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08.04.2009
Yvo de Boer, Exekutivdirektor der UN-Klimasekretariate (UNFCCC) (Bild: AP) Yvo de Boer, Exekutivdirektor der UN-Klimasekretariate (UNFCCC) (Bild: AP)

Neun Monate bis Kopenhagen

Abschluss der Bonner Vorverhandlungen zum Nachfolger des Kyoto-Protokolls

Von Volker Mrasek

Klimaschutz. - Nach anderthalb Wochen geht in Bonn eine weitere Etappe der internationalen Klimaverhandlungen zu Ende: Es tagten die beiden Arbeitsgruppen, die für den 15. Welt-Klimagipfel in Kopenhagen das Nachfolgeabkommen zum Kyoto-Protokoll aushandeln sollen. Dessen Erfolg war aus Sicht der Wissenschaft gering: Die versprochenen Treibhausgasreduktionen der Industrieländer sind ein Tropfen auf den heißen Stein. Nun soll es zu viel schärferen Reduktionen kommen.

"Der Verhandlungsprozess orientiert sich stark an der Wissenschaft." Das hatte Yvo de Boer während der Bonner Gesprächsrunde mehrfach betont, der Chef des Klimasekretariates der Vereinten Nationen. Wenn das so ist, dann müsste die Staatengemeinschaft den Experten des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen folgen. Der Vorsitzende des Weltklimarates, Rajendra Pachauri, empfiehlt, alles zu tun, um eine globale Erwärmung jenseits von zwei Grad Celsius zu vermeiden. Klimaforscher gehen davon aus, dass sich die Folgen dann noch in Grenzen halten:

"Dazu ist es nötig, dass die Emissionen von Kohlendioxid spätestens 2015 ihren Höhepunkt erreichen. Das sind nur noch sechs Jahre. Es besteht also dringender Handlungsbedarf."

Doch so weit wollen die Klimadiplomaten der Wissenschaft bisher nicht folgen. Am Ende der Bonner Verhandlungsrunde liegen noch keine Vorschläge auf dem Tisch, die erkennen lassen, dass die Industriestaaten nun zu wirklich nennenswerten Einschnitten beim Ausstoß von Treibhausgasen bereit sind. So das vorläufige Fazit von Yvo de Boer heute Nachmittag auf der abschließenden Pressekonferenz des Klimasekretariates:

"Es gab erste Diskussionen über individuelle Reduktionsverpflichtungen für die Industriestaaten. Aber diese Debatte steht erst ganz am Anfang. Der Zwischenstaatliche Ausschuss für Klimaänderungen hat klar gemacht: Wenn wir gefährliche Auswirkungen des Klimawandels vermeiden wollen, dann sollten die Industrieländer ihre Emissionen bis zum Jahr 2020 um 25 bis 40 Prozent reduzieren. Man kann das als eine Richtschnur ansehen. Die Zahlen, die bisher diskutiert wurden, sind aber noch sehr weit von dieser Vorgabe entfernt."

Dem Idealziel nahe kommt bisher nur der Vorschlag der Europäischen Union. Sie hat angeboten, bis 2020 ihren CO2-Ausstoß um 20 Prozent zu senken. Und sogar um 30 Prozent, sollten die anderen Industriestaaten mitziehen. Doch das ist bisher nicht der Fall. Einen wichtigen Grund dafür nannte Harald Dovland heute in Bonn. Der Norweger leitet jene Arbeitsgruppe, die weitere Emissionsverpflichtungen für die Industrieländer festlegen soll, für die Zeit nach dem Kyoto-Protokoll:

"Auch für die Vertragsstaaten des Kyoto-Protokolls ist es sehr wichtig, die Position der USA zu kennen. Denn die anderen Industrieländer sind sehr, sehr vorsichtig, wenn es darum geht, konkrete Reduktionsziele zu formulieren - solange sie nicht wissen, mit welchem Vorschlag die Vereinigten Staaten aufwarten."

Klar scheint zu sein: Unter ihrem neuen Präsidenten Barack Obama beteiligen sich die USA wieder konstruktiv an den Verhandlungen. In Bonn signalisierte die US-Delegation, dass die Regierung in Washington ernsthafte Schritte gegen den Klimawandel erwägt. Die USA wollten ihre Treibhausgas-Emissionen im Jahr 2020 auf den Stand von 1990 zurückführen, war zu hören.
Doch ein konkretes Angebot hat die US-Delegation in Bonn nicht vorgelegt. Und es rechnet auch niemand mehr damit, dass das heute Abend noch geschehen könnte. Dann laden die USA zur letzten Pressekonferenz der Bonner Klimaverhandlungen. Die nächste Gesprächsrunde ist bereits für Juni fest eingeplant. Sie wird wiederum in Bonn stattfinden. Spätestens dann müssen konkrete Angebote der Industriestaaten vorliegen. Aber auch der Entwicklungs- und Schwellenländer. Denn auch sie sollen sich erstmals zu Maßnahmen gegen den Klimawandel verpflichten. Noch einmal Yvo de Boer:

"Wenn dieser Verhandlungsprozess ein Marathon wäre, dann würde ich sagen, dass sich die Läufer jetzt zum finalen Sprint sammeln müssen. Spätestens bei dem Treffen im Juni muss der Entwurf für einen Vertragstext vorgelegt werden, und das wird dann der Schlussspurt für den Klimagipfel in Kopenhagen sein."


 
 

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