Englands Fußball hat sich von seinen Wurzeln entfernt. Längst ist er kein schichtenspezifischer Sport mehr. Nur noch acht Prozent der Fans in den Stadien sind Industriearbeiter. Mehrere Vereine sind in der Hand branchenfremder Investoren.
Der Radiokommentar Herbert Zimmermanns beim WM-Sieg der deutschen Fußballnationalmannschaft 1954 ist legendär. Bei nur 26.000 Fernsehgeräten in Deutschland war das Radio damals das bestimmende Live-Medium bei Fußballspielen. 33 Milliarden Fernsehzuschauer, so die Schätzungen, werden in diesem Jahr die Übertragungen von der WM in Deutschland verfolgen. Die Rund-um-die-Uhr-Präsenz von Kamerateams hat auch Folgen für den Sport.
Im Wettbewerb um einen fröhlichen, unbelasteten Patriotismus liegen deutsche Fußballfans international eher am Tabellenende. Im Stadion haben viele Hemmungen, die Nationalhymne mitzusingen. 1954 stimmten deutsche Zuschauer beim WM-Titelgewinn in Bern die erste Strophe des Deutschlandliedes an, das schreckte ab.
Die Liebe der Poeten zum Ball ist nicht erst durch die bevorstehende Weltmeisterschaft entfacht. Doch inzwischen hat die Schwärmerei nahezu hysterische Ausmaße angenommen.
Zwei abgebrochene Äste als Torstangen und eine Blechbüchse als Ball - so einfach kann Fußball sein. Doch nicht bei der Fußball-Weltmeisterschaft: In der Ausrüstung vom Fußballschuh bis zur Eckfahne steckt Hochtechnologie.
Frauen und Fußball - das war lange Zeit nicht unter einen Hut zu bekommen. Erst 1970 hob der Deutsche Fußball-Bund das bis dahin geltende Fußballverbot für die Frauen auf. Doch trotz aller Erfolge der Nationalmannschaft stehen die Spielerinnen immer noch im Schatten der Männer.
Die Ausschreitungen mit 30 Toten im Brüsseler Heysel-Stadion 1985 erschütterten die Fußballwelt. Ein Umdenken setzte ein, Gewalt in den Stadien wird entschieden bekämpft, nach Möglichkeit mit scharfen Kontrollen schon im Keim erstickt. Doch die Gewalt am Rande der Spiele ist schwieriger zu bannen, wie der Angriff auf den französischen Polizisten Daniel Nivel bei der WM 1998 gezeigt hat.
Nach dem Weltmeistertitel von 1990 hielten die Verantwortlichen im Deutschen Fußball-Bund ihre Nationalmannschaft auf Jahre hinweg für nahezu unschlagbar. Doch weit gefehlt: Versäumnisse in der Nachwuchsarbeit führten zum Sturz ins Mittelmaß. Spät hat man aus den Fehlern gelernt, für die WM im eigenen Land vielleicht zu spät.
Von den 3,2 Millionen Eintrittskarten zur Fußball-Weltmeisterschaft sind nur etwa 1 Million in den freien Verkauf gegangen. Den Rest bekamen die Fußballverbände in aller Welt - und die Sponsoren. Das ist ein Grund für die vielstimmige Klage der Fans über die scheinbar grenzenlose Kommerzialisierung des Sportgroßereignisses.
1954, 1974 und 1990 - waren die deutschen Erfolge bei den Fußball-Weltmeisterschaften und der Weg dorthin ein Spiegelbild der damaligen politischen Verhältnisse im Land? Zumindest suchen Fußball und Politik seit jeher die Nähe. Für den Schriftsteller Norbert Seitz ist der Politiker auf der Tribüne nichts weiter als eine "Schmeißfliege im Stadion", die sich im Glanz der Sportler sonnen will.
Fluchen, hemmungsloser Jubel, Weinen - das Leben eines Fußballfans steckt voller Emotionen. Im Stadion darf er in aller Öffentlichkeit und als Teil einer Masse das Ausleben, was im Alltag Kopfschütteln bis Empörung auslösen würde.
Beiträge zum Nachhören
Deutschlandfunk
Podium: Vor 60 Jahren - Aktion "Ungeziefer" in der DDR
Sendezeit: 26.05.2012, 07:51
ESC in Aserbaidschans Hauptstadt Baku
Sendezeit: 26.05.2012, 07:44
Wall Street Frühbörse
Sendezeit: 26.05.2012, 07:35
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