Wissenschaftspolitik. - Die Vereinigten Staaten haben mit Barack Obama einen neuen Präsidenten gewählt, von dem auch die Wissenschaftler im Land viel erwarten. Sie setzen auf einen Wechsel, denn unter Präsident Busch unterlag ihre Arbeit oft vielen Einschränkungen. Der Wissenschaftsjournalist Arndt Reuning berichtet im Gespräch mit Gerd Pasch.
Gerd Pasch: Arndt Reuning ist der Wissenschaftskorrespondent des Deutschlandradios in Washington. Kurz vor der Sendung fragte ich ihn: Was sind die Hauptforderungen der "scientific community" in den USA ans Weiße Haus?
Arndt Reuning: Zum Einen muss der neue Präsident natürlich das Vertrauen wiederherstellen. Die Akademiker unter Bush haben sich nicht wirklich wohl gefühlt, vor allen Dingen die Wissenschaftler an den staatlichen Instituten. Denn sie fühlten sich gegängelt: Ihre Gutachten sind teilweise umgeschrieben worden, teilweise gekürzt, teilweise einfach verfälscht, sodass sie am Ende doch die Politik des Weißen Hauses einfach nur legitimiert haben. Alle führenden Wissenschaftsorganisationen sind sich da eigentlich einig: Das konnte nur besser werden, es wäre auch unter McCain so gewesen. Barack Obama hat sich deutlich zur Transparenz bekannt, und erste Hinweise, wie er mit Wissenschaft oder mit Forschern umgehen wird, das hat schon die Auswahl seiner Wissenschaftsberater gezeigt. Die ist deutlich akademisch geprägt. Da ist zum einen Harold Varmus, der Nobelpreisträger für Medizin aus dem Jahr 1989, der für ihn Wissenschaftsberater ist, und auch Peter Agre, der Nobelpreisträger Chemie 2003. Da gibt es zum Beispiel auch Gilbert Omenn, ein Mediziner und Genetiker und ehemaliger Präsident der AAAS, also der größten Wissenschaftsorganisation auf privatem Sektor.
Eine zweite wichtige Forderung ist natürlich etwas handfester - da geht es ums Geld. Die Herausforderung ist, dass die Haushalte für wichtige staatliche Forschungsinstitute nun aufgestockt werden müssen. Denn in den vergangenen Jahren haben diese Haushalte stagniert, teilweise sind sie zurückgegangen, wenn man da die Inflation zum Beispiel mit berücksichtigt.
Pasch: Arndt Reuning, lange umstritten war ja auch die Förderung der Stammzellforschung. Was wird sich denn auf diesem Gebiet tun?
Reuning: Unter Präsident Bush wurde vom Staat her nur solche Forschung finanziert, die an bestimmten alten Stammzelllinien durchgeführt worden ist. Das ist zu erwarten, dass sich das unter Barack Obama ändern wird, und zwar sehr schnell. Denn es handelt sich hier nicht um ein Gesetz, sondern nur um eine Anweisung des Präsidenten, und die kann natürlich ein neuer Präsident sehr schnell wieder rückgängig machen. Auch da hat sich Barack Obama schon dazu bekannt, dass er die Forschung an embryonalen humanen Stammzellen fördern, zulassen will, egal mit welchen Stammzelllinien, egal wann sie entstanden sind.
Pasch: Ein neuer Wind weht offensichtlich über den nordamerikanischen Kontinent. Was hat an Forderungen denn die Chance auch zur Umsetzung?
Reuning: Das ist schon wieder die andere Seite, denn die Finanzkrise belastet natürlich auch die Welt der Wissenschaft. Da gibt es zum Beispiel aus dem Jahr 2007 den "America Competes Act". Das ist ein Gesetzespaket, das die Innovationsfähigkeit und Wettbewerbsfähigkeit der USA sichern soll durch Investitionen in die Grundlagenforschung. Und zwar sieht dieses Gesetz vor, innerhalb von sieben Jahren die Fördergelder für die physikalisch-technische Grundlagenforschung zu verdoppeln. Bisher ist immer noch unklar, woher dieses Geld überhaupt kommen soll. Die Finanzkrise verschärft also die Situation für die Wissenschaft, und man darf gespannt sein, ob Obama hier investiert in der Hoffnung, damit eben wieder die Wirtschaft langfristig gesehen in ein sicheres Fahrwasser zu manövrieren. Allerdings muss man sagen, zunächst einmal wird er eher Feuer löschen müssen. Es brennt ja an allen Ecken und Enden, und die Menschen erwarten erstmal, dass er sich darum kümmert, dass ihre Häuser sicher sind, dass ihre Altersversorgung sicher ist, und nicht so sehr darum, ob Wissenschaftler Geld bekommen.
Pasch: Also steht die Wissenschaft wohl nicht an hoher Priorität auf seiner To-do-Liste. Wie wird es im kommenden Jahr aussehen, wenn er das Amt antritt?
Reuning: Ich würde sagen, es stehen solche Themen auf Prioritätenliste oben, die mit Wissenschaft zu tun haben. Nicht direkt jetzt wirklich die Förderung von Forschung, die Finanzierung von Forschung, aber zum Beispiel das Thema Energie. Das wird sich jetzt zeigen, ob unter den aktuellen Preisen das überhaupt eine Rolle spielt. Andererseits hat Barack Obama zugesagt, dass er 150 Milliarden Dollar in saubere Energie investieren möchte, innerhalb von zehn Jahren. Das sind also alternative Treibstoffe, das ist Fahrzeugtechnik und CO2-Speicherung. Aber er erwähnte auch die Kernenergie.
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