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09.06.2009
Die Milch machts: Blutdrucksenker in Peptidform. (Bild: AP) Die Milch machts: Blutdrucksenker in Peptidform. (Bild: AP)

Mit Molke gegen Bluthochdruck

Milchprotein soll Volkskrankheit Nr. 1 lindern helfen

Von Viola Simank

Medizin. - Hoher Blutdruck ist eine echte Volkskrankheit - in Deutschland sind schätzungsweise bis zu 20 Millionen Männer und Frauen betroffen. Die Therapie verschlingt jedes Jahr bei den Krankenkassen hunderte Millionen Euro. Eine neue Studie von Dresdner Wissenschaftlern lässt da aufhorchen - sie konnten im Tierversuch bei Ratten den Blutdruck senken, in dem sie sie mit Nahrung gefüttert haben, die mit speziellen so genannten Milchpeptiden angereichert war.

Es klingt verlockend - jeden Tag einen speziellen Joghurt essen oder ein Glas Molke trinken und schon hat man seinen erhöhten Blutdruck im Griff. Noch ist das Zukunftsmusik, doch eine Entdeckung von Dresdner Wissenschaftlern könnte dies in einigen Jahren möglich machen. Grund dafür sind so genannte Milchpeptide, die Bestandteil von Proteinen sind. Einige dieser Milchpetide sind besonders wirksam, wenn es um die Senkung des Blutdrucks geht - dies haben Thomas Henle, Professor für Lebensmittelchemie an der Technischen Universität Dresden , und sein Team jetzt im Tierversuch herausgefunden. Sie wirken dabei wie eine Art natürliche ACE-Hemmer, ein Arzneimittel, dass oft zur Blutdrucksenkung eingesetzt wird, erklärt Doktorandin Susanne Kaiser:

"Im Körper gibt es gewisse Enzyme, die für die Blutdruckregulation verantwortlich sind, eines davon ist das ACE, das Angiotensin Converting Enzyme, welches mit einer gewissen Blutdrucksteigerung einhergeht. Und wenn man jetzt diese bioaktiven Peptide mit diesem Enzym interagieren, haben sie die Eigenschaft, dieses Enzym zu hemmen. Und das bedeutet wiederum, dass darin ein Potential besteht, dass man den Blutdruck senken könnte."

Die bioaktiven Peptide haben die Forscher in einem Molke-Protein gefunden, das bisher wenig Beachtung fand: dem alpha-Lactalbumin. Professor Thomas Henle:

"Diese Peptide kommen heute bereits in der Nahrung vor, in jedem Käse, in jedem Joghurt, sind zum Teil natürlich ganz geringe Konzentrationen dieser Peptide vorhanden. Wir konnten jetzt zeigen, das die aus dem alpha-Lactalbumin freigesetzten Peptide besonders wirksam sind, viel wirksamer als viele Peptide, die man bisher kennt, und man dadurch jetzt die Möglichkeit hätte, relativ niedrige Konzentrationen nur einsetzen zu müssen. Das bietet natürlich jetzt sehr gute Möglichkeiten zum Beispiel für die Entwicklung von funktionellen Lebensmitteln."

Im Tierversuch konnten die Forscher die Wirksamkeit der gefundenen Milchpeptide bereits nachweisen. Sie verfütterten an Ratten spezielle Nahrung, die mit den Peptiden angereichtert war.

"Wir konnten hier vergleichbare Blutdrucksenkungen erreichen wie mit echten ACE-Hemmstoffen, also echten Medikamenten, so dass wir doch sehr optimistisch sind, das wir diese Ergebnisse, wenn auch vielleicht in etwas moderater Form, auf Patienten übertragen werden können."

Noch haben die Dresdner Wissenschaftler das Molke-Protein nicht vollkommen entschlüsselt. Ein Teil der Forschung besteht deshalb auch in der Suche nach weiteren Peptiden, so Susanne Kaiser:

"Es wird sich höchstwahrscheinlich herausstellen, dass es verschiedene bioaktive Peptide geben wird, auf jeden Fall, und vielleicht sogar nicht nur ein Einzelnes, sondern eine gewisse Summe, ein gewisses Wirkungsspektrum an verschiedenen Peptiden, die vielleicht einen summierenden Effekt zeigen."

Eine Studie, ob die gefundenen Milchpetide auch beim Menschen so erfolgreich den Blutdruck senken, wird derzeit vorbereitet. 100 Männer und Frauen mit leicht erhöhtem Blutdruck werden an ihr teilnehmen. Henle rechnet nach den Erfahrungen in den Tierversuchen damit, dass der Blutdruck bei ihnen um bis zu 15 Prozent gesenkt werden kann - und das innerhalb weniger Wochen. Als Ersatz für Arzneimittel will er die neuen funktionellen Lebensmittel dennoch nicht sehen:

"Unsere Vision wäre es, Lebensmittel zu haben, funktionelle Milchprodukte beispielsweise, mit deren Hilfe man eine medikamentöse Therapie um zwei, drei Jahre hinauszögern könnte. Das heißt gerade für die Patientinnen und Patienten, die so an der Grenze zur Therapie mit Medikamenten stehen, dass man denen dann sagen kann, gut wir verzichten jetzt noch ein, zwei Jahre auf entsprechende Medikamente, diese Blutdrucksenkung kann man eventuell mit funktionellen Lebensmitteln erreichen."

Dann würden diese Patienten täglich zum Beispiel einen Joghurt essen, der mit bioaktiven Peptiden angereichert wurde. Auch speziell entwickelte Molke, Käse oder andere Milchprodukte sind denkbar. Drei Jahre haben die Wissenschaftler für diese Entwicklungen nun Zeit - solange wird das Projekt durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Anwendungsmöglichkeiten sehen die Dresdner Forscher aber nicht nur beim Menschen, auch in der Tierernährung könnten die blutdrucksenkenden Milchpetide zum Einsatz kommen. Die ersten Patente sind bereits angemeldet.


 
 

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