Dass Theo Zwanziger Chef beim großen Deutschen Fußball-Bund bleibt, das ist die erwartete Nachricht nach der DFB-Vorstandssitzung, die unversehens zur Krisensitzung geraten war. Alles andere wäre eine große Überraschung gewesen.
Lediglich die immer virulenter auftretende Unberechenbarkeit des selbst ernannten Gutmenschen Zwanziger hatte Spekulationen über seinen vorzeitigen Abtritt genährt. Der DFB-Präsident will weiter amtieren; in einem Aufwasch hat er sogleich seine erneute Kandidatur für den DFB-Bundestag Ende Oktober in Essen angekündigt.
In einer langen Rede hat Theo Zwanziger in Frankfurt/Main zunächst vor dem Präsidium , dann vor dem Gesamtvorstand seine Rolle als oberster Diener des 6,7 Milionen-Mitglieder-Verbandes DFB beschrieben. Er tat dies auf die ihm eigene emotionale Weise; so was kann er, wie er vor aller Welt bei der Trauerfeier für den verstorbenen Nationaltorwart Robert Enke bewiesen hat.
Zwanziger hat heute, ein alter probater Trick unter Sportsfreunden, die Werte der großen Fußball-Familie beschworen: Alle müssten zusammenstehen, gegen die bösen Feinde und Kritiker, die Verbesserungen reklamierten und in Wirklichkeit doch nur den eigenen Vorteil suchten. So wie dieser Herr Amerell. Warum Zwanziger die Anschuldigen gegen den ehemaligen Schiedsrichter-Funktionär so lange für sich behalten und nicht den zuständigen DFB-Gremien weitergegeben hatte, konnte er schlüssig heute nicht erklären. Warum das Krisenmanagement des DFB unter Zwanziger nun schon in schöner Regelmäßigkeit versagt, diese Frage ist angeblich so nicht aufgeworfen worden.
Auch nicht von den Vertretern der Deutschen Fußball-Liga, aus dem Profi-Fußball also, die aber schon vor Tische ihr Votum für einen Verbleib von Zwanziger artikuliert hatten. Die Liga war übrigens auch gegen einen Außerordentlichen Bundestag, der aber jetzt doch am 9. April stattfinden wird. Einziger Programm-Punkt: eine Reform des Schiedsrichterwesens, womit der DFB-Chef nun signalisieren kann : Ich bin Opfer der Schiedsrichter-Mafia geworden, ich bin aber, seht her, der tatkräftige Sanierer. Zwanziger, schon wieder mal der Ausmister des Augiasstalles.
Rücktritts-Versprechen für den Fall, dass der sexueller Belästigungen öffentlich beschuldigte Ex-Schiedsrichter Amerell die anstehenden Gerichtsprozesse gewinnen sollte, hat Zwanziger, soweit bekannt, nicht gemacht. Für die uneingeschränkte Rückendeckung der Funktionärsriege hat er sich bedankt. Klar ist aber auch - die DFB-Vorstandsetage wollte jetzt nicht noch eine weitere Baustelle nach Korruptions-Wettskandal, nach Schiedsrichter-Affären und nach der Panne um die Verlängerung des Bundestrainer-Vertrags. In weniger als 100 Tagen steht die Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika bevor, der gilt nun das Augenmerk.
Mit dem Fall Zwanziger ist es aber so, wie öfter im Fußball: Noch ist nicht zu Ende gespielt, es droht Verlängerung.
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