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20.12.2006
"Wir können mit Stolz behaupten, dass EcoBot II der langsamste Roboter der Welt ist." Aber dafür frisst er auch nur Fliegen. (Bild: IAS EcoBot Team) "Wir können mit Stolz behaupten, dass EcoBot II der langsamste Roboter der Welt ist." Aber dafür frisst er auch nur Fliegen. (Bild: IAS EcoBot Team)

Freie Fahrt dank Chitin

Ein Roboter aus Bristol frisst Fliegen

Von Tobias Wenzel

Informationstechnik. - Auch eine Kläranlage kann inspirierend wirken: Roboter-Forscher aus Bristol nutzen für ihr neuestes Roboter-Modell Bakterien, mit denen man normalerweise in Kläranlagen das Abwasser reinigt. Mit Hilfe der Bakterien kann der Roboter gewöhnliche Fliegen in Energie umwandeln und sich so autonom mit Strom versorgen.

Ein erdrückender Gestank strömt einem entgegen, wenn man einen kleinen Raum im Roboter-Forschungszentrum IAS in Bristol betritt. Ioannis Ieropoulos ist das egal. Schließlich verbirgt sich dahinter sein ganzer Stolz, EcoBot II, ein rosafarbener flacher Roboter, der so aussieht wie eine begradigte Frisbeescheibe. Ioannis Ieropoulos füttert Ecobot mit Fliegen. Oder genauer, die Abwasser-Bakterien in jeder der acht Brennstoffzellen des Roboters:

"Hier haben wir eine Fliege in der Anode. Die Bakterien fressen nun diese Fliege auf und wandeln das Chitin, das sich im Skelett der Fliege befindet, in Energie um. Das ist ihre Nahrungsquelle."

EcoBot entzieht den Bakterien gewissermaßen einen Teil ihrer Energie, und zwar in Form von Elektronen. Die fließen von der Elektrode der Anode über den Kreislauf des Roboters in die Elektrolytlösung der Kathode. So werden der Motor und letztlich die kleinen Räder des rosa Roboters angetrieben. Nach einer Viertel Stunde des Stillstands bewegt sich EcoBot plötzlich knapp drei Zentimeter voran:

"Wir können mit Stolz behaupten, dass EcoBot II der langsamste Roboter der Welt ist. Es dauert nämlich 14 Minuten, bis die Bakterien die Fliegen verdaut haben und Energie aufgeladen ist. Aber es dauert nur drei Sekunden, bis sie wieder entladen ist. Der Roboter bewegt sich also alle 14 Minuten nur drei Sekunden lang. Aber wir haben es geschafft, dass der Roboter sich auf diese Weise zwölf Tage am Stück bewegt, und das mit acht Fliegen, eine Fliege pro Brennstoffzelle."

Das Experiment ist allerdings keine Spielerei. Ernste Anwendungsmöglichkeiten liegen auf der Hand. Irgendwann könnte EcoBot zum Beispiel in für den Menschen unzugänglichen oder gefährlichen Gebieten zum Einsatz kommen und Daten per Funk übermitteln. Allerdings wäre dann kein Mensch da, der ihn wie jetzt Ioannis Ieropoulos mit Fliegen füttert:

"Wir arbeiten gerade an der dritten Version des EcoBot. Er wird mit einer Fliegenfalle ausgerüstet sein. Der Roboter muss aber keine Energie verschwenden und seine Nahrung jagen. Die Fliegen werden nämlich vom Roboter angezogen. Wir verwenden dafür chemische Pheromone. Die Fliegen werden angelockt und von den Bakterien verdaut. Und der Verdauungsvorgang wird noch mehr Fliegen anziehen."

Und genau das riecht man schon jetzt. Allerdings bleibt die Frage, warum ein solcher Roboter nicht einfach Solarenergie nutzt. Denn diese Technologie ist bisher viel effizienter als die mikrobiologischen Brennstoffzellen von EcoBot. Das weiß auch der stellvertretende Leiter des Bristoler Roboter-Forschungszentrums Anthony Pipe:

"Bis zum energieautonomen Roboter ist es noch ein langer Weg. Da müssen wir alle Optionen im Blick haben. Natürlich ist da die Solarenergie eine Quelle, die auf der Hand liegt. Aber was macht man im Dunkeln? Wie soll man da Solarenergie nutzen? Das funktioniert nicht."

So könnte EcoBot irgendwann einmal in der Dunkelheit zum Einsatz kommen. Und damit auch in den Tiefen des Meeres. Allerdings müssten die Forscher dann seinen Speiseplan umstellen. So könnte er zum Beispiel Fische statt Fliegen fangen.


 
 

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