Die Vorhersage des Deutschen Philologenverbandes lässt einen zusammenzucken, doch ist sie bei weitem nicht neu. Dass Deutschland die Lehrer ausgehen, ist länger schon bekannt. Seit Jahren weisen Lehrerverbände, Gewerkschaften und Bildungsforscher quasi gebetsmühlenartig darauf hin, dass mehr Lehrer in Ruhestand entlassen werden als neu eingestellt.
Und weil konkrete personelle Gegenmaßnahmen häufig ausbleiben, sind viele Schulen im Land inzwischen zu wahren Meistern der Mangelwirtschaft geworden. Die Leidtragenden sind vor allem die Schüler.
Warum also bekommt Deutschland seinen Lehrermangel nicht in den Griff? Ein Hauptgrund ist, so argumentieren die Gewerkschaften, dass die Bildungspolitik, dass die Länder es immer noch nicht ernst genug meinen mit der Prioritätensetzung und beim Personalposten "Lehrer" gern noch sparen. Das führt noch immer dazu, dass viele junge, frisch ausgebildete Lehramtsbewerber ohne Stelle bleiben. Aktuelles Beispiel aus Baden-Württemberg: Von 9800 Lehramtsbewerbern bekamen nur 5000 eine Stelle. Hier müsste also dringend eine bedarfsgerechte und bundesweit vernetzte Personalpolitik her, damit die Lehramtsabsolventen, die da sind, auch tatsächlich berücksichtigt und eingesetzt werden, auch wenn sie vielleicht nicht immer die gerade geforderte Fachrichtung haben.
Die Kultusministerkonferenz ist da als gemeinschaftliches Gremium gefordert. Und vielleicht wäre auch eine größere Offenheit gegenüber Quereinsteigern im Lehrerberuf angebracht. Viele rümpfen diesbezüglich immer noch die Nase, von wegen, die Einsteiger etwa aus der Wirtschaft seien didaktisch unterqualifiziert. Der Deutsche Philologenverband jedenfalls will dem akuten Lehrermangel nach den Sommerferien mit der Einstellung von Lehrern aus Osteuropa begegnen und muntert dazu heute auf. Groß angelegte Anwerbekampagnen allerdings, wie sie derzeit einige Bundesländer durchführen, verschärfen da eher noch die Konkurrenz, da betuchte Länder den weniger betuchten die Absolventen regelrecht wegkaufen können.
Ein weiterer Grund für den Lehrermangel in Deutschland ist sicher aber auch das Imageproblem, das dieser Berufsstand hierzulande einfach nicht abschütteln kann. Der Freude an der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, dem Spaß am Lernen steht immer der Schulalltag entgegen: stressiger Unterricht, schlechte Rahmenbedingungen, mangelnde Weiterbildungs- oder Weiterentwicklungsmöglichkeiten. Dies alles lädt nicht gerade dazu ein, Lehrer in Deutschland zu werden.
Zumal auch andere Disziplinen locken, wie etwa die Ingenieurwissenschaften oder die Naturwissenschaften. Auch dort sucht man schließlich händeringend Studiennachwuchs! Es ist also dringend an der Zeit, den Lehrermangel in Deutschland noch konkreter und strukturierter anzugehen als bisher geschehen. Denn ein Sommerlochthema, so wie es die Kultusministerkonferenz heute nannte in Reaktion auf den Deutschen Philologenverband, ein Sommerlochthema ist der Lehrermangel nun wirklich nicht!
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