Jerome Charyn ist Kult. Nur weiß das keiner so genau. Am wenigsten er selbst. Das liegt an seinen Facetten. Denn Charyn ist alles in einem, Romanschriftsteller und Sachbuchautor; Biograph, Filmhistoriker und Comic-Texter; Hochschulprofessor und Georges-Moustaki-Songwriter; vor allem aber "Chevalier de L'Ordre des Arts et des Lettres". Ausgezeichnet wurde ein Amerikaner in Paris, der aktuell Filmwissenschaft an der American University of Paris lehrt, während er in den USA immer noch seinen surrealen Träumen von den Schattenwelten des New Yorker "Dampfkochkessels" (Charyn) nachhängt.
Vor allem was die Bronx betrifft, wo der mit Ehrungen und Preisen überhäufte Sohn osteuropäischer Juden 1937 geboren wurde, um sie seit 1974 zum Schauplatz seines weltberühmten Isaac-Siedel-Zyklus' zu machen, durch den Charyn auch in Deutschland als großer Erneuerer des modernen Kriminalromans jede Menge Exegeten wie Anbeter fand. Mit ihrem Hörbild versuchen Hein Brühl und Jürgen M. Thie nun den Spuren eines Multitalents nachzugehen, über dessen genreübergreifende Bedeutung Jean-Patrick Manchette schon 1980 mit den Worten aufmerksam machte: "Die Bronx oder Manhattan sind bei Charyn so verrückt wie Chester Himes' Harlem, Millers Montparnasse oder Célines Deutschland."
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