Technik. - Pro Waschgang verbrauchen die sparsamsten Waschmaschinen mindestens 40 Liter. Über das Jahr gerechnet kommen da mehrere tausend Liter pro Maschine zusammen. Fast ohne Wasser kommt eine Entwicklung aus England aus. Sie setzt auf die reinigende Wirkung von Plastikperlen.
Die Waschmaschine von morgen braucht nur noch sechs Liter Wasser pro Waschgang - statt 40. Eine Revolution unter Waschmaschinen, die die Entwickler des kleinen Unternehmens Xeros im britischen Leeds mit Hilfe von Plastikkügelchen anzetteln wollen.
"Genau. Die Xeros-Kügelchen haben das Wasser als Medium ersetzt."
Die Forscher sind stolz, und halten ihre Verfahren für so revolutionär, dass sie nach der ersten Ankündigung das sprichwörtliche weiße Laken ganz schnell wieder über die Maschine gezogen haben. Der Erfinder - Professor Stephen Berkingshaw - steht nicht für Interviews zur Verfügung, das übernimmt Geschäftsführer Bill Westwater. Und der will erstmal so wenig wie möglich über die Entwicklung verraten:
"Entschuldigen Sie die Geheimniskrämerei. Wir werden erst Ende 2009 die Maschine verkaufen und haben noch sehr viele Entwicklungen abzuschließen."
Aber zumindest eines steht schon fest: Sollte die Entwicklung erfolgreich sein, müsste sich das Auge nicht an ein neues Design gewöhnen:
"Die Maschine wird von außen wie eine ganz normale Waschmaschine aussehen, ein Frontlader mit Trommel. Nur wird sie die Wäsche in kleinen Plastikkügelchen waschen."
Und auch die Bedienung erfolgt althergebracht: Erst die Wäsche sortieren nach Farben, Verschmutzung und Waschtemperatur -
"Wie beim konventionellen Waschen erzielen die Kügelchen bei 60 Grad bessere Resultate. Wir haben das Verfahren bei Temperaturen zwischen 30 und 60 Grad getestet und hervorragende Ergebnisse erzielt. Unser Vorteil ist: Weil wir viel weniger Wasser verwenden, brauchen wir auch viel weniger Strom zum Heizen. Das Verfahren erzeugt also weniger Kohlendioxid und kostet weniger."
Dann Wäsche einfüllen und - trotz Plastikkügelchen - das Waschpulver nicht vergessen:
"Es ist keine Technik, die ohne Waschmittel auskommt. Waschmittel verbessert die Leistung der Kügelchen."
Danach einschalten - und mit dem Wasser wird ein Haufen kleiner Plastikkügelchen in das Innere der Maschine geschwemmt.
"Also, stellen Sie sich vor: Die Kügelchen sind aus einem bestimmten Polymer. Das hat eine Polarität, die den Dreck aus der Wäsche an das Kügelchen bindet. Dann ist das Polymer so beschaffen, dass der Dreck in das Innere gezogen wird."
Das alles dauert gerade einmal eine halbe Stunde - eine weitere Zahl, auf die Bill Westwater stolz ist, dauern doch manche Waschprogramme in modernen Maschinen bis zu anderthalb Stunden. Die Kügelchen sollen übrigens immer wieder verwendet werden - bis zu 500 Mal, das reiche für rund ein Jahr. Danach wäre dann eine neue Ladung fällig. Voraussetzung ist allerdings, dass die fünf mal fünf Millimeter kleinen Plastikwunderteilchen am Ende des Waschgangs auch vollständig aus der Wäsche wieder herausgefiltert werden.
"Ja, das ist eine gute Frage. Deshalb halten wir unsere Technik auch noch geheim, weil wir daran arbeiten, die Kügelchen perfekt zurückzuholen. Damit nach der Wäsche keine Kügelchen in Taschen und Falten bleiben."
Ob die Techniker das Problem lösen können, scheint offen. Deutsche Waschmaschinenhersteller und Experten zeigen sich skeptisch; lediglich ein Unternehmen erklärt, es prüfe das Verfahren. Offenbar sehr gründlich - die Prüfung dauert nun schon fast ein halbes Jahr. Sollten die Briten es lösen, könnten Wasser- und Stromverbrauch in den kommenden Jahren massiv gesenkt werden.
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