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14.05.2008
Europas erster Raumtransporter ATV dockte Anfang des Jahres an die ISS an. (Bild: Esa) Europas erster Raumtransporter ATV dockte Anfang des Jahres an die ISS an. (Bild: Esa)

Material zurück, Menschen rauf

Europas Raumfahrer planen für die Zukunft

Von Dirk Lorenzen

Raumfahrt. - Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der Raumfahrtkonzern EADS Astrium wollen die Weiterentwicklung des europäischen Raumtransporters ATV vorantreiben und . Ziel sei es, möglichst bald Material von der Internationalen Raumstation ISS zur Erde zurücktransportieren zu können, so DLR-Chef Jan Wörner. Langfristig soll ATV auch Menschen ins All transportieren können.

Schon im Jahr 2013 könnte eine europäische Raumkapsel Material von der Raumstation zurück zur Erde bringen und im Jahr 2017 starten vielleicht sogar Menschen mit einem europäischen Raumschiff ins All. Mit diesem zweistufigen Plan überraschten gestern Abend das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt, DLR, und der Raumfahrtkonzern EADS Astrium. Während eine europäische bemannte Raumkapsel noch ferne Zukunftsmusik ist, setzt DLR-Chef Jan Wörner auf eine zügige Weiterentwicklung des Raumtransporters ATV:

"Meine Vorstellung ist, dass wir tatsächlich als nächstes den Materialtransport zurück von der Raumstation mit einem europäischen Vehikel realisieren können. Es gibt eine entsprechende Studie, die von der Wirtschaft durchgeführt wurde, in der gezeigt wurde, dass man eine Kapsel bauen kann, mit der Ariane dann abschießen und die dann nach entsprechender Arbeit wieder in die Erdatmosphäre eintreten kann und auch sicher landen kann."

Bisher bringt Europas Raumtransporter ATV bis zu zehn Tonnen Material nach oben, verglüht aber beim Rücksturz in die Erdatmosphäre. Das soll sich jetzt ändern und der Raumstation wichtige Perspektiven eröffnen. Denn wenn die Nasa im Jahr 2010 ihre Shuttle-Flotte einmottet, gibt es de facto keine Möglichkeit mehr, durchgeführte Experimente, Materialproben oder defekte Ausrüstungsgegenstände zurück zur Erde zu bringen. Europa könnte diese Lücke mit vergleichsweise überschaubarem Aufwand füllen, betont Evert Dudok, Chef von EADS Astrium:

"Es würde der heutige ATV, der relativ zylinderförmig ist, ersetzt werden durch eine Kapselstruktur. Und diese Kapselstruktur würde dann wie früher bei den Apollo-Missionen zur Erde zurückkehren. Mit Fallschirmen wird da die Geschwindigkeit gebremst, und es wird dann im offenen Meer landen."

An solchen Plänen hat die Industrie schon seit Jahren gearbeitet. Neu ist jetzt, dass mit dem DLR auch Deutschlands Raumfahrtagentur den Ausbau des ATV aktiv unterstützt. Das Projekt sollte aber nicht auf nationaler Ebene laufen, sondern im Rahmen von Europas Raumfahrtagentur Esa, betont Jan Wörner:

"Wenn man dieses System realisieren will, dann könnte das auf der Ministerratskonferenz im Herbst entschieden werden. Wenn das entsprechend positiv entschieden wird, dann könnte man in den nächsten Jahren tatsächlich eine solche Kapsel entwickeln und fertigen, so dass wir dann schon bald eine entsprechende Möglichkeit des Materialtransports haben."

Die technisch größte Hürde ist die Entwicklung eines Hitzeschildes, der die Kapsel beim Eintauchen in die Atmosphäre vor dem Verglühen bewahrt. Doch hier kann die Industrie auf erfolgreiche Vorstudien zurückgreifen. Langfristig könnte die Kapsel nicht nur Material transportieren, sondern auch Menschen. Bisher müssen Europas Astronauten immer mit den Amerikanern oder den Russen ins All fliegen. Auch das ließe sich mit einem Ausbau des ATV ändern.

"Der zweite Schritt, ein eventueller Transport von Astronauten, sollte eben schon mitbedacht werden, damit das Konzept dann nicht eine Sackgasse ist, sondern damit man dann sagen kann: Okay, wir haben den ersten Schritt, den Materialtransport erfolgreich geschafft. Aufbauend auf diesen Erfahrungen können wir dann auch den zweiten Schritt, das heißt, den Transport von Astronauten, übernehmen."

Bisher hat die Esa ein Kooperationsabkommen mit der russischen Raumfahrtagentur Roskosmos, um gemeinsam ein bemanntes Raumschiff zu bauen. Doch dieses Programm hat in den vergangenen Jahren zu nichts geführt. Daher setzt man jetzt auf eigene Projekte. Nach der Fertigstellung von Columbus und der Basisversion des ATV stünden auf europäischer Ebene 150 bis 200 Millionen Euro Entwicklungsgelder pro Jahr zur Verfügung, die für den ersten Schritt reichen sollten.

Eine geeignete Rakete hat Europa: Denn die Ariane-5 war ursprünglich für Europas bemannten Raumgleiter Hermes konzipiert worden. Hermes wurde nie realisiert, die Ariane-5 aber fliegt sehr zuverlässig. Selbst für einen bemannten Flug wären nur wenige Änderungen erforderlich. Technisch wäre Europa also ohne allzu große Mühe in der Lage, zu den beiden ganz Großen im All, USA und Russland, aufzuschließen. Jetzt wartet Jan Wörner auf klare politische Unterstützung:

"Eine Weiterentwicklung auf dieser Ebene würde natürlich bedeuten, dass wir uns als Partner auch für zukünftige Raumfahrtmissionen klar positionieren. Insofern denke ich, ist es ganz wichtig, dass wir jetzt diesen Schritt hoffentlich angehen können."


 
 

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