"reden ist unfertig und unexakt. wer laut spricht, der zerstört seine welt", schreiben die autistischen Zwillinge Konstantin und Kornelius, die im realen Leben gerade ihr Studium an der Universität Potsdam abschließen. Im Hörspiel "Oops, wrong planet!" von Gesine Schmidt werden sie mit ihren Texten vorgestellt.
Obwohl sie nicht sprechen, betrachten sie die Sprache als "Sinn ihres Seins". Es ist nicht nur die abstrakte Schönheit der Texte von Konstantin und Kornelius, die im Hörspiel den Kosmos abweichender Weltwahrnehmung beschreiben. Einer vom Asperger-Syndrom betroffenen Ärztin (Lena Stolze) ist der Umgang mit Sprachmetaphern unmöglich und so nimmt das ironische Bild von den Bürgersteigen, die abends hochgeklappt werden, ganz wörtlich.
Ein ebenso wissbegieriger wie lebenshungriger Teenager (Tom Schilling) - ebenfalls mit Asperger - verdoppelt in seinem überhasteten Mitteilungsdrang immer wieder einzelne Worte. Susanne Lothar hört man in einer beeindruckenden (Doppel-)Rolle - ihrer letzten: als Mutter und als ihre mit frühkindlichem Autismus geborene Tochter.
Walter Adler hat die hochverdichteten Texte der Zwillinge von Matthias Koeberlin und Florian Lukas Wort für Wort sprechen lassen: das letzte zuerst und das erste zuletzt. Im Schnitt wieder in die richtige Reihenfolge gebracht, bekommen die Wörter etwas Künstliches, die Stimmen etwas Synthetisches und die Texte eine eigene Schwerkraft. Nachrichten wie von einem anderen Planeten, der doch derselbe ist, den die neurologisch abweichenden Autisten mit dem neurotypischen Rest der Bevölkerung bewohnen.
Mal laufen beide Stimmen beinahe synchron, öfter jedoch wechseln sie von Wort zu Wort, und manchmal werden die Texte auf einer dritten Ebene von dem Bariton Christof Hartkopf in einer Komposition von Pierre Oser gesungen. Das leitende Prinzip der Inszenierung ist die Verdoppelung: von Stimmen, Wörtern, Figuren und den Welten, in denen sie leben. "Oops, wrong planet!" nutzt ein weites Spektrum der Mittel und Möglichkeiten des akustischen Mediums und ist Radiokunst auf hohem Niveau.
Regie: Walter Adler
Komposition: Pierre Oser
Redaktion: Elisabeth Panknin
Produktion: DLF/WDR 2012
Erstsendung: 13.10.2012, DLF
Länge: 67'20"
Anschließend:
"Die Besteigung des Mount Analogue" - Neue CDs von musikalischen Grenzgängern - vorgestellt von Karl Lippegaus.
(Playlist)
Beiträge zum Nachhören
Hörspiel
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