Verhaltensforschung. - Wissenschaftler der Universität Hohenheim erforschen, wie die Software für elektronische Kommunikation bestmöglich an die Bedürfnisse der Computernutzer angepasst werden kann. Dafür nehmen sie den Menschen zunächst sehr genau ins Visier.
Vor Schloss Hohenheim an der einstigen Militärstraße im Süden Stuttgarts stehen die Kavaliershäuser. In ihnen war vor 250 Jahren die Gardelegion des württembergischen Herzogs Carl Eugen untergebracht. Die Legion war berühmt für ihre talentierten und cleveren Spione. Und heute, 250 Jahre später, haben die Wirtschaftswissenschaftler der Universität Hohenheim im Gebäude Fruwithstraße 31 ein Forschungslabor eingerichtet, das aussieht, wie ein Spionagezentrum. Professor Mareike Schoop untersucht im Communication Lab, wie Menschen mit elektronischer Kommunikation umgehen.
"Ja, wir stehen hier in dem mittleren Raum. Das ist der so genannte Beobachtungsraum. Sie sehen hier auf der Seite eben diese Einwegspiegel in beide der anderen Laborräume. Dahinter steht eine Kamera, das heißt, wir können das auch mitfilmen. Und das kennt man ja aus dem Fernsehen, aus den Krimis. So ist das natürlich bei uns nicht, wir verhören hier keinen. Aber es ist eben gezeigt worden in Untersuchungen, dass sich Probanden sehr viel natürlicher verhalten, wenn sie nicht so das Gefühl haben, der Forscher steht dahinter und schreibt direkt mit."
Statt des Forschers hält der Computer mit großer Präzision fest, wie Computernutzer zum Beispiel durch das World Wide Web navigieren. Katja Ostertag betreut das Computersystem:
"Das System beinhaltet zwei Infrarot-Kameras. Die Kameras nehmen die Augenbewegungen oder die Blickbewegungen auf. Die Kameras sind unter dem Bildschirm montiert, und die können ganz genau feststellen, ob eine Person fixiert oder ob sie nur über einen Bildschirm drüberblickt, wie lang sie auf einem bestimmten Punkt verweilt und so weiter, ob die Person beispielsweise liest oder nur versucht, sich kurz zu orientieren."
Das System muss an jede Versuchsperson angepasst werden. Jetzt gerade läuft die Anpassungsprozedur für Katja Ostertag, die auf der Web-Seite von Deutschlandradio den ersten Beitrag der Sendung "Forschung aktuell", "Computer und Kommunikation" vom vergangenen Samstag suchen soll.
"Jeder hat ja ein bisschen andere Augenstellungen, andere Augengröße. Das hängt auch ein bisschen mit der Augenfarbe zusammen oder ob jemand eine Brille trägt zum Beispiel."
Und los geht's.
"Ich habe jetzt gestartet. Jetzt öffnet sich der Browser und die Web-Seite erscheint. Und jetzt soll ich die letzte Samstagssendung suchen, das heißt, ich gebe am Besten in das Suchfeld ein, Samstagssendung zum Beispiel."
Die Infrarotkameras verfolgen ganz genau die Blickbewegungen von Katja Ostertag. Das System schneidet regelrecht mit, was sich Katja Ostertag auf den Web-Seiten ansieht, wie schnell ihre Augen über die Seiten wandern und was sie leist. Dafür werden die jeweilige Web-Seite und die Fixationspunkte der Versuchsperson, in dem Fall Katja Ostertag, in eine Protokolldatei geschrieben.
"Ich werde jetzt im Menü nach Programmvorschau und Programmrückschau suchen und das Programmschema mir anschauen. Aber , ne das ist schlecht."
"Also ich suche jetzt im Menü unter Wissenschaft und schaue, ob ich da auf die Sendung treffe."
"Jetzt habe ich sie gefunden"
"Wir sind dort gelandet."
Sprecher: Und wir wollen uns jetzt einmal genau anschauen, wie Katja Ostertag auf der Deutschlandradio-Webseite genau navigierte hat. Besonders spannend ist dabei die so genannte Hot-Spot-Analyse.
"Daran lässt sich erkennen, welche Teile der Seite für die Person am interessantesten waren. Die Teile sind dann rot eingefärbt, die für die Person weniger interessante Teile sind grün oder gar nicht eingefärbt."
Fotos, Grafiken oder Texte, die Katja Ostertag gar nicht angeschaut hat bei ihrer Websuche, sind nicht eingefärbt, nur kurz betrachtete Web-Elemente sind grün unterlegt, je länger Katja Ostertag auf einen Text oder ein Foto geschaut hat, um so intensiver rot ist das Seitenelement unterlegt. So können Computernutzer und ihr Verhalten im Web, zum Beispiel bei elektronischen Verhandlungen, im Kommunikationslabor der Hohenheimer Wirtschaftswissenschaftler bis zu den kleinsten Augenbewegungen genau untersucht werden. Erforschen wollen Mareike Schoop und ihr Team, wie die Software für elektronische Kommunikation bestmöglich an die Bedürfnisse der Computernutzer angepasst werden können. Doch dazu müssen sie zunächst einmal regelrecht ausspionieren, wie denn diese Bedürfnisse ganz genau aussehen.
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im Beta-Test: