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04.12.2009
Ernst Fischer fordert auch für Gastronomie einen reduzierten Mehrwertsteuersatz.  (Bild: intuitivmedia.net) Ernst Fischer fordert auch für Gastronomie einen reduzierten Mehrwertsteuersatz. (Bild: intuitivmedia.net)

"Eine Verpflichtung für die Hotellerie"

Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands begrüßt Mehrwertsteuersenkung

Ernst Fischer im Gespräch mit Gerwald Herter

Ernst Fischer, der Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands, geht davon aus, dass eine Senkung der Mehrwertsteuer in der Hotelbranche auch an die Gäste und Mitarbeiter weitergegeben wird. "Wenn die großen Häuser ihre Preise senken, werden die anderen nachziehen", sagte Fischer.

Gerwald Herter: Wäre da nicht das Gebot der journalistischen Distanz, so müsste man Ernst Fischer heute wirklich gratulieren, obwohl er gar nicht Geburtstag hat. Der Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes kann hingegen einen großen Erfolg verbuchen. Die deutschen Steuerzahler sollen künftig etwa eine Milliarde Euro jährlich aufbringen, damit die Mehrwertsteuer in Hotels, Kneipen oder Restaurants sinken kann. Das Wachstumsbeschleunigungsgesetz soll es möglich machen und heute wird es durch den Bundestag kommen, mit den Stimmen der schwarz-gelben Koalition. Warum das so sein muss, kann uns jetzt am besten Ernst Fischer selbst sagen. Mit ihm bin ich verbunden. Guten Morgen, Herr Fischer.

Ernst Fischer: Schönen guten Morgen!

Herter: Herr Fischer, auch Sie werden künftig weniger Steuern zahlen, weil Sie Hotelier sind. Was werden Sie mit dem Geld machen?

Fischer: Ich bin in erster Linie Gastronom und Sie haben vorher angesprochen, dass es sowohl für Hotellerie, als auch für Gastronomie einen reduzierten Mehrwertsteuersatz gibt. Da muss ich Sie verbessern. Es gibt ihn nur für die Hotellerie, nicht für die Gastronomie, was ich mir sehr gewünscht hätte, denn wenn es den reduzierten Mehrwertsteuersatz für die Speisen gegeben hätte, dann hätten alle was davon gehabt, auch die Gastronomen. Jetzt hat es aber nur die Hotellerie und insofern möchte ich dieses mal als Etappenziel bezeichnen. Wir führen 1 zu 0 und wir wollen sehen, dass natürlich auch die Gastronomie in den Genuss des reduzierten Mehrwertsteuersatzes kommt. Ich für meinen Betrieb - ich habe bescheidene zwölf Hotelzimmer -, ich habe sofort angekündigt, dass wir die Preise um acht Prozent senken werden, und ich hoffe auch, dass meine Kollegen Hoteliers selbstverständlich ein Drittel, würde ich sagen, für notwendige Renovierungen und Investitionen investieren, zum Zweiten und Dritten an die Beschäftigten und natürlich auch an die Gäste weitergeben. Das ist mein Wunsch und das ist für mich auch eine Verpflichtung für die Hotellerie.

Herter: Die meisten Ihrer Kollegen wollen das aber nicht machen. Das hat eine Umfrage ergeben.

Fischer: Das glaube ich nicht. Wir haben auch eine Umfrage gemacht von 5700 Hoteliers und da war genau dieses ganz deutlich, dass für Investitionen - und da ist auch absolut Bedarf da - ein Drittel benutzt wird und dass etwas an die Gäste weitergegeben wird und wie gesagt auch an unsere Mitarbeiter, die es auch dringend nötig haben und die sich darüber mit Sicherheit freuen werden. Insofern glaube ich auch, wird es der Markt regeln. Es ist der Markt da, und wenn die großen Häuser ihre Preise senken, werden die anderen nachziehen. Davon gehe ich einfach aus.

Herter: Was halten Sie von einer Selbstverpflichtung der Mitglieder Ihres Verbands?

Fischer: Das wäre schön, aber wir haben eine freiwillige Mitgliedschaft in unserem Verband und insofern ist das natürlich unheimlich schwer. Ich werde in allen mir zur Verfügung stehenden Medien immer wieder darauf pochen, dass diese Drittellösung, die ich vorher angesprochen habe, auch kommt und eingehalten wird.

Herter: Genießt das Hotel- und Gaststättengewerbe nicht schon genug Privilegien? Trinkgelder werden ja nicht besteuert ebenso wie die Zuschläge für Sonn- und Feiertagsarbeit. Auch das halten Sie für einen Erfolg Ihrer Verbandsarbeit. Warum reicht denn das nicht aus?

