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06.08.2008
Eingang des Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge bei Boston (Bild: AP) Eingang des Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge bei Boston (Bild: AP)

Lowtech für hohe Ziele

MIT entwickelt technische Lösungen für Entwicklungsländer

Von Arndt Reuning

Technik.- Das Massachusetts Institute of Technology bei Boston ist eigentlich eine Hochburg der Spitzenforschung. In den vergangenen drei Wochen hieß das Motto am MIT aber: So primitiv wie möglich. Menschen aus über zwanzig Ländern waren zusammen gekommen, um Geräte und Technologien zu entwickeln, die unter einfachsten Bedingungen in entlegenen Gebieten und Entwicklungsländern noch funktionieren.

Gerade hilft Alvaro Feito-Boirac dabei, die Felge eines Fahrrades an einem Holzträger zu verankern. Solch eine praktische Tätigkeit, ist nicht unbedingt das, womit sich der spanische Physiker, der auch ein Jahr lang in Deutschland studiert hat, sonst seine Zeit vertreibt. Wenn er nicht gerade am MIT werkelt, widmet er sich am Imperial College in London dem Thema seiner Doktorarbeit.

"Es ist Quantenphysik und Quanteninformation und solche Sachen."

In England hat er aber auch eine Gruppe kennen gelernt, die sich "Ingenieure ohne Grenzen" nennt und Technik für Entwicklungsländer erfindet. Beim International Development Design Summit werkelt er nun an einem Projekt, das einer Gruppe von Frauen im Himalaya dabei helfen soll, ihre Waren auf den Markt zu transportieren.

"Es ist eine Seilbahn, und es sollte in Indien gebaut werden. Dieses Projekt ist nur ein Modell, um zu lernen, was man in einem kleinen Dorf in Indien, im Himalaya, was man dort machen könnte."

Um die Kosten niedrig zu halten und Materialien zu benutzen, die leicht zu besorgen sind, greifen die Erfinder unter anderem auf Teile von kaputten Fahrrädern zurück.

Genau wie bei dem Projekt, das Brian Rasnow von der California State University präsentiert. Eine Dreschmaschine für Perlhirse, gebaut aus einem alten Fahrrad. Die Speichen schlagen dabei die Hirsekörner aus den Fruchtkolben heraus.

Ganz und gar aus unbeweglichen Teilen besteht der Prototyp, den Paola Lira aus Peru mitentwickelt hat. Ein Brutkasten für Säuglinge, der sich besonders für entlegene, ländliche Gebiete eignen soll. Das bedeutet: Das Gerät muss möglichst einfach konstruiert sein.

Das hier ist ein Teil, das Heizsystem, ganz simpel. In diesem Kasten sitzt eine Glühbirne, die die Luft aufheizt. Ein kleiner Ventilator lässt die warme Luft dann in dem Kasten zirkulieren - bis hin zum Bett.

Paola Lira arbeitet für eine Nichtregierungsorganisation in Lima. Eines der Ziele des Treffens bei Boston war es, dass Menschen mit ganz verschiedenen Hintergründen zusammen kommen. Ingenieure und Wissenschaftler mit Sozialarbeitern und auch Handwerkern. Die MIT-Forscherin Amy Smith hatte die Idee dazu.

Vor fünf, sechs Jahren habe ich eine Konferenz besucht. Am Ende der Veranstaltung hatten wir nichts Richtiges in den Händen - nur ein paar Dokumente und Visitenkarten. Aber nichts mit Schrauben und Bolzen, aus Holz oder Metall. Und das hat mich geärgert. Denn bei diesem Treffen haben Menschen teilgenommen, die wirklich etwas Bedeutendes hätten erschaffen können. Aber wir haben nur darüber geredet, es zu tun.

Im vergangen Jahr hat der Workshop zum ersten Mal stattgefunden. Ein Projekt von damals für einen kostengünstigen Kühlschrank hat es seitdem am weitesten bis zur Verwirklichung in der Praxis geschafft. Aber nicht nur einzelne Produkte oder Technologien sind das Ergebnis der Veranstaltung, sondern auch das, was sich im Leben der Teilnehmer verändert.

Eines unserer Beispiele dafür ist Bernard aus Tansania. Er war Fahrradmechaniker, bevor er an dieser Veranstaltung teilgenommen hat. Als er dann wieder zurück war in seinem Land, war das wie ein Erfindungssturm. Er hat eine Windmühle gebaut, eine pedalgetriebene Säge, eine Wasserpumpe, Werkzeuge und Möbel aus Fahrradteilen. Das war für ihn ein kreatives Erwachen. Mittlerweile ist er Lehrer für diese Art von Technik und hat einen eigenen Lehrplan entwickelt. Für mich ist das eine unglaubliche Verwandlung, die mehr bewirkt, als jede einzelne Technologie, die wir hier entwickelt haben.

Im kommenden Jahr soll die Veranstaltung wieder stattfinden. Dann aber nicht am MIT, sondern in Ghana. Zusammen mit den Menschen vor Ort, die die neuen Erfindungen dann gleich in der Praxis testen können.


 
 

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