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27.04.2007
Das Bild zeigt Kurt Waldheim (Mitte) 1943 in Podgorica im damaligen Jugoslawien. (Bild: AP) Das Bild zeigt Kurt Waldheim (Mitte) 1943 in Podgorica im damaligen Jugoslawien. (Bild: AP)

Geschönter Lebenslauf

Vor 20 Jahren verhängten die USA ein Einreiseverbot gegen Kurt Waldheim als Privatperson

Von Peter Hölzle

Erst Ende der 80er Jahre setzte in Österreich eine intensive Auseinandersetzung mit der Vergangenheit des Landes unter dem Nationalsozialismus ein. Auslöser war die Debatte um eine mögliche Verstrickung des Präsidenten Kurt Waldheim in Kriegsverbrechen.

Als am 27. April 1987 das US-amerikanische Justizministerium gegenüber dem österreichischen Bundespräsidenten, Kurt Waldheim, ein Einreiseverbot aussprach, reagierte der Unerwünschte sofort.

"Ich habe ein reines Gewissen. Lassen Sie mich mit allem Nachdruck feststellen, dass es Beweise eines schuldhaften Verhaltens nicht geben kann."

Den Hintergrund des Einreiseverbots, das Waldheim nicht als Staatsoberhaupt, sondern als Privatperson traf, waren Verdächtigungen, die ihn in Zusammenhang mit Kriegsverbrechen der deutschen Wehrmacht auf dem Balkan brachten. Der Jüdische Weltkongress hatte entsprechende Vorwürfe erhoben. Auf seine Initiative hin war das amerikanische Justizdepartment tätig geworden. Nur, diese Vorwürfe waren nicht neu. Sie hatten bereits in dem ein knappes Jahr zurückliegenden österreichischen Präsidentschaftswahlkampf eine Rolle gespielt, ohne dass sie durch Beweise hätten erhärtet werden können. Insofern stieß das jetzt verhängte Einreiseverbot, dem sich Kanada und Israel anschlossen, auch in der jüdischen Welt auf ein geteiltes Echo.

Drei Tage nach seiner Verhängung, am 30. April 1987, will Werner Nachmann, der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschlands, endlich Beweise sehen:

"Ich habe im Jüdischen Weltkongress erklärt, dass wir Unterlagen brauchen, die Herrn Waldheim überführen, dass er Kriegsverbrechen getan hat. Dazu gehört vielleicht auch, dass Herr Waldheim selbst einen Schritt macht und die Unterlagen, die vielleicht die UNO hat, freigibt."

Weder kamen die Beweise auf den Tisch, noch tat Austrias Staatsoberhaupt einen Schritt in die von Nachmann gewünschte Richtung. Und doch blieben Zweifel an Waldheims Integrität, Zweifel, die bereits im Präsidentschaftswahlkampf aufgekommen waren. Damals hatte das Magazin "Profil" Waldheims Mitgliedschaft im Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund wie im SA-Reiterkorps enthüllt, die Waldheim sofort kategorisch bestritt:

"Ich war nicht Mitglied dieser Organisationen."

Gleichzeitig waren aber auch andere Einzelheiten aus Waldheims Leben bekannt geworden; dass er 1942/43 als Abwehroffizier der Heeresgruppe E auf dem Balkan eingesetzt war, einem Frontabschnitt, an dem von der Wehrmacht Kriegsverbrechen begangen wurden, die ihm nicht entgangen sein konnten. Dass er all diese für einen Präsidentschaftskandidaten der Österreichischen Volkspartei nicht eben schmeichelhaften Details in seiner Autobiografie verschwiegen hatte, lieferte seinen Gegnern willkommene Wahlkampfmunition.

Der sozialistische Bundeskanzler Fred Sinowatz ansonsten nicht eben ein Ausbund an Schlagfertigkeit, machte Furore mit seiner Feststellung:

"Der SPÖ ist es wirklich völlig egal, ob Waldheim bei der SA war. Wir nehmen zur Kenntnis, dass er nicht bei der SA war, sondern nur sein Pferd."

Eine Mehrheit der Österreicher nahm Waldheim seinen geschönten Lebenslauf nicht übel. Sie wählte ihn bekanntlich trotzdem zum Bundespräsidenten. Weniger nachsichtig gingen hingegen der Jüdische Weltkongress und in seinem Gefolge die Vereinigten Staaten, Kanada und Israel mit Waldheim um. Eine internationale Historikerkommission wurde bemüht. Diese bestätigte im Wesentlichen die Enthüllungen des Magazins "Profil", fand aber keine Hinweise für Waldheims Verstrickung in Kriegsverbrechen, was freilich weder die USA noch Kanada und Israel zu einer Aufhebung der Einreisesperre bewog. Waldheim blieb trotzdem bis zum Ende seiner Amtszeit. Nicht einmal der damals vielgesungene musikalische Rat der Popgruppe Erste Allgemeine Verunsicherung vermochte ihn umzustimmen.

"Unser Land ist unten durch. / Unser Image ist beschissen./ Schon heute rufen viele: / Man muss wissen, / man muss wissen, / wann man geh'n muss, / wann man geh'n muss."

Waldheim wusste es nicht und führte sich und sein Land in eine diplomatische Isolierung, die seinem Amt wie der Stellung Österreichs in der Welt abträglich war. Die Waldheim-Affäre hatte aber auch ihr Gutes: Endlich setzte sich die Alpenrepublik mit ihrer eigenen braunen Vergangenheit auseinander und bekannte sich nach Jahrzehnten der Verdrängung zur Mitschuld an den Untaten des Nationalsozialismus.


 
 

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