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06.07.2006
Otto Schily während seiner Amtszeit als Bundesinnenminister. (Bild: AP) Otto Schily während seiner Amtszeit als Bundesinnenminister. (Bild: AP)

"Es übertrifft alle Erwartungen"

Schily von Fußball-WM begeistert

Moderation: Oliver Thoma

Ex-Bundesinnenminister Otto Schily hat sich begeistert über die am Sonntag zu Ende gehende Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland geäußert. Die Deutschen hätten ein kreatives, gastfreundliches und offenes Land repräsentiert, sagte der SPD-Politiker.

Oliver Thoma: Damals hieß es, Fußball-WM in Deutschland, das wird schön. Haben Sie damals schon gedacht, dass es jetzt wirklich so schön wird?

Otto Schily: Nein, ich finde, es übertrifft alle Erwartungen. Aber es ist genau das Konzept aufgegangen, was wir uns überlegt haben auch zusammen mit dem Organisationskomitee des Deutschen Fußball-Bundes. Das heißt, unser wichtigstes Ziel war, dass wir uns als gute Gastgeber erweisen, und ich finde, das ist in wunderbarer Weise gelungen. Man muss unseren Mitbürgerinnen und Mitbürgern wirklich ein großes Kompliment machen, wie sie sich verhalten auf den Fanmeilen, auf den Straßen.

Thoma: Glauben Sie denn, dass sie das auch durchhalten jetzt auch, wo Deutschland ausgeschieden ist, bis zum Ende?

Schily: Ja, sicher. Die Stimmung ist ja nicht abgesunken. Natürlich ist ein bisschen die Leidenschaft rausgegangen, das kann man ja auch verstehen. Es geht ja einem auch selber so. Gestern Abend war ich im Stadion, es war ein interessantes, ein schnelles Spiel mit zwei guten Mannschaften, und man ist natürlich nicht ganz so dabei, wenn die eigene Mannschaft nicht mehr dabei ist, aber das geht uns allen so.

Thoma: Jetzt, wo Sie nicht mehr Minister sind, haben Sie vielleicht noch mehr Zeit, Fußball zu gucken. Auf der anderen Seite hätten Sie wahrscheinlich als Innenminister dann auch die besseren Plätze gekriegt, oder?

Schily: Nein, ich habe wunderbare Plätze, ich kann mich überhaupt nicht beschweren. Ich bin ja auch weiter tätig geblieben. Nach dem Ausscheiden aus dem Amt bin ich ja in dem Aufsichtsrat des Organisationskomitees geblieben. Ich freue mich darüber, dass alles wunderbar geklappt hat. Wir haben überall großes Lob bekommen für die Organisation, für die Sicherheitsmaßnahmen, die so gestaltet worden sind, dass die Atmosphäre nicht gelitten hat. Und man muss besonderen Dank richten an unsere Polizei in Bund und Ländern, die das wirklich fantastisch macht, aber auch an die zahllosen freiwilligen Helferinnen und Helfer, das soll man auch nicht vergessen.

Thoma: Hätten Sie sich damals träumen lassen, dass Sie auch mal die deutsche Nationalhymne mitsingen?

Schily: Ich habe sie schon des öfteren gesungen. Ein schönes Lied, es ist mal sehr missbraucht worden, deshalb muss man verstehen, dass unsere Generation eine Weile sich damit wieder anfreunden musste.

Thoma: Aber jetzt haben Sie auch dieses unverkrampfte patriotische Verhältnis?

Schily: Ja, ja, der Haydn hat ein wunderbares Stück komponiert, es ist ja ursprünglich ein wunderbares Kammermusikstück gewesen, und eine schöne Melodie, und ich finde auch, der Text ist ein schöner Text, das ist auch in Ordnung. Also den kann man mit Innbrunst mitsingen.

Thoma: Die ganze Fußball-WM ein Heidenspaß auf jeden Fall, und die beste Werbung für Deutschland, die man sich überhaupt vorstellen kann im Ausland.

