Technik. - Alle zwei Jahre präsentieren Europas Polizei- und Militärausrüster auf einer ebenso speziellen wie konspirativen Messe ihre neuen Produkte. Überwachungs- und Kommunikationssysteme nahmen auf der GPEC, der 5. Internationalen Fachmesse und Konferenz für Polizei und Schutzausrüstung, einen zentralen Platz ein.
Hoffen wir, dass es nicht so kommt, denkbar wäre es aber schon: Nach dem Endspiel der Fußball-Europameisterschaft liefern sich rivalisierende Fans wüste Schlägereien, Verletzte sind zu beklagen, die Nobelgeschäfte der Wiener Innenstadt werden großflächig entglast - trotzdem verliert die Einsatzleitung der Polizei nie den Überblick. Im Lagezentrum wissen die Beamten zu jeder Minute, was wo passiert. Dank moderner Kameratechnik, vor allem aber dank einer intelligenten kabellosen Bildübertragung. Die Kameras sind…
"…je nach Applikation, wenn die offene Ermittlung stattfindet, ganz normale Schulterkameras, wie man sie aus dem Broadcast-Bereich kennt, große Kameras, die Polizisten sehen aus wie Kameramänner,…"
…womit - fährt Rainer Horn, Geschäftsführer der Broadcast Microwave Services in Heidenrod-Kemel bei Wiesbaden fort - die Gemeinsamkeiten mit den ARD- und ZDF-Kollegen aber auch schon erschöpft sind. Die Bilder der Polizei werden drahtlos ins Lagezentrum übertragen, und zwar über das Frequenzband von zwei Gigahertz. Dabei wandern die Funksignale aber nicht vom Sender zum Empfänger, indem sie durch Gebäude strahlen. Im Gegenteil: Die Bildsignale prallen wie Billardkugeln an Gegenständen ab und suchen sich selbstständig durch die Straßenschluchten den Weg zum Empfänger. Horn:
"Diese Reflexionen finden an Gebäuden, an Personen, an Gegenständen, überall statt, das heißt, das ist ein chaotisches Funkbild, was wir haben, das heißt, die Funkwellen breiten sich aus wie Lichtstrahlen, wir können praktisch wie mit der Taschenlampe leuchten und dann im Prinzip Wege finden, sie sich zwischen Sender und Empfänger ermöglichen."
Verglichen mit der früheren Analogtechnik - da reichte schon ein Vogel, der durch die Signale flog, um einen Wackler zu erzeugen. Ein geniales Prinzip, aber eines, das wirklich gut nur im Bereich von zwei Gigahertz funktioniert. Bei höheren Frequenzen steigt die Fehlerrate. Probleme treten zudem in Faradayschen Käfig auf - etwa in Häusern mit Stahlbetonwänden. Horn:
"Ich brauche dann Öffnungen, ich muss eine Tür öffnen, das ist faszinierend anzuschauen, ich mach die Tür auf und die Übertragung funktioniert, ich mach die Tür zu, sie stoppt."
Ein ähnliches Phänomen beobachtet übrigens auch Elmar Gärtner von der Phonak Communications AG, die auf der GPEC ein Kommunikationssystem für extreme Umgebungen vorstellte: Primero heißt das Gerät, bei dem zwei Personen sich mit glasklarer Stimme unterhalten, obwohl um sie herum ein höllischer Lärm tobt. Gärtner:
"Primero ist eine Zwei-Mikrofontechnik, wir gehen mit voice-intra-aural-pick-up zum Körper hin, nehmen ganz sensibel im Ohr den Schall auf, und haben ein zweites Mikrophon, das nach außen gerichtet ist und den ganz Schall aufnimmt."
Im Innenohr registriert ein Vibrationsmikrofon den Körperschall, das nach außen gerichtete Mikro zeichnet dagegen den akustischen Schall auf. Beide Datenströme wandelt anschließend ein winziger Computer in die perfekt saubere Stimme um, die nun über eine Funkstrecke weiter geleitet wird. Dabei arbeiten die Phonakingenieure mit Frequenzen im 2-Meter- und im 4-Meter-Bereich, also den Frequenzen, die "Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben" vorbehalten sind. Gärtner:
"Und wir geben das Signal entsprechend da hinein, sind aber auch kompatibel mit dem kommenden Digitalfunk, sodass diese gesamte Systematik, die wir geschildert haben, auch im Digitalfunk absolut sauber untergebracht werden kann und funktioniert."
Vorausgesetzt, es ist keine dicke Stahlbetonwand im Weg, sonst wandelt sich die saubere Sprache in unverständlichen Lärm. Ist dies der Fall, hilft wie bei der Videoüberwachung nur eines: Tür öffnen!
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dradio-Recorder
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