Mit dieser Sendung beginnt Forum Pisa eine Reihe, die in loser Folge Grundsätze renommierte Pädagogen in der praktischen Anwendung vorstellt. Maria Montessori, 1870 geboren, war die erste Italienerin, die Ingenieurwesen, Mathematik und Medizin studierte - und die erste, die promovierte, in Medizin. Als Assistentin an einer psychiatrischen Klinik befasste sie sich mit behinderten Kindern und begann die Grundlagen zu ihrem späteren Hauptwerk "Il metodo" zu entwickeln. Es stützt sich auf drei Eckpfeiler: Auf einen von Montessori selbst entwickelten Satz von Bau- und einfachen Spielelementen, die Kinder zum selbstständigen Forschen animieren sollen. Zweitens auf "Stillezeiten" und gemeinsame Mahlzeiten zur Förderung sozialen Lernens. Drittens auf die eher beobachtende Distanz der Erzieher, die eine Störung des Lernens durch den Einfluss der Erwachsenen verhindern soll.
Montessoris Erfolge bei den behinderten Kindern waren beachtlich; ihre Zöglinge leisteten zum Teil genau so viel wie gesunde Kinder. Diese Erkenntnis veranlasste sie, noch Pädagogik und Physiologie zu studieren und Lehrerin zu werden. 1904 wurde Montessori zur Professorin für Anthropologie an der Universität Rom ernannt. In der 1907 von ihr gegründeten "Casa dei Bambini" in Rom arbeitete sie mit Kindern aus den Elendsvierteln, und schließlich dehnte sie ihre Methode auf alle Kinder vom Vorschulalter bis zum zwölften Lebensjahr aus.1913 verfasste Montessori ihr Buch "Selbsttätige Erziehung im frühen Kindesalter", das die Verbreitung ihrer Erkenntnisse rasch voranbrachte. Im selben Jahr begann sie, Lehrkräfte aus verschiedenen Ländern in ihrer Methode auszubilden. Fast überall in Europa und Amerika entstanden Montessori-Schulen. Während der Herrschaft Mussolinis wurden ihre Schulen geschlossen. Montessori zog sich nach Indien zurück, wo sie in Adyar eine nach ihrer Methode der Selbsterziehung eingerichtete Schule leitete. Ab 1947 war Montessori wieder in ihrer Heimat tätig, wo sie 1952 starb.
In die deutsche Kindergarten- und Grundschulpädagogik fließen Elemente der Montessori-Methodik nahezu selbstverständlich ein. Darüber hinaus gibt es eine Reihe von Kindergärten und vorrangig Primarschulen, die sich explizit auf Montessori berufen.
In der Sendung Gespräche mit:
Ulrike Kegler, Leiterin der Maria-Montessori-Gesamtschule Potsdam
http://www.potsdam-montessori.de/
Prof. Dr. Harald Ludwig, Erziehungswissenschaftler, Leiter des Montessori-Zentrums der Universität Münster
Literatur zum Thema
Maria Montessori: "Selbsttätige Erziehung im frühen Kindesalter" (13), "Kinder sind anders" (53; Nachlasswerk); "Das Kind in der Familie" (54; Nachlasswerk). Alle erschienen u.a. bei Herder, Freiburg/Br.
Über sie:
Marjan Schwegman: "Maria Montessori 1870-1952. Kind ihrer Zeit, Frau von Welt" ; Biographie; Beltz-Verlag
Ingeborg Waldschmidt: "Maria Montessori. Leben und Werk". 2001., C.H.Beck
Zu Theorie und Praxis
Harald Ludwig, Christian Fischer, Reinhard Fischer (Hrsg.)
Leistungserziehung und Montessori-Pädagogik.
Chancen und Probleme der Leistungsförderung in einer kindorientierten Pädagogik. Lit-Verlag
Paul Oswald, Günter Schulz-Benesch, Günter Schulz- Benesch:
Grundgedanken der Montessori-Pädagogik. Herder
Ulrike Kegler, Annedore Prengel
Die Montessori-Gesamtschule in Potsdam. Klinkhardt
Literaturliste Montessori, zusammengestellt von der Pädagogischen Hochschule Weingarten.
Links zum Thema
Pädagogische Grundlagen für Eltern
www.bildungsserver.de ...
www.eltern.de/familie_erziehung/ ...
www.br-online.de/wissen-bildung/...
www.kindergartenpaedagogik.de...
Verbände
International:
www.montessori-ami.org
National:
www.montessori-deutschland.de
Hier findet sich auch eine Übersicht über die Montessori-Einrichtungen in Deutschland.
Außerdem unter: www.lrz-muenchen.de ...
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