300 Millionen also. Das ist ein Wort. 300 Millionen Euro will die Stadt Köln in den Neubau ihres Schauspielhauses investieren. 300 Millionen Euro, die die Stadt nicht hat und nie haben wird. Das offizielle Köln jubelt trotzdem über diese Investition in die Kultur, gerade in den Zeiten der Krise und der leeren kommunalen Kassen. Seht her, scheint der Stadtrat zu rufen, uns ist nichts zu teuer für die Kultur.
Sicherlich setzt Köln mit dem Beschluss für einen 300-Millionen-Euro-Theaterbau ein Zeichen. Die Frage ist nur: Was für eines?
Zunächst einmal zeigt der Neubaubeschluss, dass es teuer ist, an der falschen Stelle zu sparen: Seit mehr als zwei Jahrzehnten hat die Stadt Köln ihre Bühnen verlottern lassen, indem sie die Instandhaltung der Gebäude auf das Minimum reduziert hat. Die Oper ist deswegen ein absurd teurer Sanierungsfall, das Schauspielhaus soll ganz fallen und dem Neubau weichen. Das wiederum ist ein Zeichen für städtebauliche Geschichtsvergessenheit: Schauspiel und Oper der Stadt Köln bilden zusammen ein architektonisches Ensemble, das geradezu idealtypisch für den Baustil der späten 50er und frühen 60er-Jahre des letzten Jahrhunderts steht.
Wilhelm Riphahn, der Architekt beider Häuser, gehörte zu den großen Baumeistern der Nachkriegszeit, er hat das Gesicht seiner Heimatstadt Köln nach dem Krieg maßgeblich geprägt. Seine Bauten sind Zeugnisse einer wichtigen Epoche der deutschen Architektur. Schon deswegen ist der Abriss seines - im übrigen denkmalgeschützten - Schauspielhauses aus dem Jahre 1962 bedenklich. Katastrophal aber sind die Pläne für den Neubau, der sich deutlich über die Riphahn-Oper erheben, sie vermutlich erdrücken wird.
Der Teilabriss des Riphahn-Ensembles ist ungefähr dasselbe, als würde das Berliner Abgeordnetenhaus beschließen, die Kongresshalle im Tiergarten, das heutige Haus der Kulturen der Welt, zu sprengen und durch einen gesichtslosen Neubau zu ersetzen.
Zum anderen stellt Karin Baier, die Intendantin des Kölner Schauspielhauses, die nicht unberechtigte Frage, wie viel Geld ihr am Ende wohl für den Spielbetrieb bleiben wird, wenn der 300-Millionen-Euro-Bau dereinst steht. Denn selbst die Wohlmeinendsten ahnen, dass der Kulturbetrieb seinen Prachtbau zumindest in Teilen selbst finanzieren muss - durch Etat- und Personalkürzungen bei den städtischen Bühnen beispielsweise. In diesem Fall würde das neue Kölner Schauspielhaus zur Potemkinschen Fassade, deren Glitzern von der nackten Not dahinter ablenken muss.
Hätte sich die Stadt Köln wirklich zur Kultur, zu den darstellenden Künsten und zu ihrer eigenen Architekturgeschichte bekennen wollen, dann hätten die Ratsdamen und -herren den Neubau ablehnen, das Riphahn-Ensembel sanieren lassen und eine Garantie für den Etat von Schauspielhaus und Oper abgeben müssen. Sie haben es nicht getan. Das ist kein gutes Zeichen.
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