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03.11.2008
US-Wissenschaftler hoffen auf mehr Beachtung durch den zukünftigen US-Präsidenten. (Bild: AP) US-Wissenschaftler hoffen auf mehr Beachtung durch den zukünftigen US-Präsidenten. (Bild: AP)

Ruf aus dem Elfenbeinturm

US-Wissenschaftsorganisationen wenden sich an Präsidentschaftskandidaten

Von Arndt Reuning

Forschungspolitik. - Wer auch immer das Rennen um die amerikanische Präsidentschaft macht - der neue US-Präsident wird in der kommenden Amtszeit Entscheidungen treffen, für die er auf eine Expertise aus der Welt der Wissenschaft kaum verzichten kann. Jetzt wandten sich die Forscher selbst an die Kandidaten.

Sechs Unterschriften stehen am Ende der beiden Briefe an die amerikanischen Präsidentschaftskandidaten. Eine davon gehört Alan Leshner. Er ist der Geschäftsführer der weltweit größten privaten Wissenschaftsorganisation, der American Association for the Advancement of Science, kurz AAAS, in Washington.

Wir glauben, dass die Wissenschaft eine größere Rolle in unserer Politik spielen wird - ganz gleich, wer gewählt wird. Beide Bewerber, Senator McCain und Senator Obama, haben eine gewisse Erfahrung mit Themen, die einen Bezug zur Wissenschaft aufweisen: Umwelt, Klima, Energie, Stammzellen. Und daher ist es sehr wahrscheinlich, dass der zukünftige Präsident stärker Ergebnisse aus der Forschung in seine politischen Entscheidungen einfließen lassen wird als das in den vergangenen paar Jahren der Fall gewesen ist.

In dieser Zeit hat der Physiker John Marburger an der Spitze des "Office of Science and Technology Policy" gestanden. Dieses Sekretariat soll dabei helfen, die Politik des Weißen Hauses an der Schnittstelle zwischen Gesellschaft und Forschung zu bestimmen. Allerdings wurde Marburger erst sehr spät auf den Posten des obersten Wissenschaftsberaters berufen. Zu diesem Zeitpunkt stand die Haltung des Präsidenten gegenüber dem Klimawandel und der Forschung an menschlichen Embryonen bereits fest. Außerdem wurde dem Physiker nicht derselbe Status zugebilligt wie seinen Amtsvorgängern, die direkt dem Präsidenten gegenüber Bericht erstattet haben und mit am Kabinettstisch saßen.

Wer auch immer gewählt wird - wir hoffen, dass er umgehend einen hochkarätigen Wissenschaftsberater ernennt und dessen Ratschläge auch berücksichtigt. Denn die Wissenschaft wird unverzichtbar sein für jedes wichtige zukünftige Politikfeld.

Dass John Marburger mit einer neunmonatigen Verspätung in sein Amt eingeführt worden war, stellte aber nur die Spitze des Eisberges dar, sagt Michael Halpern von der Forschervereinigung "Union of Concerned Scientists", die zu den Mitunterzeichnern gehört.

Von Anfang an hat die Bush-Regierung klar gemacht, dass sie Wissenschaft gegenüber feindselig eingestellt ist. Jeder amerikanische Präsident bis zurück zum Zweiten Weltkrieg hat die Wissenschaft auf die eine oder andere Weise missbraucht. Aber unter dem jetzigen Präsidenten ist die Einflussnahme auf die Forscher nahezu allgegenwärtig. Ergebnisse wurden manipuliert, unterdrückt, verfälscht und zur Seite gedrängt. Wir haben erlebt, wie Beratergremien aufgelöst oder mit ideologisch geprägten Mitgliedern besetzt wurden. Das alles hat sich sehr demoralisierend ausgewirkt auf die Forschenden in den Regierungslaboren: bei der Behörde für Lebensmittel- und Arzneisicherheit, beim Zentrum zur Seuchenbekämpfung und bei der Umweltschutz-Bundesbehörde.

Schon im September hatte die Nationale Akademie der Wissenschaften in einem gut dreißig Seiten umfassenden Bericht die Präsidentschaftsbewerber gebeten, nach der Wahl möglichst schnell den Posten des Wissenschaftsberaters im Weißen Haus zu besetzen - sowie rund 80 weitere hochkarätige Regierungsposten mit Bezug zur Wissenschaft. Die Koalition aus Universitäten, Forschungseinrichtungen und Interessenvertretern, die sich jetzt an McCain und Obama gewandt hat, schlägt vor, den neuen Wissenschaftsberater bis spätestens zum 20. Januar ernannt zu haben.

Wir sehen die ersten 100 Tage des Übergangs zu einer neuen Exekutive als entscheidend dafür an, Amerika den Glauben an seine Regierung wieder zurück zu geben. Den Glauben daran, dass unsere Behörden uns beschützen können - unsere Gesundheit, unsere Sicherheit und unsere Umwelt. Für die Menschen in diesem Land ist es zunehmend schwieriger geworden, den Informationen der Regierung zu vertrauen. Einfach weil sie gesehen haben, wie diese Informationen verfälscht, manipuliert und unterdrückt worden sind.


 
 

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