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11.04.2007
Die Verbindungen von Farben mit Buchstaben ist bei jedem Synästheten anders. (Bild: Noaa) Die Verbindungen von Farben mit Buchstaben ist bei jedem Synästheten anders. (Bild: Noaa)

Farbe in den grauen Zellen

Jülicher Hirnforscher untersucht die neurologischen Grundlagen der Synästhesie

Von Kristin Raabe

Neurologie. - Töne schmecken, Farben hören und Musik sehen - solche Wahrnehmungen sind für manche Menschen Alltag. Bei den so genannten Synästheten vermischen sich die Sinneseindrücke miteinander, am häufigsten Buchstaben, Wörter oder Zahlne mit Farben. Wie die Farbwahrnehmung im Gehirn zustande kommt, haben Wissenschaftler am Forschungszentrum Jülich jetzt untersucht.

Bei Anne ist das C blau, bei ihrer Schwester Ursula weiß. Annes K ist violett, Ursulas grün, nur das A hat bei beiden Schwestern dieselbe Farbe: dunkelrot. Treffen Synästheten aufeinander, streiten sie nicht selten über die "richtige" Farbe für einen Buchstaben oder ein Wort. Sicher wissen Forscher inzwischen nur, dass die Verbindungen von bestimmten Farben mit bestimmten Buchstaben bei jedem Synästheten anders ist. Deswegen musste Peter Weiss-Blankenhorn in seiner Studie für jede seiner synästhetischen Testpersonen ein eigenes Experiment entwickeln. Während sie im Kernspintomographen lagen, zeigte der Hirnforscher ihnen Bilder von farbigen Buchstaben, die bei dem jeweiligen Synästheten entweder kein Farbempfinden auslösten oder ihrem Farbempfinden entsprach. Manchmal hatten die Buchstaben allerdings auch die falsche Farbe:

Wenn man das getan hat, dann wurde ein Gebiet vorne im Gehirn aktiv. Und wir wissen von Untersuchungen an Nicht-Synästheten, dass dieser Hirnteil auch aktiv wird, wenn man zum Beispiel blaue Bananen sieht oder einen rosa Elefanten, wo es nicht passt vom Objekt und der Farbe. Und das ist generell ein Gebiet, das Sinneswahrnehmungen kontrolliert, also wenn wir uns bewegen, irgendwas wahrnehmen, dann müssen wir ja kontrollieren, was wir da tun und da ist dieser Hirnteil von Bedeutung.

Nachdem Peter Weiss-Blankenhorn alle Daten ausgewertet hatte, konnte er auch sagen, welches Hirngebiet für die Synästhesie mit verantwortlich ist. Es war ein Teil der hinteren Großhirnrinde, der so genannte parietale Sulcus, dort werden verschiedene Sinneseindrücke zusammengeführt. Der Arzt und Hirnforscher wollte genau wissen, wie die Struktur dieses Hirnteils bei den Synästheten aussieht:

Diese strukturelle Studie schaute vor allen Dingen nach Veränderungen der grauen Substanz, das heißt nach Veränderungen der Nervenzellen eher als nach Veränderungen der Nervenverbindungen und da konnten wir feststellen, dass im Bereich des parietalen Sulcus, also dort wo eben wir auch die Aktivierung bei der funktionellen Studie festgestellt hatten, eine höhere Dichte an Nervenzellen , an grauer Substanz bei den Synästheten vorliegt.

Mehr Nervenzellen zu haben, die Impulse senden - das ist wie einen stärkeren Sender zu haben, der Funksprüche über größere Entfernungen senden kann. Ob das letztlich die Synästhesie verursacht ist noch nicht klar. Weiss-Blankenhorn:

Das bedeutet halt, dass scheinbar dort eben mehr Nervenzellen sind, das heißt da kann eben auch mehr Information vom Gehirn verarbeitet werden. Ob das jetzt aber eine Folge ist der Synästhesie, das heißt wir haben ja Menschen untersucht, die zwischen 20 und 30 Jahre alt waren, ob das jetzt eine Folge der Synästhesie ist, das heißt, die Menschen haben von Geburt an Synästhesie oder ob, der parietale Kortex von Geburt an schon umfangreicher vorhanden ist und deswegen Synästhesie resultiert, das kann unsere Studie leider nicht beantworten.

Was auch immer die Synästhesie hervorruft - die meisten Synästheten haben eher Vorteile durch ihre Eigenart. Ihr Gedächtnis profitiert nämlich von dem zusätzlichen "Farbcode". Namen und Telefonnummern lassen sich so viel besser behalten.


 
 

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