Schily: Ja, das wollen wir doch mal besonders herausstellen. Ich finde auch diese Kampagne "Land der Ideen" sehr gut gelungen. Wenn Sie heute sich in Berlin anschauen da die große Fanmeilen, da ist alles übersät mit großen Plakaten "Deutschland, Land der Ideen", und das ist eine große Sympathiewerbung für unser Land. Wissen Sie, in den düsteren Zeiten, da haben wir uns als böse und aggressive Militärmacht dargestellt, und heute ist unsere Anziehungskraft, dass wir ein kreatives Land sind, das gastfreundlich, das weltoffen ist, das modern ist. Ich sage Ihnen auch etwas, Entschuldigung, das klingt ein bisschen vielleicht auch nach Eigenlob, aber ich glaube, dass es auch in den letzten sieben Jahren zwischen '98 und 2005 - und Sie wissen, welche Zeit das ist -, doch auch viel gelungen ist, diese Gesellschaft anders aufzustellen, als das vorher der Fall war bis hin zum neuen Zuwanderungsrecht, wo man sagt, nicht, dass Menschen, die uns kommen, eine Bedrohung sind, sondern dass wir sagen, das brauchen wir auch, und das macht unser Land farbenreicher und interessanter, und da ist etwas passiert, und das wird mir von vielen Gesprächspartnern bestätigt. Gestern waren ja viele hohe Staatsgäste auch aus dem Ausland da, oder aus der Industrie und der Wirtschaft kommen viele Menschen, aus dem Kulturbereich. Und es wird mir von allen Seiten bestätigt, dieses Land hat sich verändert, und etwas Schöneres kann ich über das Land gar nicht sagen.

Thoma: Also wir zeigen uns, wie wir wirklich sind, die Deutschen, aber bisher hat man ja auch den Eindruck, wir sind erst während der WM anders geworden. Diese Begeisterung hat man ja so nicht erwartet.

Schily: Ja, das hängt nun auch ein bisschen damit zusammen (Anmerk. der Red.: im Folgenden unverständlich). Das wurde ja alles vorher verbreitet, und man hat dann den Klinsmann schlechtgemacht, nur weil er sich mal die Freiheit nimmt, auch in einem anderen Land, in Amerika, einen Wohnsitz zu haben. Ich finde auch, die Nationalmannschaft ist ein Symbol dafür, wie sich das Land verändert hat. Die spielen einen modernen, kreativen, offensiven Fußball, gut, jetzt haben sie das letzte Spiel gegen Italien (Anmerk. der Red.: im Folgenden unverständlich). Wir müssen ehrlich sagen, die Italiener waren an dem Abend auch wirklich ein Stück besser als wir, aber sie haben glänzend gespielt, sind bis zum Halbfinale gekommen, und natürlich hat das die Stimmung auch positiv beeinflusst.

Thoma: Alles könnte so schön sein, aber ein bisschen Kritik gab es während der Fußball-WM auch an Ihnen, weil Sie sich so dafür eingesetzt haben, dass FIFA-Chef Blatter das Bundesverdienstkreuz bekommt. SPD-Fraktionschef Peter Struck zum Beispiel fand das gar nicht so gut.

Schily: Es hat mir Peter Struck nichts dergleichen gesagt.

Thoma: Warum war Ihnen das denn so wichtig?

Schily: Ich weiß gar nicht, was das soll. Wissen Sie, das ist ja wieder so, das ist eine typisch deutsche, das ist ein so ein Punkt, wo die lieben Deutschen nun denken, ja wenn doch alles gut geht, irgendeine Sache muss doch miese dargestellt werden.

Thoma: Sagen Sie aber doch vielleicht einfach, warum Ihnen das so wichtig war.

Schily: Ich sage Ihnen dazu was, Sie fragen mich doch. Sie glauben doch nicht, dass ich das alleine in Gang gebracht habe, das glauben Sie doch wohl nicht, sondern das ist eine Entscheidung, dieser Antrag, den ich sehr sorgfältig auch mit dem Organisationskomitee des Deutschen Fußball-Bundes abgestimmt habe, aber ich stehe auch dazu. Ich finde, Joseph Blatter hat das verdient, er ist auch der Präsident der FIFA, es ist zugleich auch ein Dank an die FIFA über die hervorragende Zusammenarbeit. Ich persönlich kann sagen, ich habe auch mit Sepp Blatter hervorragend zusammengearbeitet. Ich weiß gar nicht, was diese Diskussion soll. Da wird doch viel so wieder ein bisschen gestreut mit dem einen oder anderen, was das (Anmerk. der Red.: im Folgenden unverständlich).

Thoma: Ein bisschen was ist immer drin, zum Beispiel auch in unserer Leitung, die manchmal sehr schlecht wird. Wer wird Weltmeister, Otto Schily, das ist die letzte Frage?

Schily: Also nach dem gestrigen Spiel gehe ich davon aus, dass Italien die größten Chancen hat, Fußballweltmeister zu werden, da ich auch eine große Zuneigung zu Italien habe, wie Sie wissen, (Anmerk. der Red.: im Folgenden unverständlich).

Thoma: Vielen Dank für das Gespräch.


 
 

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