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24.01.2008
Wissenschaftsjahre bewegen nicht viel und vor allem nicht nachhaltig, meint Professor Peter Weingart. (Bild: IWT, Peter Weingart) Wissenschaftsjahre bewegen nicht viel und vor allem nicht nachhaltig, meint Professor Peter Weingart. (Bild: IWT, Peter Weingart)

Ermattende Mottos

Experten schätzen Wissenschaftsjahre nicht nur als sinnvoll ein

Forschungspolitik. - Zum jetzt 9. Mal wurde das Wissenschaftsjahr ausgerufen, dass sich diesmal der Mathematik widmet und den vermeintlichen Elfenbeinturm der Forschung für den Nachwuchs öffnen soll. Doch nicht alle Wissenschaftler sind damit uneingeschränkt glücklich, dies belegt eine aktuelle Untersuchung. Professor Peter Weingart bewertet die Wissenschaftsjahre im Gespräch mit Ralf Krauter.

Krauter: Herr Weingart, sind die Wissenschaftsjahre ihr Geld wert?

Weingart: Bei Kosten zwischen vier und etwa sieben Millionen Euro, denke ich, sind sie es eigentlich nicht. Wenn man sich fragt, was man alternativ mit dem Geld machen könnte, dann sollte man lieber in Projekte investieren, die sehr viel mehr Effekt haben. Die Frage ist ja überhaupt, was soll mit den Wissenschaftsjahren erreicht werden. Dazu gibt es Bewertungen, die im übrigen das Ministerium für Forschung und Technologie sich ja selber besorgt, also selber in Auftrag gibt, und die immer wieder auf den gleichen Umstand hinweisen, nämlich die Fragestellung ist nicht klar, die Zielsetzung ist nicht klar, damit sind auch die Zielgruppen nicht klar. Und infolgedessen verpufft das Ganze mehr oder weniger.

Krauter: Eines der erklärten Ziele ist es immerhin ja, einen kritischen Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft anzukurbeln, Berührungsängste auch abzubauen. Wird man dem denn gerecht?

Weingart: Ich weiß nicht, wo ein kritischer Dialog stattfindet. Wenigstens ist es mir noch nicht untergekommen. Auch dieser kritische Dialog müsste ja gezielt stattfinden. Es gibt solche Dialoge, etwa in den Bürgerforen oder den runden Tischen, wo ein konkretes Beispiel zum Gegenstand genommen wird, und wo im übrigen die Teilnehmer, also die so genannten Repräsentanten der Öffentlichkeit sich einer sorgfältigen Vorbereitung unterziehen, bevor sie in der Lage sind, in einen solchen Dialog einzutreten. Das können die Wissenschaftsjahre nicht leisten.

Krauter: Das sind dort bei den Wissenschaftsjahren meistens Vortragsveranstaltungen, wo Forscher sozusagen der Öffentlichkeit den Blick ins Labor vielleicht auch ermöglichen, aber wo selten kritische Fragen überhaupt thematisiert werden.

Weingart: Genau. Also es geht im Grunde genommen um ein breites Spektakel, was dazu dienen soll, das Interesse der Öffentlichkeit zu wecken. Das tut es aber, glaube ich, nicht, wenigstens zeigen das die Evaluationen, die wir bisher kennen. Stattdessen werden andere Formate, die wesentlich notwendiger wären, zumindest nicht befördert - bislang nicht, vielleicht ändert sich das.

Krauter: Was wäre denn notwendig aus ihrer Sicht?? Ein Ziel ist es ja, auch junge Menschen zu begeistern. An die kommt man bislang auch nicht so richtig heran.

Weingart: Das größte Problem in Deutschland ist doch der Mangel an Nachwuchs in den Naturwissenschaften. Da wird die Zahl von 20.000 fehlenden Ingenieuren etwa gehandelt. Das weiß man seit vielen Jahren, auch die Industrie weiß das seit vielen Jahren. Man muss also im Grunde genommen in die Schulen gehen, und es gibt dafür eine Menge von Formaten, mit denen das auch gemacht wird - ich will hier nur erwähnen etwa die Initiative der Bosch Stiftung, wo eine Vielzahl von solchen Projekten gefördert wird, wo Schulen und Universitäten vernetzt werden - wo ganz früh schon versucht wird, die Kinder für die Naturwissenschaften zu interessieren. Das ist das, was im Grunde genommen passieren muss.

Krauter: Ihre Kritik ist ja im BMBF aber auch nicht ganz ungehört geblieben. Im Jahr der Mathematik zieht man insofern eine Konsequenz, als man ganz dezidiert Schüler und Lehrer als zentrale Zielgruppen definiert hat. Ist das denn eine kluge Weichenstellung im Sinn der Sache?

Weingart: Das geht sicherlich in die richtige Richtung. Die Frage ist ja, ob das dann nachhaltig bleibt, dass heißt, ob nach Ende des Jahres der Mathematik nicht alles wieder in der Versenkung verschwindet. Diese PR-Kampagnen haben ja leider die Eigenschaft, da sie - weil sie in erster Linie an eine diffuse Öffentlichkeit gerichtet sind - nachdem sie dann einmal dieses Feuerwerk entfacht haben, wieder in sich zusammensacken und nachher kümmert sich niemand mehr darum.

Krauter: Also große Show für viel Geld und hinterher bleibt wenig übrig?

Weingart: So ist es. Ich wünschte, es wäre anders, aber dazu müsste sich die Politik bereit finden, weniger auf Show zu setzen und mehr auf nachhaltige Effekte.


 
 

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