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21.06.2007
Anders als diese gefälschten Menschenklone des Südkoreaners Hwang hat ein US-Forscher offenbar erfolgreich Rhesusaffen geklont. (Bild: AP) Anders als diese gefälschten Menschenklone des Südkoreaners Hwang hat ein US-Forscher offenbar erfolgreich Rhesusaffen geklont. (Bild: AP)

Durchbruch beim Klonen

Praktischer Effekt bleibt zweifelhaft

Biologie. - Rund zwei Jahre lang glaubte die Welt, es sei möglich Menschen zu klonen. Eine koreanische Forschergruppe hatte mit der Klontechnik menschliche Embryonen hergestellt und Stammzelllinien daraus gewonnen. Ein Betrug, wie sich 2005 herausstellte. Diese Woche nun berichtet eine amerikanische Forschergruppe auf der Tagung der Internationalen Gesellschaft für Stammzellforschung in Cairns, Australien, über ihre erfolgreichen Klonexperimente mit Rhesusaffen. Bestätigen sie sich, dann ist ein großer Schritt hin zum wirklichen Klonen von menschlichen Zellen getan. Der Wissenschaftsjournalist Volkart Wildermuth bewertet die Präsentation im Gespräch mit Grit Kienzlen.

Kienzlen: Herr Wildermuth, wie haben die Experten in Cairns denn diese Nachricht aufgenommen?

Wildermuth: Ja, sie waren alle ziemlich aufgeregt, muss ich sagen. In allerletzter Minute hatten die Veranstalter noch diesen Vortrag von Shoukrath Mitalipov in das Programm aufgenommen, sie hatten den Teilnehmern versprochen, es würde sich wirklich lohnen, noch ein wenig sitzen zu bleiben. Tatsächlich, so war auch. Der russische Forscher, der in der Zwischenzeit am Primatenzentrum in Oregon arbeitet, ihm ist es gelungen, bei Rhesusaffen die Zellen eines zehn Jahre alten Affen zu nehmen, die DNA zu extrahieren, sie in die Eizelle eines Rhesusaffen einzusetzen, und dass zum Laufen, ans Leben zu bringen. Da sind also 20 geklonte Embryonen entstanden, bei zwei von ihnen ist es ihm auch gelungen die begehrten embryonalen Stammzellen herauszuholen, es haben sich daraus auch Herzzellen und Nervenzellen entwickeln lassen. Also es sieht wirklich so aus, als hätte er es geschafft.

Kienzlen: Wie haben denn die Fachleute Vorort auf diese Präsentation reagiert?

Wildermuth: Im Saal, da gab es Applaus und Wow-Rufe, es gab auch ein wenig Bedenken. Ich habe mit einigen Klonforschern rund um die Welt telefoniert: Professor Eckhart Wolf in München zum Beispiel, er ist sehr angetan von dieser Arbeit. Auch Miodrag Stoikovic, der in Spanien versucht, menschliche Zellen zu klonen, hofft, dass ihm seine Kollegen jetzt Tipps geben können, und Morgan Mancy aus Australien, auch sie war sehr davon angetan. Aber bevor sie wirklich in Jubel ausbrechen, wollen sie das bestätigt sehen.

Kienzlen: Warum sind denn die Forscher gar so zögerlich?

Wildermuth: Ja, das ist wirklich diesem Klonskandal in Korea zu verdanken. Bevor ein Experiment nicht in einem unabhängigen Labor wiederholt worden ist, da versieht man alles mit einem Fragezeichen. Professor Eckhart Wolf kennt, wie gesagt, Shoukrath Mitalipov, er kennt die Arbeitsgruppe, und er denkt, dass hier eigentlich alles solide sein müsste. Sie haben das auch nicht in "Science" veröffentlicht, nichts groß hinausposaunt, sondern in einem Journal mit wenig Glamour-Faktor haben sie es veröffentlicht. Also da ist man doch offenbar etwas vorsichtiger, auch wenn sie mit den Medien nicht sprechen. Shoukrath Mitalipov ist nach dem Vortrag verschwunden und war weder für die Kollegen noch für uns zu erreichen.

Kienzlen: Es gab 2003 schon einmal einen Artikel in "Science", in dem jemand auch aus Oregon behauptete, es sei gar nicht möglich, Primaten, also Affen oder auch Menschen zu klonen, wegen bestimmter technischer Hürden. Was ist denn mit diesem Einwand jetzt?

Wildermuth: Ja, also damals ging es darum: die Forscher müssen ja immer aus der Eizelle das Erbgut entfernen. Sonst kann man nicht klonen. Und da sind also Primatenzellen, also Zellen von Menschen und Affen, besonders empfindlich. Man muss diese DNA anfärben, man muss sie mit UV-Licht betrachten, um sie zu finden. Das hat offenbar die Zellen gestört, und der Trick von Shoukrath Mitalipov war offenbar, auf diesen Farbstoff und das UV-Licht zu verzichten, stattdessen spezielle Mikroskope zu verwenden, mit denen man das trotzdem sehen kann, nicht die DNA selber, aber das Stützskelett. So hat er das geschafft, und diesen Trick, den hofft jetzt auch Miodrag Stoikovic in Spanien bei menschlichen Zellen verwendet können.

Kienzlen: Nun gibt es Berichte, dass man die Klontechnik möglicherweise gar nicht mehr braucht. Wozu braucht man diese Klonversuche also noch?

Wildermuth: Ja, also Miodrag Stoikovic, der selber am Klonen forscht, er sagt natürlich, man braucht es zumindest, um Zellen von Patienten mit Erbkrankheiten zu gewinnen, und besser zu untersuchen zu können. Die anderen beiden Klonexperten, mit denen ich gesprochen habe, waren eher skeptisch, die setzen auf diese neue Methode, bei der vier Gene in wachsende Zellen eingebracht werden, die dann sozusagen die Lebensuhr wieder auf Null zurückstellen. Das ist vielleicht auch nicht der große Wurf, wenn es um die Therapie geht, aber für Forschungszwecke sieht das viel einfacher aus, als diese ganzen Klonexperimente. Es sieht fast so aus, als ob der Durchbruch von Shoukrath Mitalipov einfach zu spät gekommen ist, um wirklich einen Effekt haben.


 
 

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