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15.05.2007
Gewaltige Eruptionen der Sonne bringen Astronauten, Satelliten und auch irdische Technik in Gefahr. (Bild: AP/NASA) Gewaltige Eruptionen der Sonne bringen Astronauten, Satelliten und auch irdische Technik in Gefahr. (Bild: AP/NASA)

Beschuss aus dem All

Physiker wappnen sich gegen starke Sonnenaktivität

Von Jan Lublinski

Physik. - Im Film "Sunshine" mühen sich Raumfahrer, die sterbende Sonne wieder anzuknipsen. Doch in der Realität ist es eher umgekehrt, denn starke Sonnenstürme wehen geladene Partikel zur Erde, die Menschen und Technik bedrohen. Technische Finessen sollen dagegen mehr Schutz bieten.

Wir wissen, dass die gegenwärtige Aktivität auf der Sonne ziemlich ungewöhnlich ist, es ist die größte Aktivität seit vielen 1000 Jahren. Und wir haben keine Ahnung wie sie sich in Zukunft weiter entwickeln wird.

Kalevi Mursula, Universität Oulu, Finnland. Etwa einmal am Tag kommt es zu einem so genannte koronalen Massenauswurf: Eine Wolke aus geladenen Teilchen verlässt die Sonne und jagt ins Sonnensystem hinaus. Ein bis zweimal im Monat steuert sie direkt auf die Erde zu. Die Partikel können Satelliten treffen und dort die Mikroprozessoren durcheinander bringen. Die Raumfahrtingenieure haben gelernt, mit diesem Problem zu leben: sie nutzen besondere Abschirmungen und spezielle Sicherheitssoftware und, wenn möglich, schalten sie die Satelliten in eine Art Sicherheitsmodus. Bernd Heber, Professor für Heliosphärische Astroteilchenphysik an der Christian-Albrechts-Universität Kiel:

Nun kann es aber passieren, dass es sehr schwere, geladene Teilchen sind. Bis zum Eisen können da Teilchen durchgehen. Und dann zerstören Sie so eine Struktur. Und dann ist so ein Chip kaputt. Und wenn dieser Chip ihren Satelliten steuert, dann haben Sie ein Problem. Nämlich das Problem, dass sie diesen Satelliten abschreiben müssen.

Aber nicht nur das Material ist gefährdet. Die Astronauten auf der Internationalen Raumstation verstecken sich immer wieder in dem russischen Teil ihres Containers im All, weil dort die Wände besonders dick sind und vor der Strahlung schützen. Und auch Passagierflüge werden immer wieder umgeleitet, wenn die Sonne besonders aktiv ist. Hier ist weniger die Strahlung das Problem als vielmehr eine Störung der Elektronik. Insbesondere in Polarregionen erzeugen die Teilchenwolken so genannte magnetische Stürme, die nicht nur für Polarlichter verantwortlich sind. Heber:

Wenn ich einen großen Transformator habe und ich habe draußen drum herum noch mal ein Magnetfeld, was sich dem überlagert, dann kann passieren, wenn sie den Transformator auf Volllast fahren, dass die Windungen, die da drin sind, das nicht gerade witzig finden, sondern einfach durchbrennen.

Der letzte große Unfall dieser Art liegt allerdings schon einige Zeit zurück: 1989 brach in der kanadischen Provinz Quebec das Netz zusammen. Sechs Millionen Menschen saßen für Stunden im Dunkeln. Inzwischen aber haben die Energietechniker dazu gelernt, insbesondere in den nördlichen Ländern. Mursula:

In Finnland sind wir auf diese Situationen inzwischen sehr gut vorbereitet. Wir haben ja fast jede Nacht magnetische Störungen. Darum haben wir spezielle Leitungssysteme entwickelt, die weniger anfällig sind. Probleme mit durchgebrannten Transformatoren haben wir eigentlich nicht mehr.

Und dennoch: niemand weiß, wie groß und energiegeladen die solaren Teilchenwolken in Zukunft sein werden. Mursula:

Es könnte natürlich sein, dass mehrere solche Magnet-Stürme sich zu einem großen Sturm vereinigen. Das ist in der Vergangenheit schon passiert und wir wissen nicht, wie schlimm das in Zukunft noch werden könnte.

Unlängst haben Wissenschaftler zwei neuen Satelliten namens "Stereo" in den Orbit geschickt. In den kommenden Monaten wollen sie mit ihnen die Teilchenwolken von der Sonne mit zwei Kameras gleichzeitig fotografieren und sich so ein dreidimensionales Bild verschaffen. Auch werden sie mit dieser Mission die Vorwarnzeit vor Magnetstürmen von bisher einer auf mehrere Stunden verlängern können. Mursula:

Man kann das ein wenig mit dem Tsunami-Warnsystem vergleichen. Wir lernen diese möglichen globalen Katastrophen gerade erst kennen. Und es wird noch lange dauern, bevor wir effektive Warnungen vor wirklich gefährlichen Ereignissen dieser Art aussprechen können.


 
 

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