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04.07.2008
Ob die chinesischen Tonkrieger aus Xi'an mit RFID-Chips auseinandergehalten werden müssen? (Bild: AP Archiv) Ob die chinesischen Tonkrieger aus Xi'an mit RFID-Chips auseinandergehalten werden müssen? (Bild: AP Archiv)

Neue Ordnung im Scherbenhaufen

Wie Funkchips den Archäologen helfen können

Von Michael Stang

Archäologie. - Auch wenn sich viele Archäologen noch immer damit schwer tun, der technische Einzug ist auch in den historischen Wissenschaften nicht mehr aufzuhalten. Italienische IT-Experten wollen zukünftig archäologische Archive vollständig automatisieren, damit Forscher bald schnell und einfach Objekte aus den riesigen Sammlungen finden können.

Um riesige archäologische Archive zu inventarisieren braucht es vor allem eins: Ausdauer. Zeit brauchen Archäologen aber nicht nur beim Archivieren von oft hunderttausenden Scherben aus Keramik, Ton, Terrakotta oder Steingut, sondern auch beim späteren Wiederfinden, da viele alte Sammlungen selten vollständige Kataloge ihrer Bestände besitzen. Und wenn ja, sind diese oft handschriftlich verfasst. Hierzulande muss ein Archivar daher auch bestens mit der Sütterlinschrift vertraut sein, für viele Archäologen eine nicht mehr ganz zeitgemäße Archivierungsmethode. Abhilfe könnte ein Projekt aus Pisa schaffen. Dort arbeiten Marina Buzzi und ihre Kollegen vom nationalen Forschungsrat in Pisa daran, mit Hilfe von elektromagnetischen Wellen - so genannten RFID-Funkchips - zukünftig auch archäologische Sammlungen zu inventarisieren. Ein Chip auf eine Tonscherbe geklebt und sie ist jederzeit schnell auffindbar.

"Wir verwenden ausschließlich passive RFID-Chips, die keine externe Stromversorgung über eine Batterie brauchen. Dadurch sind die Chips nicht nur kleiner und billiger, sondern halten theoretisch auch unendlich. Für die Funkübertragung haben wir uns für die Ultra-Hochfrequenz entschieden, weil der Abstand zwischen Chip und Lesegerät dabei deutlich größer sein kann als bei der normalen Hochfrequenz."

Solche Ultra-Hochfrequenzen bei 868 MHz ermöglichen es, die passiven RFID-Chips je nach Antennengröße noch in einer Distanz von bis zu sieben Metern zu lesen. Hochfrequenz-Bereiche schaffen dagegen nur Lesereichweiten von zehn Zentimetern. Bei den Lesegeräten sind die italienischen IT-Experten noch in der Testphase. Da Museen in der Regel eher kleine Etats verwalten, liegt der Fokus auf handelsüblichen Scannern. Diese können mit einem Mikroprozessor ausgestattet die Informationen aus den RFID-Chips direkt lesen und auf dem Display anzeigen. Buzzi:

"Die Vorteile dieser Technik liegen auf der Hand: zum Einen muss man einzelne Objekte nicht mehr auspacken, da man den Chip von außen lesen kann, zudem kann man bis zu 50 Scans gleichzeitig machen. Das spart ungemein viel Zeit, da man mit einem Blick in einem Archiv sehen kann, was wo liegt. Einige Probleme konnten wir aber noch nicht lösen, es gibt etwa immer noch Reflektionen von anderen Chips, die die Information verfälschen können oder auch Funkschatten, bei denen wir gar nichts sehen. Hinzukommt, dass nasse Objekte eine Funkübertragung zwischen Chip und Lesegerät generell unmöglich machen."

Die RFID-Chips selbst enthalten nur wenige Daten oder meist nur eine Identifizierungsnummer, mit der Archivare die Informationen über das Objekt in einer Datenbank nachlesen können: Größe, Form, Alter, Fundstätte, wann und wo veröffentlicht et cetera. Der erste Praxistest soll in wenigen Wochen erfolgen, sagt Marina Buzzi.

"Jetzt wollen wir diese Technik in einem großen Projekt testen: im italienischen Kulturhistorischen Ministerium wartet eine archäologischen Sammlung aus Griechenland auf uns, die wir mit unserer RFID-Technik archivieren sollen. Die Sammlung umfasst 12.000 Objekte aus Keramik und Terrakotta - hauptsächlich Statuen, Gefäße und Scherben. Dabei wollen wir zeigen, dass es möglich ist, solch eine große Sammlung schnell und automatisch zu inventarisieren."

Damit soll es möglich sein, zukünftig beim Schlendern zwischen den Regalen einer Sammlung mit dem Lesegerät schnell und einfach das gewünschte Stück zu finden. Marina Buzzi:

"Ich glaube, dass die RFID-Technologie eine gute Methode ist, um die riesigen archäologischen Sammlungen besser, einfacher und übersichtlicher zu katalogisieren. Die Möglichkeit, dass man mit einem handlichen Lesegerät durch Archive geht und die gesuchten Objekte praktisch per Knopfdruck findet, dürfte vor allem in wirklich großen Museums-und Institutssammlungen Anwendung finden."

Einziger Knackpunkt sind wie immer die Kosten für solche Investitionen. Noch liegt der finanzielle Aufwand bei rund 15 Euro-Cent pro RFID-Chip, bei großen Sammlungen kommen da schnell mehrere hunderttausende Euro zusammen. Damit werden sich wohl nur wenige archäologische Sammlungen den Luxus eines automatisierten Inventars leisten können.


 
 

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