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05.06.2009
Zwillinge aus natürlicher und aus Retortenzeugung haben unterschiedlich hohe Risiken. (Bild: Stock.XCHNG / Helmut Gevert) Zwillinge aus natürlicher und aus Retortenzeugung haben unterschiedlich hohe Risiken. (Bild: Stock.XCHNG / Helmut Gevert)

Risiko im Reagenzglas

Australische Studie vergleicht erstmals Zwillinge mit Zwillingen

Von Michael Lange

Fortpflanzungsbiologie. - Die Befruchtung im Reagenzglas ist längst nichts mehr besonderes. Weltweit werden 250.000 Babys pro Jahr in der Retorte gezeugt. Die meisten der in vitro Kinder sind gesund. Dennoch ist bis heute unklar, welche Risiken mit der Zeugung im Reagenzglas verbunden sind, insbesondere mit der dort häufigeren Mehrlingsgeburt. Mehr Klarheit bringt nun eine Studie aus Australien.

Wer als Zwilling geboren wird, hat es vor und nach der Geburt nicht leicht. Alles muss mit dem Zwilling geteilt werden, und manchmal gibt es Komplikationen gesundheitlicher Art. Für die Epidemiologin Michele Hansen vom Telethon Forschungsinstitut für Kindergesundheit in West-Australien war deshalb klar, dass nur Zwillinge mit Zwillingen verglichen werden dürfen.

"Wir haben 700 Kinder, die durch künstliche Befruchtung entstanden sind, verglichen mit 1200 natürlich empfangenen Zwillingspärchen. Dabei haben wir nur Zwillinge mit unterschiedlichem Geschlecht in die Studie aufgenommen."

So konnte Michele Hansen sicher sein, dass garantiert nur zweieiige Zwillinge Eingang in die Untersuchung finden. Denn in-vitro-Zwillinge sind meist zweieiig.

"Wir haben nachgeschaut, ob sie zu früh geboren wurden und ob sie ein zu geringes Geburtsgewicht besaßen. Beide Risiken waren bei in-vitro-Kindern doppelt so hoch. wie bei natürlich gezeugten zweieiigen Zwillingen. Auch nach der Geburt waren die in-vitro-Babies einem erhöhten Risiko ausgesetzt. Das Risiko, in den ersten Lebensmonaten zu sterben, war verdoppelt."

Auch die Zahl der Krankenhausaufenthalte in den ersten drei Lebensjahren war bei den in-vitro-Kindern erhöht. Sie mussten länger im Krankenhaus bleiben und häufiger auf die Intensivstation. Eine wichtige Ursache dafür sind die zu frühe Geburt und das meist geringere Geburtsgewicht, vermutet die Epidemiologin Michele Hansen. Amerikanische Forschungen hatten kürzlich gezeigt, dass dies mit der so genannten Epigenetik zusammenhängen könnte. Im künstlichen Nährmedium für den Embryo sind andere Gene aktiv, als im Mutterleib. Den möglichen Zusammenhang des zusätzlichen Risikos mit der Epigenetik wollen die australischen Forscher demnächst untersuchen. Handeln könne man aber schon jetzt, betont Michele Hansen.

"Die zukünftigen Eltern sollten vor einer künstlichen Befruchtung mehr Informationen erhalten. Zum einen sollten sie wissen, dass Zwillings- und Mehrlingsgeburten stets mit einem erhöhten Risiko einhergehen. Und sie sollten informiert werden, dass künstliche Befruchtung immer ein erhöhtes Risiko bedeutet - auch im Vergleich zu natürlich entstandenen Zwillingen."

Den Reproduktionsmedizinern empfiehlt Michele Hansen, bei jedem künstlichen Befruchtungszyklus nur noch einen Embryo einzupflanzen.

"Offensichtlich stellt die Zwillingsgeburt selbst das größte Risiko dar. Daher empfiehlt es sich, einen Embryo gezielt auszuwählen und in die Gebärmutter einzupflanzen. Dann würde die Wahrscheinlichkeit einer Zwillingsgeburt erheblich sinken."

In Großbritannien, Belgien und Skandinavien wird diese Empfehlung bereits umgesetzt. Immer häufiger werden dort nur noch einzelne Embryonen eingepflanzt. In Deutschland verpflanzen die Reproduktionsmediziner meist drei Embryonen. Denn es ist ihnen nicht gestattet, unter mehreren Embryonen einen auszuwählen. Die Zahl der Zwillings- und Drillingsgeburten ist hierzulande deshalb deutlich höher als in anderen europäischen Ländern.


 
 

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