Fischer: Es reicht wirklich nicht aus. Wenn Sie die Situation in Hotellerie und Gastronomie sehen, wie knapp hier die Ergebnisse sind und was es für Gewinnspannen gibt, die sich zwischen null und zwei Prozent bewegen, auch in der großen Hotellerie, wenn Sie wissen, dass zum Beispiel eine der bekanntesten größten deutschen Hotelgruppen, nämlich die Steigenberger-Gruppe, jetzt auch verkauft wurde - sie wurde sicherlich nicht deshalb verkauft, weil die Ergebnisse so toll sind -, dann zeigt dies schon deutlich, unter welchem großen Druck die Hotellerie und Gastronomie steht. Und wenn man weiß, dass Banken auch nicht mehr bereit sind, Hotellerie und Gastronomie zu finanzieren, dann zeigt dies doch am allerbesten ganz deutlich die Situation, in der sich Hotellerie und Gastronomie in diesem Land befinden.

Herter: Sie erwarten von der Koalition auch noch anderes, bestehen darauf, dass es weiterhin keine Mindestlöhne gibt, hoffen auf eine Flexibilisierung des Jugendarbeitsschutzes. Was verstehen Sie darunter?

Fischer: Bei dem Jugendarbeitsschutz: Ich bin großer Ausbilder und habe in rund 40 Jahren 500 Auszubildende, Lehrlinge, wie man heute immer noch gerne sagt, ausgebildet. Wir verstehen darunter, dass eben auch die unter 18 bis 22 Uhr, über 22 Uhr hinaus arbeiten dürfen. Ich glaube, das ist eine Forderung, die verständlich wird unter dem Gesichtspunkt, wie ich es auch in meinen Häusern erlebe, dass die Auszubildenden um 22 Uhr aufhören und warten, bis dann die Kollegen um 23 Uhr mit ihrer Arbeit fertig sind, und sie dann gemeinsam bis morgens in die Puppen in die Diskothek gehen. Ich habe absolutes Verständnis dafür, nur selbst die Auszubildenden sagen, wir würden eigentlich ganz gerne bis 23 Uhr mitarbeiten, um mitzuerleben, wie die Dinge im Betrieb ablaufen.

Herter: Okay, nichts Unmenschliches nach Ihren Worten also. - Von welcher Koalitionspartei werden Sie eigentlich besonders unterstützt?

Fischer: Bei der Mehrwertsteuersenkung für die Hotellerie, die jetzt hoffentlich dann auch am 18. Dezember durch den Bundesrat geht, haben wir breiten Flankenschutz erhalten von der FDP, von der CSU, aber auch von vielen Bundestagsabgeordneten der CDU und nicht zu verschweigen: Auch Die Linke ist für eine Reduzierung der Mehrwertsteuer in Hotellerie und Gastronomie.

Herter: Die CSU hat sich für Sie nicht etwa besonders eingesetzt, weil die Gastwirte in Bayern sauer waren wegen des strikten Rauchverbotes?

Fischer: Das kann ich insofern nicht so beurteilen, zumal ja das Rauchverbot in Bayern wieder im Sinne der Gastronomie gelockert wurde und man jetzt ja wieder in Zelten und in kleinen Kneipen und Gaststätten bis 75 Quadratmeter rauchen kann. Da müssten Sie vielleicht die Politiker fragen.

Herter: Herr Fischer, sind Sie als Lobbyist erfolgreicher oder als Hotelier?

Fischer: Ich hoffe beides.

Herter: Abschließend, Herr Fischer, gäbe es nicht Menschen in Deutschland, die das Geld dann doch viel nötiger hätten als die Mitglieder Ihres Verbandes?

Fischer: Ich glaube, es wird immer Menschen geben, die es nötiger haben. Das sehe ich auch so und das verstehe ich auch. Aber ich sage noch mal: Wir haben über eine Million Arbeitnehmer in unseren Betrieben beschäftigt und wir können unsere Arbeit nicht ins Ausland verlagern. Wir haben 104.000 Auszubildende in dieser Branche. Ich glaube, wir leisten schon auch einen großen Beitrag, dass es in diesem Land weiter vorwärts geht. Insofern fühle ich mich da gar nicht schlecht. Wir kämpfen dafür, dass wie gesagt unsere Mitarbeiter hier in unserem Land auch ordentliche Löhne und ordentliche Gehälter bekommen, und das ist nicht ganz einfach.

Herter: Die Koalition, die Gastronomie und die Mehrwertsteuersenkung. Das war Ernst Fischer, der Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes. Vielen Dank für das Gespräch, Herr Fischer.

Fischer: Gerne! Vielen Dank.


 
 

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