Astronomie. - Die weltweit leistungsstärkste Sternwarte betreibt die Europäische Südsternwarte Eso in Chile mit ihrem Very Large Telescope. Doch das Geflecht mehrerer kooperierender Teleskope genügt Astronomen noch nicht: mit einem "Extrem Großen Teleskop" wollen sie noch weiter hinaus schauen.
Das neue "European Extremely Large Telescope", kurz E-ELT, hat 42 Meter Durchmesser und es korrigiert das von Turbulenzen in der Luft verursachte Flimmern der Sterne.
Es ist das weltweit größte derzeit geplante Teleskop...
...erklärt Jason Spyromilio, Leiter des Projekts bei der Europäischen Südsternwarte Eso. Das neue Teleskop muss sehr groß sein, um auch noch sehr schwache Objekte im Kosmos zu entdecken. Es muss gestochen scharf sehen und es soll im Infrarotbereich arbeiten, also die Wärmestrahlung der Himmelskörper erfassen. Denn da spielt wissenschaftlich die Musik, findet Mark McCaughrean von der Universität Exeter:
In diesem Wellenlängenbereich leuchten junge, noch recht kühle Sterne, während sie sich langsam aufheizen. Wir können diese Sterne nur sehen, wenn wir in die Staubwolken blicken, in die sie noch gehüllt sind. Mit dem neuen Teleskop sehen wir im Infraroten durch den Staub hindurch direkt auf diese jungen Sterne - und auf die Planeten, die sich dort gerade entwickeln.
Ob junge Sterne, ferne Planeten oder die ersten Galaxien im ganz frühen Kosmos: Im Infrarotbereich sind viele faszinierenden Dinge zu entdecken. Deshalb wird auch der Nachfolger des Hubble-Weltraumteleskops in diesem Bereich arbeiten, ebenso wie ein in den USA geplantes 30-Meter-Teleskop, dessen Finanzierung aber noch unklar ist. Bei Europas 42-Meter-Teleskop schätzen Experten die Gesamtkosten für Entwicklung, Bau und Betrieb auf knapp eine Milliarde Euro. Diese Summe lässt sich aus dem laufenden Haushalt der Europäischen Sternwarte mit gezielten Projektzuschüssen der Mitgliedsstaaten aufbringen. Das Teleskop wird dann Phänomene im Universum in allen Details zeigen, die bisher im Unscharfen verschwimmen.
Es gibt Sterne im All, die sind 100 Mal schwerer als unsere Sonne, andere haben nur einige Hundertstel Sonnenmasse. Wir verstehen nicht, warum Sterne so unterschiedlich sind. Die wenigen Riesensterne dominieren unseren Kosmos: Sie explodieren als Supernova und verteilen schwere Elemente im All, aus denen wir bestehen. Dagegen gehen die kleinen Sterne fließend über in den Massenbereich der Planeten. Mit dem neuen scharfsichtigen Teleskop verstehen wir vielleicht den fundamentalen Prozess, der die Riesensterne mit den Supernovae ebenso steuert wie die kleinen Sterne und Planeten, auf denen wir leben.
Die Erwartungen an das neue Riesenteleskop sind groß. Doch die Astronomen müssen ihre Ungeduld noch etwas zügeln, erklärt Projektleiter Jason Spyromilio:
Wir hoffen, dass wir die ersten Beobachtungen etwa im Jahr 2016 oder 2017 machen. Derzeit läuft eine weltweite Studie, um einen geeigneten Standort auszuwählen. Da bietet sich wie bisher Chile an - aber auch die Kanarischen Inseln oder andere Orte sind möglich. Wir suchen den besten Platz für das beste Teleskop.
Ursprünglich hatten Europas Astronomen sogar ein 100 Meter großes Teleskop geplant. Da das innerhalb von zehn Jahren nicht realisierbar schien, setzt man jetzt auf ein 42-Meter-Teleskop. Doch auch damit ist die Spiegelfläche 25mal größer als bei den größten heutigen Instrumenten. Die Forscher stehen, fügt Jason Spyromilio nicht ohne Stolz an, vor dem größten technologischen Sprung in der Astronomiegeschichte, seit Galileo erstmals ein Teleskop an den Himmel gerichtet hat.
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