oder 2007, aber denken sie beispielsweise an künstliche Gliedmaßen, wo es ja bereits Menschen gibt, die versuchen, diese Gliedmaßen mit den eigenen Hirnströmen so zu steuern, dass sie sich wieder bewegen können. An der Erforschung der Funktionsweise des Gehirns gibt es ein ganz praktisches Interesse, nicht nur ein philosophisches. Das steht im Moment sicherlich noch im Vordergrund.

Neben dem autogenen Training interessieren sich die Essener Forscher auch für andere Techniken, mit denen Menschen aus östlichen Kulturkreisen ihre Gedanken austricksen. Vor allem für solche Methoden, die auch in der westlichen Medizin eine praktische Bedeutung haben könnten. Zum Beispiel die Akupunktur. Denn welchen Nutzen diese chinesische Heilkunst einem Patienten bringt, ist noch immer umstritten. Auch Langzeituntersuchungen, die den Effekt der Akupunktur untersucht haben, konnten nur feststellen, dass die Nadeln etwas in unserem Körper bewirken. Nicht aber, was. Michael Forsting:

Wir versuchen seit vielen Jahren zu beweisen, wie Akupunktur eigentlich im Gehirn wirkt. Das ist nicht so ganz einfach, weil man dann Nadeln reinstecken muss und Nadeln gehören eigentlich nicht ins MR. Aber da gibt es erste Ansätze, die zeigen, dass so eine Nadel, bei ihnen oder bei mir in den Arm gestochen, tatsächlich etwas bewirkt. Und wenn es uns gelänge zu beweisen, dass bei der Akupunktur gehirnmäßig etwas passiert, könnten wir uns viele Diskussionen über den Sinn der Akupunktur ersparen.

Mehrere Forscher haben bereits versucht, MRT-Experimente mit Akupunkturnadeln durchzuführen. Doch hier stößt die Magnetresonanztomografie an ihre Grenzen. Da bei dieser Technik ein magnetisches Feld angelegt wird, kann es zu Nebenwirkungen und Bildstörungen aufgrund des Metalls in den Nadeln kommen. Ganz konkret wollen die Essener Forscher aber zunächst erstmal bei ihren Leisten bleiben und den Effekt der Gedankenkraft genauer untersuchen. Und dafür bieten die östlichen Kulturkreise noch eine Reihe anderer Techniken, mit denen sich inzwischen auch Menschen in der westlichen Welt angefreundet haben.

Wollen mal sehen, wie weit geht das mit Autosuggestion. Wir haben jetzt dieses einfache Experiment gemacht. In der nächsten Stufe werden wir uns auch mal Leute suchen, die meinetwegen im Yoga erfahren sind. Und mal gucken, was passiert eigentlich mit denen. Die können ihren Herzschlag verlangsamen und die können autosuggestiv sich bestimmte Dinge einreden und da gucken wir mal, was da passiert. Ich habe keine Ahnung, wohin das führt, aber das ist eben das Spannende an der Wissenschaft.


 
 

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